America´s Cup: SR Besuch bei Oracle Racing in San Francisco

"The coolest sport ever..."

AC45 trifft dei mit Journalisten vollgestopfte "America"-Replika vor der Golden Gate Bridge. © Martin-Raget/Oracle Racing

Mein erster Eindruck vom Golden Gate Yacht Club: Ziemlich unscheinbar. Könnte auch irgendwo in der Provinz stehen. Der St. Francis Yacht Club nebenan ist eigentlich der Verein mit dem entsprechenden Prestige und Renomee.

Aber ich bekomme erzählt, Larry könne den Golden Gate Yacht Club besser kontrollieren. Deshalb habe er diesen Club als America´s Cup Herausforderer und nun als Verteidiger erwählt. Na dann…

James Spithill präsentiert den AC45 vor der Golden Gate Bridge und den versammelten Medien. © Felix Schulte

Eins muss man Oracle Racing lassen, sie gehen wirklich auf die Medien ein. Die eigentliche Pressekonferenz wurde vom “Master of Ceremonies” Johnny Moseley, Ski- Goldmedaillengewinner in Nagano abgehalten. Als Einstieg gab es erstmal das Video, das am Freitag unter das Volk gebracht wurde. Inzwischen gibt es auch ein Video, das die Pressekonferenz und spannendsten Momente des Tages zusammenfasst.

Nach meinem Eindruck waren viele der hochkarätigen sportfremden Pressevertreter von CNN oder NBC gefesselt. In späteren Gesprächen mit einigen Journalisten festigt sich die Wahrnehmung, dass der Sport die Chance hat, dank der neuen Medienpräsenz massentauglich zu werden.

Ich habe speziell mit einem Reporter von Channel 5 gesprochen. Der kam mit einem breiten Grinsen vom Testsegeln auf dem AC 45 zurueck. Er sagte: „This is the coolest sport I have ever seen”.

Es hackt in der Frisco Bay. Das America´s Cup Revier präsentiert sich spektakulär der Öffentlichkeit. © Felix Schulte

Hier einige Fakten, die auf der Pressekonferenz besprochen wurden:

  • America´s Cup Sieger „USA 17“ kommt wahrscheinlich nier mehr aufs Wasser. Es sind etwa 50 Leute notwendig, um den Trimaran segelfertig zu machen. Derzeit wird ein Museum gesucht, das sich der armen Yacht annimmt.
  • Oracle Racing hat derzeit als einziges Team 2 Boote, da sie das Boot von Mascalzone Latino gekauft haben. Es steht jedoch jedem Team frei, weitere AC 45s zu kaufen, nachdem alle gemeldeten Teams 1 Boot erhalten haben. Die Nummern auf den beiden Booten sind die Baunummern.
  • Oracle sieht es als großes Defizit an, dass sie nicht am Louis Vuiton Cup teilnehmen. Deshalb wird ihnen Match Race-Erfahrung fehlen, was die Chancen der Herausforderer steigert. Insgesamt ist die Testzeit auf den AC 72 auf 75 Tage beschränkt.

Spithill umkreist spektakulär die Presseyacht. © Felix Schulte

Ansonsten betont Oracle hartnäckig, wie wichtig die Medienpräsenz für den neuen Cup ist und wie agil die Boote sind. Tatsächlich konnte man bereits beim Ablegen sehen, dass diese Boote nicht weniger Konzentration und Fitness erfordern als eine Moth.

Insgesamt ist festzustellen, wie sehr der America’s Cup nun von Anfang bis Ende professionalisiert wird. Jede einzelne Position des Oracle Racing Teams, der Americas Cup Event Authority und des Americas Cup Race Management ist mit  Top-Leuten besetzt.

Dies merkt man dem gesamten Event an. Die Segel-Logistik funktioniert exzellent. Die Boote werden jeweils in 30 Minuten aufgebaut. Nach der eigentlichen Konferenz gab es die Möglichkeit für Einzelinterviews. Ich sprach mit Taktiker John Kostecki beantwortet Fragen, die zuvor nicht gestellt wurden. Das Interview veröffentlichen wir später.

Bürgermeister Lee muss auf der "America" an das Steuerrad. © Felix Schulte

Anschließend führte mich der Holländer und langjährige Oracle-Mann Dirk de Ridder über seinen “carbon candy”. Diese AC45strahlen durch ihre schmalen Rümpfe und dem futuristischen Flügel eine eigene Art von Eleganz aus.

Die wurde schon beim Ablegemanöver deutlich. Faszinierend wie schnell der Kat mit Spithill und Co nach der Halse beschleunigt, obwohl alles depowered war. Dazu mein Video.

Ich verfolgte das Geschehen von DER „America“, einer Replika der Yacht, die 1851 den Cup gewann. Sie gehört Troy Sears aus San Diego, der sie mit sechsköpfiger Stammcrew nach San Francisco segeln ließ.

Jimmy Spithill machte sich einen Spaß daraus, unsere „America“ zu umkreisen. Hier eine kurze Sequenz, wie er vorbei rast. Die Geschwindigkeit der AC45 ist atemberaubend. Spithill hatte vorher erklärt, dass das geniale an den Wings sei, dass sie einem Kat erlauben eine sehr schnelle Wende zu fahren.

"America" mit dezentem Sternenbanner. © Felix Schulte

Tatsächlich. Ich habe die Zeit gestoppt. Vom Anfang der Wende bis zum Ende, wenn sich der neue Luvrumpf wieder aus dem Wasser gehoben hat dauert es fünf Sekunden. Nur 5 lächerliche Sekunden!

Bei den Gesprächen an Bord der „America“ kristallisierte sich schnell heraus, dass alle fasziniert waren. Ich habe keinen Kritiker an Bord gefunden. Einige, wie Richard von Latitude 38 gaben jedoch zu, erst kürzliche konvertiert zu sein.

Auch ich kann nur sagen, dass ich noch nie soviel Spaß beim Betrachten einer Regatta hatte, bei der ich selber nicht mitsegeln konnte. Dabei haben die echten Rennen noch nicht einmal angefangen.

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8 Kommentare zu „America´s Cup: SR Besuch bei Oracle Racing in San Francisco“

  1. avatar mg sagt:

    Ich finde es unmöglich dass man neuerdings (fast) nur Segelvideos in Zeitraffer sieht. (Abgesehen von den Überschlägen – würde man die schneller abspielen – lol)

    Dass das Cup-Management mit diesen Marketing-Tricks die Bilder noch spektakulärer machen will als sie ohnehin schon sind ist ja irgendwie nachvollziehbar.

    Aber dass sich nun die Berichterstattung auf dieses Niveau herab lässt geht mir jetzt aber richtig auf die Nerven! Das ist einfach krank, verfälscht die Wirklichkeit und hat mit kritischem Journalismus nichts zu tun!

    So, das musste jetzt mal raus…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 6

  2. avatar stefan sagt:

    “Kritischer Journalismus” ist allgemein im Sport und erstrecht im Segelsport die absolute Ausnahme. Jegliche Berichterstattung ist an Sponsoren oder Firmen in der Branche gekoppelt.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 9

  3. avatar John sagt:

    Das Ablegevideo ist wirklich grausam anzusehen. Die Musik völlig unpassend und ein Gewackel, dass einem schlecht wird. Manchmal hilft ein Bildstabilisator oder, ganz “oldschool” ein Stativ.

    Ansonsten ein sehr lesenswerter Artikel, der sicherlich sehr gut die Stimmung vor Ort wiedergibt.

    Ich bin wohl einer der ganz wenigen in Deutschland, die sagen: Ja, ich freue mich auf das neue Konzept und die spektakulären Bilder.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

    • avatar John sagt:

      Ein weiterer Verbesserungsvorschlag: Wenn Bilder anklickbar eingebunden werden, dann sollten diese zumindest etwas größer anschaubar sein als die bereits im Text vorhandenen….

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    • avatar mg sagt:

      “Manchmal hilft ein Bildstabilisator oder, ganz “oldschool” ein Stativ.”

      Es würde auch helfen das Video in original Tempo abzuspielen. Dann würde das Bild nicht wackeln und Spithill würde ein unspektakulär langsames Ablegemanöver fahren – was bei den gegebenWindbedingungen trotzdem einigermaßen schnell ist…

      Gegen den Artikel hab ich übrigends nichts einzuwenden 😉

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

      • avatar Andreas sagt:

        Hallo John, hi mg,

        vielen Dank für Eure Kommetare. Sicher habt Ihr in der Sache recht.

        Wir, Carsten und ich, haben uns gefreut, dass Felix durch Zufall geschäftlich in S.F. war und dann kurzerhand als SegelReporter “eingesprungen” ist. Freiwillig und SR unterstützend. Alles ist entstanden mit einem iPhone und mit viel Nachtarbeit.

        Und das verdient unserer Meinung nach ein DICKES DANKESCHÖN, FELIX !
        Leider ging es nicht besser, aber sicher das nächste Mal.

        SR war dabei und das ist KLASSE !

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

  4. avatar Michael sagt:

    Hallo zusammen,

    ich kann mich dem, was John geschrieben hat, nur anschließen: ich freue mich auf diese Art von Bildern und Videos.

    Endlich verliert Segeln den Muff des destingierten Sports und wird cool und somit auch interessant für junge Sportler/innen.

    Viel Spaß auf dem Wasser

    Michael

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  5. avatar Felix sagt:

    Hi John,

    leider hatte ich erst kurz vorher von der Pressekonferenz erfahren und hatte nur mein iphone mit. Tatsaechlich ist das Ablegemanoever beschleunigt (Faktor 125%), das Video wie Spithill am Heck der America vorbeisegelt ist jedoch Original.

    Ich gebe euch recht, dass derzeit durch extrem schnelle Schnitte versucht wird das ganze spektakulaerer zu machen. Wenn man die Boote jedoch live sieht stellt man fest, dass die wirklich so spektakulaer sind, wie auf den Videos.

    Gruss

    Felix

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