Kurioses Finale um Formel 18 Kat WM-Titel

Bundock mit Brachial-Taktik zum Königsmörder

Die neuen F 18 Weltmeister Backes/Jarlegan mit ihrem Hobie Wild Cat © www.cvberquy.org

Die Formula 18 Katamaran Weltmeisterschaft im französischen Erquy ist mit einem dramatischen Finale zu Ende gegangen. Die Franzosen Olivier Backes und Arnaud Jarlegan konnten sich im letzten Rennen entspannt den Titel holen, weil der bis dahin Drittplatzierte Darren Bundock den führenden Briten Hugh Styles im Match Race Duell bis auf den 63. Platz zurück gesegelt hatte.

Diese Option war durch eine besondere Konstellation möglich geworden. So waren die Briten im achten Rennen mit einem Medienboot kollidiert und hatten nach einem Schaden auch den nächsten Lauf verpasst. In der Protestverhandlung wurde dem ehemaligen Tornado Segler Styles eine Wiedergutmachung zugesprochen.

Solche Wiedergutmachungen beziehen sich auf Fehler bei der Wettfahrt-Organisation. So kann man gegen eine vertriebene Bahnmarke oder falsche Flaggensignale protestieren, nicht aber gegen Winddreher oder Flauten. In diesem Fall sah die Jury das Medienboot wohl als Teil der Wettfahrtleitung. Gegen eine Kollision mit einem Zuschauerboot hätten die Briten nichts machen können. Die Jury gab dem Protest also statt.

Die Art der Wiedergutmachung ist relativ offen. Sie kann von einem Streichen des Rennens im Falle einer vertriebenen Luvtonne bis zum Einsetzen eines neuen Ergebnisses für das betroffenen Bootes reichen. Häufig wird das endgültige Ergebnis in dem Rennen aus dem Mittel der folgenden Läufe berechnet.

Darren Bundock und William Howden hievten sich im letzten Rennen mit Brachial-Taktik zur Vize WM © www.cvberquy.org

Das entschied die Jury auch in diesem Fall. Das Problem: Sie bezog das erlaubte Streichergebnis mit in das Ergebnis ein. Das macht prinzipiell Sinn. Denn je mehr Rennen in das Resultat einfließen, umso fairer ist theoretisch das ermittelte Leistungspotenzial.

Bei der WM in Frankreich war die Folge aus dieser Entscheidung allerdings grenzwertig. Denn der zweifache Olympia-Silber-Gewinner im Tornado Darren Bundock nutzte im letzten Rennen die Konstellation aus, um sich vom zweiten auf den dritten Gesamtplatz zu hieven.

Styles hatte am letzten Tag mit seinem Nacra Infusion Kat zwar sogar die Führung übernommen, war aber durch die Wiedergutmachung-Entscheidung verletzbar, weil alle seine Rennen am Ende in gewisser Weise zählten. Obwohl er also den letzten Lauf streichen konnte ging das Ergebnis in die Berechnung der Werte in Rennen acht und neun ein.

Bundock nutzte das gnadenlos aus. Im Gegensatz zu Styles hatte er keine Chance mehr auf Gold. Für die Silbermedaille wurde er aber zum Königsmörder. Er behinderte den ex Laser Europameister im Rahmen der Regeln und unter der Aufsicht eines Jurybootes. Kann dem Australier einen Vorwurf machen? Er nutzte seine minimale Chance auf eine Silbermedaille und am Ende funktionierte es.  Styles musste mit Bronze Vorlieb nehmen. Punktgleich!

Die Franzosen dürften den Zweikampf mit Freude betrachtet haben. Bundock konnte ihnen nicht mehr gefährlich werden. Und der schoss auch noch ihren härtesten Gegner aus dem Rennen. Styles und van West hatten bis zum letzten Rennen in der Finalrunde keinen Platz schlechter als 4 gesegelt.

Ist diese Konstellation  im Sinne des Sports? Ist Bundock unfair, weil er sie ausgenutzt hat? Sollte die Regellücke schleunigst gestopft werden? Sollten Wiedergutmachungen gar nicht erlaubt werden? Die Diskussion ist eröffnet

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Kurioses Finale um Formel 18 Kat WM-Titel“

  1. avatar Jörg Gosche sagt:

    Such is life! Mal profitiert man von der Regelung, mal nicht. Soll heißen: Gute Ergebnisse potenzieren sich ebenso wie Ausfälle im Turbo! In diesem Falle hatte Hugh Styles vielleicht auch das Glück am betreffenden Finaltag nicht drei Rennen fahren zu müssen – das wäre ja auch mit Risiko behaftet gewesen. Bundy ist in solchen Fällen knallhart – das ist bekannt.

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    • avatar Carsten sagt:

      Dass Bundy das ausnutzt ist ja legitim. Und wenn Styles beim Match Race nicht gegen halten kann, ist er eben auch nicht so ein kompletter Segler. Aber das Resultat kann von der Jury ja so nicht gedacht gewesen sein. Das letzte Rennen verzerrt den Gesamt Score für Styles doch enorm.

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  2. avatar Andreas J sagt:

    Regeln sind Regeln. Man muss sie beachten, wenn sie zum eigenen Nachteil sind. Und man darf sie beachten, wenn sie einem Vorteile bringen. Es regt sich ja auch niemand auf, wenn jemand ein legitimes Steuer-Schlupfloch nutzt, auch wenn dieses moralisch zweifelhaft ist.

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  3. avatar Jan sagt:

    finde schon, man sollte den Streicher nicht mit rein nehmen, dann kann sowas nicht passieren. Bin allgemein nicht gegen sowas, aber die Punkteverzerrung ist schon arg. Nächstesmal bei dichterem Feld kommt noch der 6. auf die gleiche Idee…

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  4. avatar Heiko sagt:

    Wer rechnen kann und die Regeln kennt ist immer klar im Vorteil. Das wird sich auch nie ändern – egal, wie man das Regelwerk gestaltet.
    In diesem Fall wurden die Regeln allerdings sehr interessant ausgelegt. Ob Medienboot oder Holzklotz oder schlafender Wal – das sind alles Störfaktoren, die nichts unmittelbar mit der Wettfahrtleitung zu tun haben.

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