Vom Bagger überfahren: Fehlender Ausguck führte zum Totalverlust mit Todesfolge

Im toten Winkel

Die Lehren aus einem schrecklichen Unfall vor der britischen Küste. Eine Fahrtenyacht sank nach der Kollision mit einem 95,5 Meter langen Baggerschiff, das plötzlich seinen Kurs änderte.

Orca, Kollision, Untergang

Schreckliches Leck nach der Kollision mit dem 97,5 Meter Bagger-Schiff. © MAIB

Was für ein Alptraum für den Skipper einer Moody 31 im Juni vergangenen Jahres. Beim Ansteuern seines Heimathafens Harwich auf der britischen Insel bemerkte er etwa sieben Meilen von Felixstowe entfernt das Baggerschiff “Shoreway”.

Die Moody segelte außerhalb des Tiefwasser-Kanals und der Skipper war sich sicher, dass der Bagger, wie alle großen Berufschiffe, dem Weg im tiefen Wasser folgen würde. Er schaltete den Autopiloten an und ging kurz unter Deck.

Orca, Kollision, Untergang

Der Kollisionsgegner, das 97,5 Meter lange Baggerschiff “Shoreway” © MAIB

In diesem Moment war die “Shoreway” nur etwa 1,6 Meilen entfernt und der Skipper vermutete keine Kollisionsgefahr. Eine verhängnisvolle Fehleinschätzung.  Denn der Bagger-Kapitän änderte seinen Kurs und lief auf die Moody zu.

Trotz bester Sicht sah der erste Offizier, der alleine auf der Brücke war, das Segelschiff so lange nicht, bis der Zusammenstoß unvermeidbar war. Offenbar befand sich die Yacht in einem toten Winkel.

Das Ergebnis war fatal. Während sich der Moody-Skipper unter Deck befand, kollidierten die beiden Schiffe. Der 97,5 Meter lange Bagger riss mittschiffs ein großes Leck in die Fahrtenyacht. “Orca” sank binnen Minuten.

Der Eigner konnte aus dem Wasser gerettet werden. Die Frau wurde mit dem Schiff in die Tiefe gerissen. Erst am nächsten Tag bargen Taucher ihren leblosen Körper aus dem Rumpf.

Orca, Kollision, Untergang

Die Moody 31 “Orca” bei ihrer Bergung. © MAIB

Die Rekonstruktion des Unglücks lässt die Marine Accident Investigation Branch (MAIB) zu folgenden Schlüssen kommen:

• Wenn beide Crews ihrer Ausguck-Pflicht angemessen nachgekommen wären, hätte die Kollision vermieden werden können.
• Fahrtensegler sollten nicht davon ausgehen, dass sie von anderen Schiffsbesatzungen gesehen werden.
• Wegen der guten Sicht hatte der “Shoreway” Offizier das Radargerät nicht benutzt. Dort wäre die “Orca” elf Minuten lang zu sehen gewesen.
• Fahrtensegler sollten sich der Annäherungsgeschwindigkeiten bewusst sein. In diesem Fall war “Shoreway” mit 12,9 Knoten unterwegs, aber die Berufschifffahrt fährt oft mit mehr als 25 Knoten.
• Die Automatik-Weste des Skippers blies sich nicht auf, da die CO2 Patrone nicht korrekt eingeschraubt war. Der Mechanismus sollte regelmäßig überprüft werden.

Orca, Kollision, Untergang

Die Moody 31 “Orca” bei ihrer Bergung. © MAIB

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *