Wasserpest: Schlingpflanze „Elodea“ behinderte Rettung gekenterter Segler

Von der Pest umschlungen

An Land schwimmen wäre eine Kleinigkeit, wären da nicht diese Schlingpflanzen… © feuerwehr herdecke

An Land schwimmen wäre eine Kleinigkeit, wären da nicht diese Schlingpflanzen… © feuerwehr herdecke

Auf dem Harkortsee/Ruhr konnten Vater (55) und Tochter (19) nach Kenterung weder ihr Boot aufrichten, noch an Land schwimmen – wegen der Wasserpest!

Es begann alles ganz lapidar. Vater und Tochter wollen auf dem Harkortsee, einem Stausee im Verlauf der Ruhr, eine Runde segeln. Irgendwann passen die beiden in einer Böe nicht auf und kentern… eigentlich alles ganz alltäglich, für Segler.

Doch als die beiden versuchen, ihr Boot aufzurichten, spüren sie eine Art „elastischen, aber vehementen Widerstand“: Mast und Segel stecken fest im Gewirr von „Elodea“, einer Wasserpflanzen-Gattung die auch als „Wasserpest“ bezeichnet wird.

Das Malheur ereignete sich unter der Woche, es gab nur wenige andere Segler auf dem See und keiner bemerkt die Probleme der beiden. Sie versuchen es immer wieder, das Boot aufzurichten – erfolglos.

Und bei einer Wassertemperatur von 17° C. fühlt sich der See auch bald nicht mehr sommerlich an.

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Besser an Land schwimmen?

Also beschließen die Segler in Not, die Regel No. 1 aller Gekenterten in ihrem besonderen Falle zu ignorieren und verlassen das Boot, um an Land zu schwimmen. Auch mit diesem Versuch scheitern sie kläglich: Die Wasserpflanzen schlingen sich um Füße und Beine, Hände und Arme und machen es nahezu unmöglich, sich fortzubewegen. Also klammern sie sich wieder an ihre gekenterte Jolle und hoffen auf Hilfe.

Doch die lässt auf sich warten.

Zwar melden Spaziergänger die „Segler mit Problemen nach Kenterung“ und DLRG sowie Feuerwehr machen sich pflichtgemäß sofort auf den Weg, doch wurde den Rettungskräften nur eine vage Beschreibung der Unglücksstelle gegeben („Nähe Minigolfplatz“), so dass lange 90 Minuten zwischen Meldung und Rettung der beiden vergehen.

Zudem kommen die Retter mit ihren drei (!) Booten zunächst nicht an die Gekenterten heran: Die Wasserpest-Schlingpflanzen verheddert sich in den Propellern – die riesigen Gewächsflächen müssen erst weiträumig umfahren werden, um von einer anderen Seite letztendlich dann doch zu den beiden Seglern zu gelangen.

An Land wurden beide schließlich mit deutlichen Unterkühlungserscheinungen ärztlich versorgt.

Mähboote werden der Pest nicht Herr © ruhrverband

Mähboote werden der Pest nicht Herr © ruhrverband

Auf Teppichen wandeln?

Nach Aussagen der am Einsatz beteiligten Feuerwehr- und DLRG-Mitarbeiter war dies der erste Rettungseinsatz aufgrund der Wasserpest in der Region.

Segel und andere Wassersportvereine entlang der Ruhr klagen schon seit Jahren über einen deutlichen Mitgliederschwund, für den die Schlingpflanzen im Wasser als Hauptschuldige ausgemacht wurden. Segeln im Gemüse macht eben keinen Spaß.

Doch was tun? Die Pflanze wächst seit Anfang des 20. Jahrhunderts in europäischen Gewässern – „Elodea“ wurde aus Nordamerika eingeschleppt und verbreitet sich hauptsächlich bei wärmeren Wassertemperaturen wie… ja, eben wie die Pest.

Im Herbst stirbt sie bei niedrigen Wassertemperaturen meistens ab, die dann entstehenden Faulgase lassen oft kleinere Seen „umkippen“– in diesem Jahr tritt sie allerdings aufgrund des eher milden letzten Winters, bei dem viele „Elodea“-Bestände nicht abgestorben waren, besonders üppig auf.

Gegen diese Pest ist kein Kraut gewachsen © ruhrverband

Gegen diese Pest ist kein Kraut gewachsen © ruhrverband

Dagegen wächst kein Kraut

Mehr als 1,5 Millionen Euro hat der Ruhrverband bereits zur Bekämpfung der Pflanzenplage im Wasser ausgegeben; die Ergebnisse der Bemühungen sind allerdings eher dürftig.

So wird etwa auf dem Harkortsee auch ein Mähboot eingesetzt, das aber gegen die Masse der Schlingpflanzen nicht ankam. Und auch die in allen betroffenen Gewässern ausgesetzten „Rotfedern“, eine Fischart, die sich besonders gerne von der „Wasserpest“ ernähren, zeigten noch keine Wirkung.

Wird man also über die Ruhr bzw. über ihre Stauseen bald fast trockenen Fußes „wandeln“ können? Die Behörden zucken mit den Schultern: Gegen die Wasserpest ist in ganz Europa jedenfalls noch „kein Kraut gewachsen“!

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Ein Kommentar „Wasserpest: Schlingpflanze „Elodea“ behinderte Rettung gekenterter Segler“

  1. avatar boatsailing sagt:

    Klimawandel? Auf der Alster hatten wir Blaualgenpest und auch auf dem Ratzeburger See gibt es Schlingalgen. Davor war der See ganz grün, das war schön, aber normal?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 2

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