Vier Russen segeln mit Gitarre und dem Gummi-Tri “Energy Diet” um die Welt.

Im Gummiboot um den Globus

Da sieht man mal, was Umgang und Lektüre alles bewirken kann: Zu der Zeit, als die Russen versucht haben, den Kommunismus wahr werden zu lassen, hat Anatoly Kulik die „Schatzinsel“ von Stevenson gelesen und ist der Sehnsucht verfallen, ferne Welten zu entdecken.

Nun, da sich die Grenzen geöffnet haben, setzt er seinen Plan um – auf ganz besondere Weise. Mit seinen Gefährten Evgenii Kovalevsky, Yurii Masloboyev und Evgenii Tashkin will er in mehreren Etappen die Welt umrunden – auf einem zusammenklappbaren Trimaran. Als Untersatz dienen den Russen aufblasbare Rümpfe, und geschlafen wird in einem Zelt auf dem Trampolin. Gemütlich geht anders! Doch die bärtigen Russen, zum Teil studierte Ingenieure, scheuen sich nicht vor dem skurrilen Projekt.

Geboren wurde die Idee zur Weltumrundung 2007 auf der ersten gemeinsamen Segelexpedition des Teams. Mit ihrer „Energy Diet“, die sie selbst als den größten zusammenklappbaren Trimaran bezeichnen, segelten sie 7000 Meilen von den Vereinigten Arabischen Emiraten über den Indischen Ozean nach Thailand.

Gestärkt durch diese Erfahrung entschieden sie, dass mit dem 11,6 Meter langen Schlauchboot-Tri, der in 3,5 Meter lange Kisten verpackt werden kann, auch noch mehr möglich sein müsste. In Etappen, mit längeren Pausen, soll es nun um die Welt gehen. Die ersten beiden Teilstücke sind bereits geschafft, das dritte läuft. Derzeit ist die „Energy Diet“ mitten auf dem Atlantik unterwegs von Walvis Bay in Namibia ins brasilianische Fortaleza.

Der Gummi-Trimaran "Energy Diet" ist zum Törn über den Atlantik gestartet. © www.energydiethd.com

Der erste Abschnitt führte die Crew 2008 über 8000 Kilometer von Indonesien über Thailand, die Malediven und Indien in den Persischen Golf. Dort musste der ursprüngliche Plan, durch das Rote Meer zu fahren, wegen der Piratenangriffe geändert werden.

Stattdessen ging es in einem 3500 Kilometer-Trip auf die Seychellen. Nun folgt die größte Herausforderung: Die dritte Etappe führte seit November von Mauritius über Madagaskar, Kapstadt nach Walvis Bay – mit der Krönung der 7000 Kilometer langen Atlantiküberquerung. Mitte Februar ging es auf die offene See hinaus.

Bei der Auswahl seiner Teamkameraden für diese Herausforderung arbeitete Kulik einen klar formulierten Punkteplan ab. Alle Mitsegler mussten seine Freunde sein, lange Erfahrungen im Travelling haben, eine nützliche Aufgabe für die Expedition übernehmen und einen unstillbaren Hunger nach Abenteuer haben.

CTMJessJob

Letzteren haben sie eindeutig bewiesen, dann für diese Fahrt nehmen sie einige berufliche Entbehrungen auf sich. Kovalevsky hat seine Karriere-Ambitionen in einem wissenschaftlichen Institut in Tomsk an den Nagel gehängt. Masloboyev verpflichtete sich, in seiner Firma 25 Monate am Stück zu arbeiten, um nun drei bis vier Monate frei zu bekommen, und Tashkin hat seinen Job gleich ganz gecancelt.

Neben Boot-Käpt’n Kulik ist Kovalevsky nun Chef-Diplomat und Videowart, Masloboyev übernimmt die Position der Krankenschwester und des Navigators, während Tashkin als Kamera-Assistent auch den Internet-Auftritt verantwortet.

Die Routine an Bord ist alles andere als einfach. Denn es ist schwierig, in dem gerade einmal 3,5 Meter großen Zelt, in dem auch die Verpflegung untergebracht ist, Schlaf zu finden. Die Tage vertreiben sich die vier mit ihren Bordaufgaben, Büchern lesen, Gitarre spielen und MP3 hören.

Dennoch scheint die Fantasie hin und wieder mit den Seglern durchzugehen. So berichtet Kulik von eine Seeschildkröte, die das Boot begleitet haben soll. Auf vier Meter Länge schätzte er das „real monster“, wie er es nannte. Fotos davon hat die Crew allerdings nicht gemacht.

Der Trimaran:

Länge: 11 Meter, Breite, 7,6 Meter, Mast: 12Meter, Gewicht: 650 kg. Die Besegelung beinhaltet ein Groß, ein Sturmsegel, drei Stagsegel und einen Gennaker. Das Gerippe des Tris bestand ursprünglich aus Fiberglas-Rohren, wurde aber später durch Stahl ersetzt. Für die Pyramide, die den Mast und das Kabinenzelt hält, wurde Edelstahl verwendet.

Die aufblasbaren Rümpfe sind aus wasserfestem Polyester gefertigt, die an der Unterseite doppellagig sind. Die Zeltkabine ist zweigeteilt. Im vorderen Bereich ist die Verpflegung und Ausrüstung gelagert, im hinteren schläft die Crew. Das Zeltmaterial ist seewasser- und sonnenfest.

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Ralf Abratis

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3 Kommentare zu „Vier Russen segeln mit Gitarre und dem Gummi-Tri “Energy Diet” um die Welt.“

  1. avatar Sven sagt:

    Nun wurden die Meere schon mit Balsflößen,Schilfbooten,PlastikPipelinebooten,Plastik flaschenBooten,10Fuss schiffen,und Gummibooten bezwungen……mitlerweile dürfte es schwierig werdennoch etwas zu finden was es noch nicht gab………erbete aber ideen was noch in frage kommen würde…..?
    🙂

    Aber nichts desdo trotz haben auch diese Söhne von Väterchen frost mein repekt !!
    Gruß
    Sven

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar Ralf sagt:

    Schlage vor: im Opti übern Ozean oder im 2.4mR auf Arktis-Tour

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  3. avatar Hurghamann sagt:

    Versuchs doch auf unserem ex.Verteidugungs Plagiator- der ist so aufgeblasen das müsste glatt gehen und was besseres vor hat der im Moment auch nicht.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 5

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