America’s Cup: Oracle Team USA schwer in Bedrängnis

Den Teufel besiegen

Die internationale Jury hält nach ersten Befragungen von Oracle Team USA Mitgliedern und weiteren Untersuchungen den Protest nach Regel 69 (Unsportlichkeit) aufrecht.

Oracle Kingpost

In den beiden vorderen “Kingpost” Verstrebungen der AC45 wurden Gewichte bei zwei verschiedenen Oracle AC45 gefunden.

Auf dem Wasser zeigt der America’s Cup Verteidiger, dass er längst zum bisher stärksten Herausforderer Emirates Team New Zealand aufgeschlossen hat. Aber am grünen Tisch ist das Team von Larry Ellison schwer in Bedrängnis geraten.

Nach der Befragung von 16 Teammitgliedern und Ermittlungen der Vermesser steht fest, dass am 26. August ein offizielles Hearing startet. Ob Larry Ellison selber dabei vernommen werden soll, ist noch nicht klar.

Es wird jedenfalls ernst für den Verteidiger. Denn auch der Artikel 60 im Protokoll ist in Bezug auf die Anschuldigung relevant. Im schlimmsten Fall droht ein Ausschluss von der Veranstaltung auch wenn das schwer vorstellbar ist. Aber es sind auch Strafen wie Punktabzüge möglich.

Coutts Kat nicht manipuliert

Die Untersuchungen haben zwar ergeben, dass der AC45 Katamaran von Russell Coutts doch nicht regelwidrig manipuliert worden sei und der CEO forderte die Wiedereinsetzung in die AC World Series. Allerdings ist das für das Team irrelevant, weil sich die Anschuldigungen in Bezug auf die beiden vom Oracle Team vorbereiteten Boote für James Spithill und Ben Ainslie bestätigt haben.

In dem zusätzlichen Report der Vermesser vom Wochenende heißt es, dass im Gegensatz zu bisherigen Vermutungen zwei verschiedene Verstrebungen (Kingpost) unter dem Trampolin manipuliert wurden.

Die Vermesser fanden in der Hauptverstrebung des Spithill-Bootes ein Tütchen mit eisenhaltigem Material. Das unerlaubte Zusatzgewicht beträgt etwa 1,5 Kilogramm. Bei dem Ainslie Katamaran wiederum wog der vordere Kingpost etwa zwei Kilogramm mehr als das Standard Material.

“Die Leute fühlen sich schrecklich”

Über die Motivation für die Modifikation ist noch nichts bekannt. Russell Coutts erklärte: “Die Leute die das gemacht haben, fühlen sich schrecklich. Aber es ist auch keine kleine Sache, sich von der World Series zurückzuziehen.” Die internen Untersuchungen hätten allerdings ergeben, dass Team Management und Skipper nicht eingebunden gewesen seien. “Ich bin von dieser ganzen Sache sehr enttäuscht und empfinde das als sehr unglücklichen Fehler.”

Die Herausforderer sehen das naturgemäß anders. Team New Zealand Boss Grant Dalton sagt: “Man kann zu keinem anderen Schluss kommen, dass sie betrogen haben. Das muss man wirklich sehr ernst nehmen.” Coutts habe zwar gesagt, die Leistungsfähigkeit der Boote sei durch die Manipulation nicht verändert worden, “aber warum soll man das dann machen?” Natürlich sei es gut bei den AC45, das Gewicht weiter nach vorne zu verlagern. “Deshalb platziert sich ein Crewmitglied immer sehr weit vorne, um die Bugspitzen im Wasser zu halten.”

Es sei schwer nachvollziehbar, dass ein Shorecrew Mitglied morgens plötzlich mit der Idee im Kopf aufgewacht sein soll, heute mal das Gewicht weiter nach vorne zu bringen ohne das Wissen des Managements. Dalton vergleicht den Verstoß mit Doping bei der Tour de France.

Betrug!

Auch Luna Rossa Skipper Max Sirena attackiert heftig und nahm das Wort vom “Betrug” in den Mund. Es sei nun umso besser, wenn er die Amerikaner schlagen könne und der Cup wieder in die “richtige Welt” zurückgeholt werde.

Aber Coutts schießt heftig zurück: “Ich denke nicht, dass es richtig ist 130 Menschen in einem Team als Betrüger darzustellen, wenn einige wenige eine Regel gebrochen haben.”
Diese Sache solle nicht von anderen Teams als PR Kampagne gegen Oracle genutzt werden. Es gäbe eine Jury, die sich darum kümmert. Andererseits seien die Anschuldigungen auch gut, weil sein Team auf diese Weise noch mehr motiviert werden würde.

Für die Neuseeländische Tageszeitung New Zealand Herald ist aber nun auch endgültig klar, die Grenze zwischen Gut und Böse ist gezogen. Sie beschreiben die Aufgabe von Grant Dalton auf diese charmante Art: “Du hast nun keine andere Wahl mehr als zu gewinnen Grant”, schreibt ein Redakteur. “Es ist nicht nur so, dass dich dein Land braucht sondern auch die Segelwelt. Du und deine Segler, ihr müsst jetzt nicht nur den Teufel besiegen sondern aus einem großen Nichts etwas ganz Besonderes machen.”

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Spenden
http://nouveda.com

4 Kommentare zu „America’s Cup: Oracle Team USA schwer in Bedrängnis“

  1. avatar Miranda from Heathrowsk near Londongrad sagt:

    Jawohl, die Segelwelt braucht euch, Emirates Team New Zealand! “Bringt the Cup back to the real world!” – Hart aber wahr!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 34 Daumen runter 2

  2. avatar 12er Enthusiast sagt:

    …ich fange ja an richtig Mitleid mit dem armen Russel Coutts zu kriegen…alle sind gegen ihn…und sich aus dem AC45 Zirkus zurückziehen zu müssen ist doch auch schon eine solche Strafe…schnieff, schnieff…nun hilf doch mal jemand dem armen Mann….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 3

  3. avatar AC Fan sagt:

    Larry und Russel haben die erste Gegenmaßnahme schon eingeleitet: Protest bei der Jury, weil sich Leute von Luna Rossa und ETNZ die AC 45er von Oracle mal näher angeschaut haben sollen.

    http://noticeboard.americascup.com/wp-content/uploads/2011/08/JN105.pdf

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. avatar Wilfried sagt:

    damit sind sie alle in der Formel 1 des Segelns angekommen-wie geplant. Spionage, Betrug mit Eisentütchen (gab da in der Formel 1 mal jemanden der Eisenkugel in die Tanks geschmissen hat damit das Gewicht stimmt), Regeländerungen im laufenden Wettbewerb und die Rennen werden durch Defekte statt durch Matches entschieden. Zugegeben, da ist die Formel 1 inzwischen weiter. Das erinnert mehr an die erste Turboära,

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *