America’s Cup: Oracle holt Bonuspunkt gegen Neuseeland – Kiwis wählen Briten für KO-Duell

Job Done

Die America’s Cup Qualifiers enden mit dem Sieg des Verteidigers. Aber der kann sich ganz und gar nicht sicher fühlen auch wenn die Neuseeländer  erste Schwächen zeigen. Sie haben den Taktiker ausgemustert.

“Wir haben gerade ein Cup-Rennen gewonnen”, sagt Tom Slingsby. Sichtlich erleichtert faustet der ex Laser Olympiasieger und Oracle Taktiker seinen Steuermann Jimmy Spithill ab. Hinter den Cup-Verteidigern liegt ein hart erkämpfter Sieg gegen die Neuseeländer.

America's Cup, Oracle

Job done! Spithill und Slingsby gratulieren einander zum Bonuspunkt. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Es ist nicht nur ein Sieg für die Psyche. Er beschert dem US-Team auch einen Punkt für die America’s Cup Match-Serie, die in zwei Wochen startet. Wer auch immer gegen Oracle antritt, geht schon mit einer Niederlage in die Regatta.

Und möglicherweise heißt der Gegner dann wieder Neuseeland. Das Team von der kleinen Insel hat sich in den vergangenen Wochen als stärkster Herausforderer gezeigt, und viele sahen schon einen lockeren Durchmarsch in der morgen startenden Play-Off-Serie.

Aber so leicht wird es nicht. Die Kiwis liefern gegen die Amerikaner nicht gerade ihr bestes Rennen ab. Dieses Duell deckt auf, wo die Neuseeländer ihre Schwächen haben. Peter Burling und sein Team sahen in zwei Szenen ziemlich alt aus.

Von Spithill abgekocht

Zuerst der Start. Bisher hat der 49er Olympiasieger eine ordentliche Quote abgeliefert, aber bei diesem wichtigen Match sieht er schwach aus. Er wird von Spithill abgekocht, quetscht sich in eine Lücke, die es nicht gibt, erhält einen klaren Penalty und beginnt das Rennen mit einem deutlichen Rückstand.

 Aber das Boot der Neuseeländer ist eine scharfe Waffe in den Händen der jungen Wilden, und auch Oracle sieht im Vergleich nicht viel stärker aus als die übrigen Gegner der Kiwis. Schon auf der ersten Kreuz werden sie überholt, aber als es eng wird, sehen Burling und Co erneut schwach aus.

America's Cup, Neuseeland

Kiwi-Sprint auf die Luvseite. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Die Anfahrt des Luvtores von der linken Seite ist nicht gut geplant. Burling hat es in einem Match schon einmal besser gemacht. Wenn der Cross nicht passt, kann er verzögern, bis Spithill vorne durchfährt, und dann mit Speed die rechte Luvtonne runden.

Burling liegt daneben

Aber diesmal ist lange nicht klar, was die Neuseeländer vorhaben, und ihnen wohl selbst nicht. Erst halten sie so tief, als wollten sie hinter Spithill durch. Dann erkennen sie wohl, dass die Anliegelinie nicht passen würde. Das US-Boot hat sich perfekt positioniert.

Nun scheint Burling den Cross vor den Bugspitzen wagen zu wollen. Als auch das nicht klappt, will er sich mit einer Wende in die linke Zone retten. Wenn er vor dem Gegner den gelben Kreis erreicht, darf der nicht innen reinstechen, wenn er keine Überlappung hergestellt hat. Spithill tut aber genau das. Burling protestiert, liegt mit seiner Einschätzung aber völlig daneben. Die Zone ist weiter entfernt, als er denkt.

America's Cup, Oracle Neuseeland

Dial Down von Oracle. Irre, wie knapp Burling trotzdem hinter dem Heck passiert. © ACEA 2017 / Photo Gilles Martin-Raget

Hier mag sich rächen, dass er bei dem aktuellen Crew-Setup sehr auf sich alleine gestellt ist. Während die übrigen Teams ihrem Steuermann jeweils einen starken Taktiker zur Seite gestellt haben, der viel über den Bordfunk mit dem Mann am Lenker kommuniziert, haben die Kiwis die Bezeichnung “Taktiker” ganz aus ihrer Crewaufstellung gestrichen.

Früher hat diesen Job bei den Kiwis einmal Ray Davies für Dean Barker ausgeführt. Er wurde ohne viel TamTam aus dem Segelteam aussortiert und ist jetzt nur noch der Coach. Das ist nachvollziehbar, weil Davies  körperlich nicht stark genug ist, um wie die Taktiker Ian Percy (Artemis),  Giles Scott und Tom Slingsby (Oracle) auch noch genügend Öl in Bewegung zu setzen. Auch das Softbank Team hat keinen physisch starken Taktiker. Deshalb erfüllt der ex 49er-Doppelweltmeister Chris Draper als Taktiker gleichzeitig die Aufgaben des Wing-Trimmers.

Kiwis haben Taktiker-Job gestrichen

Die Neuseeländer dagegen haben die Funktion einfach gestrichen. Burlings 49er Vorschoter Blair Tuke gibt zwar auch auf dem hinteren Rad Informationen von seinem Bildschirm weiter. Aber er erfüllt offenbar eher den Job des Navigators, der die Entfernung zu den Anliegelinien und Boundaries angibt.

So scheint Burling in seinen Entscheidungen mehr auf sich selbst gestellt als die anderen Steuermänner. In der Situation am Luvtor scheint dieses Defizit zum Problem geworden zu sein. Jedenfalls geht das Rennen in dieser Situation verloren. Danach kommen die Neuseeländer nicht mehr heran.

America's Cup, Ainslie

So knapp sind die Briten dran an Oracle. © ACEA 2017 / Photo Gilles Martin-Raget

Der nächste Split der Kiwis am Leetor mit zwei kurz aufeinanderfolgenden Halsen ist schlecht ausgeführt und kostet viele Meter. Dann folgt noch ein Unforced Error durch das Überfahren der Spielfeldgrenze, die einen Penalty zur Folge hat. Als das Team die fällige zwei Bootslängen-Bremse nicht vor der nächsten Wende absolviert, wird eine zweite Strafe fällig. Eine schwache Vorstellung.

Spithill frohlockt

Und Spithill frohlockt nach dem Rennen. Er verweist auf das mögliche Taktiker-Defizit: “In beiden Rennen gegen uns haben sie jeweils fundamentale Fehler gemacht. Ich denke, das ist für uns sehr bedeutungsvoll, denn wir haben mit Tom Slingsby einen fest zugeordneten Taktiker, der die schwierigen Situationen auf dem Rennkurs meistert.” 

Aber auch dieses Duell hat gezeigt, dass sich die Cup-Verteidiger nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen können. Neuseeland scheint schneller zu sein und Artemis hat die Amerikaner zweimal besiegt. Nun stählen sich die Herausforderer in den Play Offs und besonders einem Burling wird die Erfahrung gut tun. Oracle dagegen bleibt zwei Wochen ohne echte Rennen.

Und im letzten Duell gegen Oracle zeigt selbst das Land Rover BAR Team, dass es schwer auf dem Vormarsch ist. Gestärkt durch einen Sieg gegen die Japaner nach einer erneut hervorragenden Renneröffnung, der die Start-Bilanz von Ainslie auf 7:2 hochschraubt, gehen die Briten in das Duell gegen den Verteidiger.

Diesmal verliert der erfolgreichste Olympia-Segler aller Zeiten allerdings den Start, als das Timing zur Linie misslingt. Man hört ihn wieder genervt ins Mikrofon grunzen als Spithill in Luv passiert. “Arrrrgh.”

Aber auf dem Kurs bleiben die Engländer dann bis zum Ende dran und liefern eine Leistung auf Augenhöhe. Sie dürfte ihnen Hoffnung machen. Schwer vorstellbar, dass Oracle heute hätte überholen können, wenn Ainslie beim Start vorne gelegen hätte.

Aber BAR muss nun bei den Play Offs gegen die Neuseeländer ran. Die Kiwis durften sich als bester Herausforderer der Qualifiers den Gegner unter den verbliebenen drei Teams aussuchen.

Burling sagt bei der Pressekonferenz: “Wir glauben, dass uns das die beste Chance zum Weiterkommen gibt, wenn wir die Wettervorhersage betrachten.” Soll heißen: Zumindest für Sonntag ist wenig Wind angesagt, und da waren die Briten zuletzt nicht konkurrenzfähig. Aber es geht darum, wer zuerst fünf Rennen gewinnt. Sonntag sind je zwei Duelle angesetzt, nach einem Ruhetag dann Dienstag, Mittwoch und Donnerstag die restlichen.

America's Cup, Ainslie

Draper checkt die Überlappung der Briten am Start. Japan muss ausweichen. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Im zweiten Match treffen somit Artemis und das japanische Softbank Team aufeinander. Dean Barker und seine Mannen haben nur drei Siege in zehn Rennen zustande gebracht und beide Duelle gegen Schweden verloren und darauf weist Skipper Nathan Outteridge in der Pressekonferenz hin. “Das gibt uns ein großes Selbstbewusstsein.”

Aber einfach dürfte diese Aufgabe nicht werden. Dean Barker hat schon einige starke Starts hingelegt und er ist für solche Duelle gestählt. Sein Boot ist schnell genug, um Artemis zu schlagen. Es wird spannend.

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „America’s Cup: Oracle holt Bonuspunkt gegen Neuseeland – Kiwis wählen Briten für KO-Duell“

  1. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Guter Artikel, aber in der Mitte sind extreeeem viele Fotos, die nicht zum Thema passen. Ich nehme an ein Versehen?

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