Visionen: Kreuzfahrtschiff der Zukunft entworfen – Fokus auf Flügelsegel und Bungee-Jumping

Null Emissionen

Nach einem hausinternen Wettbewerb steht für die finnische Schiffbau-Agentur Deltamarin fest: Die Zukunft wird umweltfreundlich. Na endlich…

Alle schreien nach Fortschritt, doch die meisten dieser Rufer und Mahner haben letztendlich Angst vor der mitunter zerstörerischen Wucht des Neuen. Die Lösung? Kreativität!

Wie oft haben wir bei SR nicht schon vermeintlich visionäre Schiffsbau-Projekte vorgestellt, bei denen von vornherein klar war, dass sie in der Ablage „P“ (wie Papierkorb) landen werden. Und dennoch, das eine oder andere interessante Puzzleteil im Gesamtkonstrukt, neue Ansätze und eben kreative Ideen konnte man in diesen Designs und Entwürfen immer finden. Auch wenn sie als „Ganzes“ letztendlich verworfen wurden.

So ist auch ein hausinterner Wettbewerb zu verstehen, den die finnische Deltamarin – eine der größten Schiffsbau-Agenturen der Welt – unter ihren jungen, kreativen Köpfen ausschrieb.

Im Ansatz realisierbar

Aufgabe war es, die „Kreuzfahrt- und Handelsschiffe der Zukunft“ unter der Prämisse „die See als Energiequelle“ zu entwickeln und zu konzipieren. Die sieben beteiligten Teams aus Designern und Schiffbau-Ingenieuren hatten im Prinzip freie Hand und konnten ihrer Fantasie wie immer in solchen Fällen freien Lauf lassen. Doch alle Beteiligten wussten auch: Diesen Wettbewerb wird nur gewinnen, wer zumindest ein im Ansatz realisierbares Design abliefert.

Kreuzfahrtschiff, Zukunft, Null Emission

So könnten in Zukunft die Kreuzfahrtschiffe aussehen – wenn es nach den Deltamarin-Nachwuchsdesignern geht © deltamarin

Entsprechend war man erstaunt, dass ausgerechnet ein besonders „wildes“ und zumindest auf den ersten Blick völlig „unmögliches“ Projekt den Wettbewerb gewann: Das „Zero Emission Vessel“.

Flügelsegel und ein Turm

Dieses Luxus-Kreuzfahrtschiff der Zukunft macht zunächst den Eindruck, als hätte sich das Entwicklungsteam beim Brainstormen ein bisschen zu viel bei kreativitätsfördernden Rauchwaren bedient.

Aus dem „Zero Emission Vessel“ ragen vier eher unterdimensioniert wirkende Flügelsegel und eine Art Turm (nicht zu verwechseln mit einem Schornstein) kann ebenfalls in die Senkrechte gefahren werden.

Das „Zero Emission“-Ship soll seinem Namen alle Ehre machen, indem überhaupt keine fossilen Brennstoffe mehr für den Vortrieb benötigt werden. Die vier vollautomatisch agierenden Flügelsegel sollen das Schiff per Windkraft über lange Strecken bringen; zudem werden Solar- sowie Windenergie und Brennstoffzellen als Energiequelle für Elektromotoren dienen.

Bemerkenswert fand die Jury das Freizeitangebot, das den bis zu 540 Passagieren (in 230 Kabinen mit Balkon und mehreren Suiten) auf dem 160 Meter langen Kreuzfahrtschiff geboten werden soll. Offenbar geht man davon aus, dass (auch) in Zukunft des Kreuzfahrers liebste Beschäftigung ausgefallene sportliche und abenteuerliche Bewegung sein wird. Jedenfalls ist dieser Hintergedanke der Grund für den markanten „Turm“, den man – einmal vor Anker – aus der Horizontalen in die Vertikale aufstellen wird. Neben dem „spektakulären Ausblick“ (Deltamarin) soll der Turm als Basis für Beschäftigungen wie Bungee Jumping oder Zip-Lining dienen. Wassersportarten wie Kite- und Windsurfen und Tauchen zählen weiterhin zum Standardprogramm; ferner können die Passagiere die Unterwasserwelt durch Glasfenster im Boden des Cruisers beobachten.

SWATH – Prinzip aus dem Jahre 1938

Das wahrscheinlich spannendste Baumerkmal ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Die Designer haben sich für eine möglichst energieffiziente Rumpfform entschieden, die übrigens schon 1938 erfunden wurde. Die SWATH-Form (Small Waterplane Area Twin Hull) gilt als besonders unempfindlich gegen Seegang und als energieeffizient. Zwei torpedoförmige Auftriebskörper unter der Wasseroberfläche, die wiederum eine Plattform tragen, auf der das Schiff „thront“, sorgen beim Vortrieb für deutlich niedrigeren Energieverbrauch (Katamaranprinzip) und für eine ruhige Wasserlage des Schiffes. Nur etwas mehr als 100 Schiffe wurden mittlerweile weltweit nach diesem anerkannt höchst effizienten Prinzip gebaut.

Ob die „Zero Emission“ tatsächlich einmal ohne Emissionsausstoß unterwegs sein wird, sei dahin gestellt. Zudem müssen sogenannte Null-Emissions-Projekte nachweisen, dass auch beim Bau keine umweltschädlichen Emissionen entstehen.

Aber lassen wir die Wortklaubereien. Wichtiger ist allemal, dass auch die Schifffahrtsindustrie ganz offensichtlich eine Zukunft ohne Emissionen ins Visier nimmt. Und das ist für einen der stursten und besonders beratungsresistenten Hauptverursacher von Luftverschmutzung in Europa schon mal ein gewaltiger Schritt. Solche Projekte dürfen nur nicht wieder in Ablage „P“ verschwinden…

Website Deltamarin

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Michael Kunst

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