Barcelona World Race: Stamm/LeCam mit 12 Stunden Vorsprung am Kap der Guten Hoffnung

Aufholchancen

Riechers/Audigane haben in den „Brüllenden Vierzigern“ ordentlich Speed aufgenommen. Für Stamm/LeCam hat sich die Abkürzung des etwas nördlicheren Kurses als strategische Meisterleistung erwiesen.

Was zuletzt noch wie ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“ aussah, entpuppte sich schließlich als klarer Vorsprung für das Schweiz/Frankreich-Duo Bernard Stamm und Jean Le Cam. Die beiden passierten mit ihrer IMOCA „Cheminée Poujoulat“ mit satten zwölf Stunden und rechnerischen 152 Seemeilen Vorsprung das südafrikanische „Kap der Guten Hoffnung“.

Ihre direkten Verfolger Guillermo Altadill und José Munoz, die näher an der südlichen Verbotszone vorbei „schrammten“ und dort auf stärkere Winde hofften, mussten zuletzt Richtung Nordostost halsen und verloren dort wichtige Meilen im Kampf um die Spitze.

"Neutrogena" passierten als Zweite das Kap © martin raget

“Neutrogena” passierten als Zweite das Kap © martin raget

Die Drittplatzierten Anna Corbella und Gerard Marin bleiben auf ihrer „GAES“ ihrem „Kurs der Mitte“ treu und dürften das Kap in der kommenden Nacht passieren.

Frisches aus West

Derzeit heizen die beiden Boote, sozusagen als „Pfadfinder“ in den Indischen Ozean hinein mit Kurs auf die Kerguelen (um die Stamm mit Sicherheit einen möglichst weiten Bogen schlagen möchte: Er strandete dort während der Vendée Globe 2008). Und die beiden Spanier holen deutlich auf.

Denn sie profitieren weiterhin von einem achterlichen, „frischen Westwind“, der sie auf direktem Weg in den Indischen Ozean schiebt, während die „Cheminée Poujoulat“ zunächst halsen und in südlicher Richtung den direkten Kurs verlassen musste. Warum sie so handelten, ist nicht deutlich nachvollziehbar, denn auf ihrer ursprünglichen Route pusteten die „Brüllenden Vierziger“ mit 30 Knoten weiterhin heftig.

Renault Captur hat gute chancen, seemeilen gutzumachen © martin raget

Renault Captur hat gute chancen, seemeilen gutzumachen © martin raget

Wahrscheinlich wollten sie die Kontrolle über ihren direkten Konkurrenten behalten und keine taktischen Risiken eingehen. Der alte Haudegen Le Cam berichtet von Bord: „Die Temperaturen fallen, die Manöver werden langsamer, komplizierter, wollen besser überlegt sein. Es ist ein völlig anderes Segeln hier unten. Anders, aber nicht einfacher!“

Morgen Abend werden die beiden führenden Boote auf Höhe der Prince Edward-Insel erwartet – die Regattaleitung schätzt, dass der Vorsprung bis dahin auf ca 60 Seemeilen geschmolzen sein wird und nur noch fünf bis sechs Stunden die beiden führenden trennen werden.

Gut gebrüllt?

Jörg Riechers und Sebastien Audigane sind auf ihrer „Renault Captur“ als viertes Boot endlich spürbar in den „Roaring Forties/Brüllenden Vierzigern“ angekommen und dürften nun Seemeilen gutmachen.

Windreiche aussichten für die zweite Hälfte des Feldes © martin raget

Windreiche Aussichten für die zweite Hälfte des Feldes © martin raget

Zwar beträgt ihr Rückstand auf die Spitze weiterhin mehr als Tausend Seemeilen, doch werden die kommenden 36 Stunden deutlich schnellere Etmale für das deutsch-französische Duo bringen, als bei den Konkurrenten vor ihm. Denn denen drohen eher schwächere Winde im Umkreis des Kerguelen-Archipels.

Da sich über dem südlichen Atlantik derzeit gerade ein Tief aufbaut, dessen Ausläufer die zweite Hälfte des nur noch sieben Boote zählenden „Feldes“ in die Westwinddrift zwischen 40. und 50. Breitengrad schubsen wird, darf auch das Team der „Renault Captur” neu hoffen. Denn erfahrungsgemäß sorgen solche Südatlantik-Tiefs dafür, dass die „Roaring Forties“ weiter in den Indischen Ozean hinein reichen. Mit dabei dann Jörg Riechers und Sebastien Audigane im 25-Knoten-Dauerglitsch – das wäre doch mal was!

Letzte Meldung von Sebastien Audigane:

Der BWR Stand am 26.1. Riechers liegt noch 1000 Meilen zurück

Der BWR Stand am 26.1. Riechers liegt noch 1000 Meilen zurück

“Das Meer, die Nacht war sehr chaotisch. Die Wassertemperatur im freien Fall
und die Kaltluft des im Süden liegende Tiefdruckgebietes brachte uns frische
Ideen. Die Frage, Crocks oder Shorts, stellte sich nicht – Kampfanzug ist obligatorisch: Polarstiefel, so bleiben wir hier trocken und warm. Im Inneren ist es ein wenig schwerer Kaffee zu kochen, vor allem das Wasserentsalzungsgerät schüttelt sich in jeder Welle, aber noch funktioniert es.

Aber was für eine Wohltat, in seinen Schlafsack schlüpfen zu können, in seiner Koje eingekeilt und in wenigen Sekunden in ein Tiefschlaf zu versinken, wie in einem Schaukelbett den Lärm, die Stöße am Rumpf, das Pfeifen des Kiels, das Vibrieren des Riggs zu hören. Kurz, ein Geräusche-Sound, der Kindern und auch Erwachsenen Angst macht. Aber für uns sind diese Geräusche Indikatoren, sie geben uns präzise Informationen zum Verhalten unseres Schiffes? Auch wenn diese Geräusche irgendwie bedrohlich zu klingen scheinen, sind sie doch eher ein Wiegenlied für den müden Skipper.

Mittlerweile zwingen uns die Wetterbedingungen Schutz unterm Sprayhood zu suchen, denn tonnenweise Meerwasser ergießen sich im Cockpit. By the way, ein großes Dankeschön an Julien und sein Team, die uns eine große Sprayhood gebaut haben, sodass wir trocken näher den Autopiloten beobachten können.

Leider sind noch zu viele Konkurrenten vor uns. Wir müssen vorsichtig angreifen, die dürfen davon nichts mitbekommen, es gilt hell wach und konzentriert zu sein.  Die Gegend hier ist nur etwas schwierig dafür.

Zum Beispiel heute Abend. Die Wetterdaten sagten maximal 22 Knoten voraus, doch wir hatten bis 38 Knoten, im Durchschnitt 28 Knoten. Die Wettermodelle können noch nicht exakt Zeit und Ort vorhersagen, daher kommt es immer wieder zu Verzögerungen, aber das zwingt uns zur erhöhten Wachsamkeit, wir wollen ja vollständig in Barcelona ankommen.”

Barcelona World Race Tracker

Herr Riechers bei der Arbeit © audigane

Herr Riechers bei der Arbeit © audigane

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Michael Kunst

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