America’s Cup: Ainslie siegt in Japan – Was der Triumpf für die Rennen in Bermuda bedeutet

Ainslie zeigt das gewisse Etwas

Replay der entscheidenden drei doppelt zählenden Rennen vom “Super Sunday” in Japan

Ainslie verpasst Spithill im letzten Rennen einen Prestart-Penalty:

Land Rover BAR um Ben Ainslie hat die America’s Cup World Series gewonnen und nimmt zwei Bonuspunkte in die ersten Cup-Rennen mit. Der Brite verteilte jede Menge Penaltys.

Ben Ainslie hat mit seinem Team beim letzten der sechs zählenden America’s Cup World Series Regatten im japanischen Fukuoka seine ganze Klasse gezeigt. Schon vor der Veranstaltung war es klar, dass sein britisches Team mit dem bestehenden Vorsprung nur schwer vom Spitzenplatz zu verdrängen sein würde, aber in Japan zeigte er auch noch überlegene Sieger-Mentalität.

Spithill im Clinch mit seinem ehemaligen Team Kollegen Ainslie

Spithill im Clinch mit seinem ehemaligen Team Kollegen Ainslie

Anstatt einfach eine solide Rennserie abzuspulen nutzte er die letzte Regatta, um der Konkurrenz und seinen Mitseglern zu zeigen, dass er tatsächlich das gewisse Etwas haben mag, das für einen America’s-Cup-Sieg entscheidend sein kann.

Der Rekord-Olympia-Sieger kreierte jede Menge enger Situationen, setzte die Gegner kontrolliert unter Druck und behielt bei den Big Points die Oberhand. So distanzierte er insbesondere das Oracle Racing Team, das er 2013 noch als Taktiker zum Cup-Gewinn geführt hatte.

Der Chef im Ring

Schon beim ersten Start zeigt der Meister seine Klasse. Zwar fängt er sich einen frühen Penalty im Vorstart ein, aber er behält die Nerven und schafft es, gleich beide direkten Gegner Oracle und New Zealand an der Startlinie vorbeizuschieben. Zusätzlich verpasst er den Kiwis noch eine Strafe, die nicht ausreichend auf sein Luvmanöver reagierten.

Ainslie luvt Burling und Spithill im ersten Rennen an der Startlinie vorbei. Das wird ihm Spaß gemacht haben.

Ainslie luvt Burling und Spithill im ersten Rennen an der Startlinie vorbei. Das wird ihm Spaß gemacht haben.

Die Strafe besteht aus einer Wartephase von zwei Bootslängen. Als beide Crews diese Zeit abgesessen hatten, lag Oracle immer noch achteraus und Ainslie in Führung. Besser kann man nicht zeigen, wer der Chef im Ring ist.

Dabei fällt kaum ins Gewicht, dass der Vorsprung bei leichtem drehendem Wind schon auf dem zweiten Schenkel wieder aufgebraucht ist. So ein Big Point beim Start bleibt im Gedächtnis und wird auch in Bermuda noch eine psychologische Rolle spielen. Schließlich schaffen es die Briten, schon ein Rennen vor Schluss schon die Gesamtwertung für sich zu entscheiden.

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So konzentriert sich Ainslie im letzten Rennen noch einmal darauf, den Cup-Verteidiger zu düpieren. Er pirscht sich von hinten an Spithill heran – der später zugibt, die Briten nicht gesehen zu haben – und hält ihn in einem Luvmanöver von der Startlinie fern. Oracle weicht nicht ausreichend aus, es kommt zum Kontakt und nach dem fälligen Penalty ist das US-Team Letzter.

Spithill kalt erwischt

Team New Zealand dagegen erwischt einen ordentlichen Start und es besteht die Möglichkeit, dass Burling und Co Oracle noch in der Gesamtwertung der World Series überholen. Genau das hat Ainslie im Sinn, der schon vor dem letzten Rennen den Sieg in der Tasche hatte. Deshalb ist es verwunderlich, dass Spithill oder Taktiker Slingsby dieses Manöver nicht vorhergesehen hat. Er wird kalt erwischt.

Ainslie schnappt sich die Oracle Freunde wieder vor dem Start mit einer Lee-Überlappung und verpasst ihnen eine Strafe

Ainslie schnappt sich die Oracle Freunde wieder vor dem Start mit einer Lee-Überlappung und verpasst ihnen eine Strafe

Aber am Ende kommt es doch anders. Die Kiwis verschenken ihren Vorteil, bekommen von Oracle noch eine Strafe verpasst, lassen sich noch auf den fünften Platz zurückreichen und müssen die Amerikaner ziehen lassen.

Ainslie dagegen ändert wegen der Kiwi-Schwäche in diesem Rennen die Strategie und will nun auch die Regatta in Fukuoka gewinnen. Das ist gut für die Sponsoren und für den Team-Spirit. So schiebt er sich noch auf Rang drei vor und gewinnt punktgleich mit Artemis.

Beeindruckende Briten

Eine beeindruckende Leistung der Briten, die nach der Taktiker-Rückkehr von Finn-Olympiasieger Giles Scott beim vorletzten Event in Toulon erst große Schwierigkeiten hatten und mit zwei letzten Plätzen starteten. Aber nun scheint es zwischen den beiden ex-Gegnern immer besser zu laufen.

Was bedeutet der Ausgang der Rennserie für den Start der America’s Cup Qualifikation in Bermuda, die am 26. Mai startet? Land Rover BAR beginnt die doppelte Round Robin Serie, bei der alle sechs Boote inklusive Verteidiger Oracle je zweimal im Match Race gegeneinander antreten, mit zwei Siegen/Punkten Vorsprung.

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Am Ende der Serie bleiben dann vier Herausforderer übrig, die das Halbfinale aussegeln. Oracle ist nicht mehr dabei und greift erst wieder im Cup Match ein. Ein Challenger wird eliminiert. Sollte Oracle die Qualifikation gewinnen, geht das Team mit einem Bonuspunkt/Sieg in das Cupfinale. Sollte ein Herausforderer die Qualifikation und auch das Challenger-Finale gewinnen, würde auch er einen Bonuspunkt in das Cup-Match mitnehmen.

Wichtige Punkte für Bermuda

bildschirmfoto-2016-11-21-um-12-58-25Das Format zeigt also, dass die Punkte  aus der World Series durchaus wichtig werden könnten. Aber man darf die Aussagekraft auch nicht überbewerten. Denn die America’s Cup Qualifiers werden mit Booten ausgesegelt, die in der Entwicklung inzwischen so weit fortgeschritten sind, dass sie kaum noch etwas mit den AC45 Einheitskatamaranen zu tun haben, die zuletzt in Japan zum Einsatz kamen. Sie sind bis zu 40 Prozent schneller.

Die zukünftigen Rennen werden auch bei wenig Wind wohl fast ausschließlich auf Foils ausgetragen. Gennaker gibt es nicht mehr, weil ihr Windwiderstand zu groß wird, die Crews müssen permanent am Grinder kurbeln und der Steuermann steht hinter einem Steuerrad, wo er per Knopfdruck einen Großteil der Technik bedient, die seine Ingenieure eingebaut haben.

Es ist völlig unklar, wie unterschiedlich die Konstruktionen im Boot-Speed sein werden. Die Beteiligten betonen immer wieder, dass dieser Cup so eng ausgehen wird, wie nie zuvor. Aber das muss sich erst einmal zeigen.

Die seglerische Komponente

Falls es wirklich so ist, dass sich kein Team einen entscheidenden Speed-Vorteil verschaffen kann, dann wird die seglerische Komponente stärker gewichtet, und dann sind die Ergebnisse der World Series durchaus ein Fingerzeig, wer das stärkste Team stellen kann.

Ein wichtiger Unterschied bei den Rennen um den 35. America’s Cup  ab Mai ist der Match-Race-Modus. Das wird ein völlig anderes Spiel als beim Fleetrace. Aber auch dabei ist Ben Ainslie bestens aufgestellt im Vergleich zu seinen Steuermann-Kollegen, die überwiegend aus den Speed-Klassen kommen. Da dürfte die Erfahrung von James Spithill aber auch Dean Barker verstärkt zum Tragen kommen.

In Japan hat sich jedenfalls gezeigt, dass das Land Rover BAR Team ein sehr starker Herausforderer sein wird. Auch Artemis hat mit den jüngsten Ergebnissen gezeigt, dass sie auf Augenhöhe sind. Die Kiwis scheinen dagegen ihren frühen Vorsprung durch die Genialität von Peter Burling aufgebraucht zu haben.

 

Ainslie kommt an der letzten Marke vor dem Ziel mit Speed von hinten und luvt Spithill so lange, bis der im Wind steht und die Fahrt verliert. Er schnappt sich so den zweiten Platz im 5. Rennen. Das Manöver wird in normalen Wettfahrten von Regel 17 verhindert. Wer von hinten kommt hat kein Luvrecht. Bei diesen Regatten ist Regel 17 aber ausgeschaltet.

 

Outteridge erklärt die Technik der Onedesign AC45, die bei der World Series zum Einsatz kommen:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „America’s Cup: Ainslie siegt in Japan – Was der Triumpf für die Rennen in Bermuda bedeutet“

  1. avatar Manfred sagt:

    Guter Bericht. Danke. Bißchen unklar bleibt für mich:
    quote:””Sollte ein Herausforderer die Qualifikation und auch das Challenger-Finale gewinnen, würde auch er einen Bonuspunkt in das Cup-Match mitnehmen.””unquote

    Bedeutet das im Ernstfall, dass BAR (sehr überlegen gestern, da stimme ich voll zu) mit 3 Punkten Vorsprung in das “best of 7” Finale starten könnte?

    Da ORACLE ja bereits einen Punkt gemacht hat, bleiben in diesem Fall wiederum 2 Punkte für das Finale bei BAR, sollten sie in s Finale kommen.

    Oder bereits 1 Sieg für ORACLE, 2 Siege für BAR. Dann “betrügt” man uns doch um einige Rennen. Lohnt das die Anreise?

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