America’s Cup Update: Peyron gewinnt in Vendedig, Red Bull mit neuem Jugend AC

Operetten-Inszenierung

Der zweite Abstecher der America’s Cup Tour nach Italien hat einen überraschenden Sieger hervorgebracht. Auf dem optisch spektakulären Rennkurs mitten in Venedig siegte das Energy Team mit dem Altmeister Loick Peyron (52)vor tausenden Zuschauern.

Zuschauer in Venedig auf Brücken und schwimmender Tribüne. © Gilles Martin-Raget

Der Franzose war Anfang des Jahres noch den 40-Meter-Trimaran “Banque Populaire” zum Jules Verne Fabel-Rekord in 45 Tagen um die Welt gerast, nun trieb er im 14-Meter-Katamaran bei Flaute an den Konkurrenten vorbei. Größer kann ein Spagat beim Segeln nicht sein.

Umso mehr freute sich der charismatische Strahlemann des Segelns über den unerwarteten Erfolg seines Teams, das zu den absoluten Underdogs im Kreise der America’s Cup Syndikate zählt. Sein Sieg ist ein hübscher Außenseiter-Erfolg, er symbolisiert aber auch, wie weit die America’s Cup World Series von den Realitäten der tatsächlichen Veranstaltung entfernt ist, die im September 2013 in San Francisco über die Bühne geht.

Die World Series wird auf kleinen exakt gleichen AC45 Katamaranen ausgetragen, der eigentliche America’s Cup muss aber mit den deutlich größeren nach strengen Regeln selbst gebauten AC72 Zweirümpfern bestritten werden. In Italien herrschte Flaute, in San Francisco ist dagegen Starkwind fast sicher.

Operetten-Inszenierung

So glich der Aufbau des AC-Segelzirkus vor der hübschen, engen Venedig-Kulisse eher einer Operetten-Inszenierung, denn einer ernsthaften Cup-Veranstaltung. Die neun Katamarane trieben besonders im Finalrennen bei absoluter Flaute über den Parcours vor dem Markusplatz.

Dennoch lieferten die AC-Organisatoren eine schöne Show ab, nahe dran an den Zuschauern, Segeln zum Anfassen. Die Fans vor Ort waren so begeistert wie schon beim ersten europäische Akt in Neapel. Italiener fühlen sich traditionell vom Segelsport angezogen. Das hat sich noch verstärkt seit Prada Chef Patrizio Bertelli spät sein Luna Rossa Team in das Rennen um den alten Cup geschickt hat.

Es war ein wichtiges Signal und eine Rettung in höchster Not für den America’s Cup, den Milliardär Larry Ellison mit seinem CEO Russell Coutts so brutal reformiert hat, das sich die Puristen mit Grausen abwenden, bei der anvisierten “Facebook-Generation” der Funken aber noch nicht übergesprungen ist.

Das hat besonders mit fehlenden Teilnehmern zu tun. Der Umstieg von den langsamen Einrumpf-Yachten zu den rasanten Katamaranen mit Flügelrigg euphorisierte zuerst zahlreiche Neulinge schlug dann aber doch nicht so ein wie gewünscht. Die Zahl von ehemals 13 akzeptierten Herausforderern wird bis zum Ende des Monats wohl auf vier wenn nicht drei geschrumpft sein.

Ende des Monats verstreicht der absolut letzte Meldeschluss, bis zu dem 200.000 Dollar gezahlt werden müssen. Es gilt als sicher, dass Team New Zealand (NZL), Artemis (SWE) und Luna Rossa (ITA) am Start sein werden. Aber auch selbst die Franzosen, die eine Partnerschaft mit dem Verteidiger Oracle Racing verkündet haben, konnten ihr Mini-Budget, das sie mit 16 Millionen Euro beziffern, längst nicht sichern.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

6 Kommentare zu „America’s Cup Update: Peyron gewinnt in Vendedig, Red Bull mit neuem Jugend AC“

  1. avatar AC90 sagt:

    Coutts hat sich möglicherweise verschätzt? Man, das ist Selbstverarschung auf höchstem Niveau.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 1

  2. avatar Alex sagt:

    Die AC45 Serie finde ich richtig spannend. Auch wenn mal Flaute ist.
    Ich bezweifle aber, dass der AC diese Spannung zu den AC72 mit rüber nehmen kann.
    Da werde ich sicher mehr aus Sensationslust als aus sportlicher Begeisterung zum Zuschauer.

    Der AC ist als Regatta der Milliardäre gestartet, zwischendurch richtig spannend geworden und jetzt wieder beim Stelldichein der Milliardäre geendet.
    Es würde mich nicht wundern wenn die RC44 Serie mehr Aufmerksamkeit bekommt. Verdient hätte sie es alle mahl weil da anscheinend noch Bodenhaftung vorhanden ist.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 1

  3. avatar SR-Leser sagt:

    Ob 13 oder 3 Teilnehmer. Die Egos der Veranstalter (und in der Folge deren PR-Abteilung) werden es auf jeden Fall als großartige Veranstaltung verkaufen.
    Immer wieder faszinierend wie solche “Stützen der Gesellschaft” die Realität zu ihren Gunsten “adjustieren” (und die Presse michtmacht). Wenigstens werden diesmal keine öffentlichen Gelder dafür genutzt – es ist halt nur Schade um den Niedergang einer solchen Veranstaltung.

    VG

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 5

    • avatar AC90 sagt:

      Gebe ich dir vollkommen recht. Zumindest sind die Sponsoren nicht auf die Schönrederei des AC-Manegment reingefallen.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

  4. avatar Wooling sagt:

    Großes Lob für diesen Artikel, fand ich hervorragend und das Beste, was ich über den aktuellen AC gelesen habe. Den AC Teilnehmer sind ja offenbar per Vertrag untersagt, Kritisches zu äußern.

    Und zu Venedig: eine tolle Kulisse, aber sportlich war das doch ein Witz. Ich gönne es Loick von Herzen, aber so einen Unsinn müssen sich diese Top-Segler doch nicht wirklich antun? Das war Kirmessegeln.

    Mein Fazit: es könnte so schön sein, wenn Ellison und Coutts nicht rumfuschen würden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

  5. avatar Marc sagt:

    Man braucht nicht mal ne Zeitlupe bei der “Action”

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *