Weltumseglung: Stéphane Narvaez will einhand nonstop vier Mal „um die Welt segeln“

„Rückkehr zum Selbst“

Die große Einsamkeit im Southern Ocean erwartet Narvaez – hier bei seinem letzten Törn gegen Wind und Strom rundum © Narvaez

Die große Einsamkeit im Southern Ocean erwartet Narvaez – hier bei seinem letzten Törn gegen Wind und Strom rundum © Narvaez

800 kg Nahrungsmittel, eine Wasseraufbereitungsanlage, ein MP3-Player und 57 Bücher – damit wähnt sich Narvaez gewappnet für sein einsames Abenteuer. Sonntag Nachmittag setzte er Segel

Sechzehn Monate alleine auf dem Schiff, davon ein Jahr im Southern Ocean, vier Umrundungen des antarktischen Kontinents mit jeweils vier Passagen am Kap Hoorn und Kap der Guten Hoffnung, ungefähr 24.000 Beobachtungen, Messungen und Analysen für den Umweltschutz… der Franzose Stéphane Narvaez hat ein straffes Arbeitspensum vor sich.

Kein Glanz, kein Gloria, keine Vorschusslorbeeren: Vor kaum Hundert Freunden, Familienmitgliedern und Segelkumpeln hisste Narvaez am Sonntag um 17:45h das Groß und segelte gelassen auf seiner motorlosen „Oikos“ aus der Bucht von Antibes/Cote d’Azur. Ein wenig Winke-Winke, ein letzter akustischer Gruß vom Boot der lokalen „Lebensrettungsgesellschaft“ und das war’s. Die meisten Zuschauer verzogen sich bald in die nächsten Bars und Cafés und Narvaez dürfte sich zunächst einmal locker zurückgelehnt haben, um diesen Moment der Abfahrt ins Ungewisse auf seine ganz spezielle Weise zu genießen.

Vier Mal rund um den antarktischen Kontinent © navaez

Vier Mal rund um den antarktischen Kontinent © navaez

Fahrtensegler par excellence

Ja, genießen! Denn Narvaez wird den kommenden Monaten mit nur wenig Bauchgrummeln entgegen sehen: Selbst unter den Hochsee-verrückten Vendée-Globe-Stars wie Le Cam, Desjoyeaux oder Dick oder bei den alten Salzbuckeln auf ihren Rekordtrimaranen wie Peyron oder Joyon genießt der 46jährige einen hervorragenden Ruf als „Abenteurer mit dem besonders langen Atem“. Er gilt als „Fahrtensegler par excellence“ und nötigte vor allem mit seinem letzten Törn den Regatta-Hochseehelden der Nation Respekt ab: 2011- bis 2012 segelte Narvaez als sechster Mensch überhaupt einhand gegen die vorherrschenden Wind- und Stromrichtungen um die Welt. Und das auf einer nur unwesentlich modifizierten Serienyacht

Rundum will er auch diesmal und seine „Spielwiese“ für die nächsten Monate wird der Southern Ocean sein. Vier Mal um die Welt segeln nennt Narvaez die viermalige Umrundung des antarktischen Kontinents. Vier Mal will er an Kap Hoorn und dem Kap der Guten Hoffnung vorbei… was jedoch nach den „offiziellen“ Regeln der Weltumsegler nicht als solche gewertet werden dürfte, denn für eine „echte“ Umrundung muss jeweils der Äquator übersegelt werden.

Narvaez gilt als Sympath in der Szene, obwohl er nicht gerade für lange Reden bekannt ist. Vor allem mit Jugendlichen und Kindern in Schulklassen will er über Satellitentelefon Kontakt halten  © Narvaez

Narvaez gilt als Sympath in der Szene, obwohl er nicht gerade für lange Reden bekannt ist. Vor allem mit Jugendlichen und Kindern in Schulklassen will er über Satellitentelefon Kontakt halten © Narvaez

Rechnet man jedoch die permanenten Treibeis- Gefahren, die überaus kernigen Windverhältnisse in der Region und natürlich die zehrende Einsamkeit zumeist weit ab von jeglichen Rettungsmöglichkeiten hinzu, dürfte dies die „paar Seemeilen“ hinauf zum Äquator wieder ausgleichen.

Narvaez ist in dem vorgestern gestarteten Abenteuer erneut auf seiner „Oikos“ unterwegs (ein griechischer Begriff für Versammlungsort, Ort der Ruhe und des Rückzugs oder ganz simpel: Haus) – eine Sharp 47 (14 x 3 Meter) aus dem Jahre 1985, die im Laufe der letzten drei Monate vollständig überholt und aufgearbeitet wurde (Werft Hemidy, Riss Hubadeau-Dumas, der bereits die „Credit Agricole“ 1 und 3 zeichnete).

Für die Wissenschaft –und sich selbst

Schon für die Weltumrundung gegen Wind und Strom rüstete Narvaez seine „Oikos“ zu einem 100% ökologischen Schiff um (falls dies mit einem Aluminium-Rumpf überhaupt möglich ist, aber lassen wir das 🙂 ) Alle Anlagen an Bord werden mit Energie aus Solar-Panelen betrieben, seine Pendelruder-Selbststeuerung kommt sowieso ohne „Saft“ aus.

Ein paar Freunde, ein wenig Winke-Winke – die Abfahrt von Narvaez war alles andere als ein großes Spektakel © 4SMS

Ein paar Freunde, ein wenig Winke-Winke – die Abfahrt von Narvaez war alles andere als ein großes Spektakel © 4SMS

Auch damals nahm Narvaez während seines Törns bereits Wasserproben für wissenschaftliche Zwecke und maß regelmäßig die Wassertemperatur direkt an der Oberfläche der Ozeane (sehr wertvoll für die Wissenschaft, da entsprechend ausgerüstete Handelsschiffe die Wassertemperatur meist nur 4-6 m unter der Wasseroberfläche messen).

Ein Programm, das sich diesmal grosso modo wiederholen wird, zu einem Teil aber automatisiert wurde. So sind etwa spezielle Geräte mittschiffs im Rumpf eingelassen, mit denen der Salzgehalt des Wassers bestimmt werden kann. Insbesondere die über einen langen Zeitraum regelmäßige Messung der Wassertemperatur in eher selten befahrenen Gebieten wie dem Southern Ocean dürften von hohem wissenschaftlichen Wert sein.

Segelplan der Oikos © navaez

Segelplan der Oikos © navaez

„Warum ich das mache?“ Der eher schweigsame Narvaez antwortete ungewöhnlich ausführlich  auf die obligatorische Frage der lokalen Presse von Antibes. „Es ist schwer zu beschreiben, aber es hat mit einer „Rückkehr zum Selbst“ zu tun. Dieses Gefühl dort draußen in den Wasserwüsten eins mit der Natur zu werden, kann man nur beim Hochseesegeln erfahren. Du bist mittendrin, musst mit den Wellen und dem Wind klar kommen, hast keine Möglichkeit auszuweichen. Die Natur ist so unglaublich mächtig – und im Southern Ocean spürt man das wie nirgendwo anders!“

Tipp von SR-Leser André Mayer

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Weltumseglung: Stéphane Narvaez will einhand nonstop vier Mal „um die Welt segeln““

  1. avatar Stefan Z sagt:

    Liegt Norderney auf seinem Kurs?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

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