Extreme Sailing Series: Chaos in Cardiff – Das vertrackte Luvtonnenmanöver – Kiwis Letzte

"Raus aus meinem Boot"

 Was für eine Dramatik im letzten Rennen der Extreme Sailing Series. Drei Teams haben noch die Chance zum Sieg, und alle drei krachen an der ersten Tonne ineinander. Ben Ainslie mittendrin.

Cardiff Crash

“Raus hier aus meinem Boot”. SAP steckt im Kat von Franck Cammas. © Lloyd Images

Es ist ein Dreikampf um den Sieg bei der fünften Station der Extreme Sailing Series in Cardiff/Wales. Alinghi, The Wave – Muscat und Ainslies BAR Team belauern sich. Der Start des doppelt zählenden neun Minuten Rennens ist ein knapper Anlieger zur ersten Tonne. Wenn man sie denn schafft.

Im Kampf um die Leeposition rutschen The Wave und Alinghi immer weiter zum Pin End der Startlinie. So weit, dass sie die Anliegelinie verpassen. (das 33. Rennen im Tracker). Ainslie positioniert sich etwas darüber in Luv und blockiert die Gegner perfekt. Sie können nicht wenden. Ist der Brite der lachende Dritte? In Cardiff segelt er jedenfalls so gut, wie in der gesamten Serie noch nicht. Einmal war er gar Vorletzter geworden.

Für die beiden Duellanten dagegen geht es auch um die Gesamtwertung. The Wave Steuermann Leigh McMillan segelt mit Alinghi schließlich so weit, dass Morgan Larson sogar an der falschen Seite der Tonne vorbei steuert. Hilflos liegt dieser plötzlich vor den Bugspitzen von Ainslie (Video Szene aus der Live-Übertragung). Der Brite kracht im 90 Grad-Winkel in Alinghi. Immerhin ist er nicht schnell genug, um einen großen Schaden zu verursachen.

Danach wird es unübersichtlich. Klar, dass Alinghi eine Strafe ausgesprochen bekommt. Aber auch Ainslie muss kringeln. Weil er die Tonne berührt hat? Und schließlich dreht auch The Wave einen Strafkreis und liegt auf dem letzten Platz. Der reicht aber für den Sieg, weil die Konkurrenz vorne nicht mehr genug punkten kann.

Cardiff Crash

“Raus hier aus meinem Boot”. SAP steckt im Kat von Franck Cammas. © Lloyd Images

Nun gibt es einen Zweikampf um Silber zwischen Ainslie und Alinghi. Aber der vierfache Olympiasieger winkt doch noch Alinghi durch. Nach einer schwere Fehleinschätzung der Anliegelinie in der letzten Runde muss er dem schweizer Boot noch Platz machen.

Aber Platz drei ist Ainslie ein gutes Ergebnis. Es zeigt, dass er sich diese komischen Rennen auf den engen Extreme Sailing Kursen genau analysiert hat und seine Fahrweise immer besser in den Griff bekommt.

Davon scheint sein Gegner Dean Barker vom Emirates Team New Zealand weit entfernt. Sensationell wurde die Sieger der Herzen vom vergangenen America’s Cup Letzte. Das ist besonders persönlich für Barker eine große Niederlage. Denn er hat im eigenen Team mit 49er Weltmeister Peter Burling starke Konkurrenz auf der Steuermann-Position bekommen.

Bei der Extreme Sailing Series wechselt er sich mit Burling am Steuer ab. Und der holte bisher zwei dritte und einen zweiten Platz, während Barker im ersten Rennen Platz vier belegte. Ein Wachwechsel deutet sich an.

Die Pressemitteilung:

The Wave, Muscat gewinnt in Cardiff – Kollision am letzten Tag

– Kollision in der letzten Wettfahrt im Kampf um die Spitze zwischen The Wave, Muscat, Alinghi und J.P. Morgan BAR.
– Morgan Larson und Alinghi sichern sich im letzten Augenblick Platz zwei vor Ben Ainslie.
– Fünfter Platz katapultiert Realteam auf den dritten Platz der Saisonwertung
– 90.000 Zuschauer strömen an die Cardiff Bay, um die besten Segler der Welt in einem der anspruchvollsten Events des Jahres zu sehen. Sieh dir hier das Video mit den Highlights an.
– Land Rover, Main Partner der Extreme Sailing Series ™, verleiht in Cardiff den dritten „Above and Beyond“ Award an Sir Ben Ainslies J.P. Morgan BAR Team und an die Shorecrew von Oman Air. Beide Teams hatten am zweiten Tag von Act fünf ihren außerordentlichen Sportsgeist bewiesen. Mehr dazu hier.
– Sieh dir hier die Wiederholung der letzten Wettfahrt mit dem gegenseitigen Abschuss der drei Teams noch einmal an.

Die Flotte von elf Extreme 40s hatte sich auf der Bucht von Cardiff den Höhepunkt bis zum Schluss aufgespart. Alinghi, The Wave, Muscat und J.P.Morgan BAR lieferten sich bis zuletzt eine extrem spannende Schlacht um die Top-Positionen in einem der engsten – und aufregendsten Dreikämpfe, den die Series bislang erlebt hat. Das Resultat war im letzten Rennen eine dreifache Kollision, die mit drei Strafen sanktioniert wurde. Ein spannenderes Finale hätte man sich nicht ausdenken können. Die führenden Drei bedrängten sich hart und versuchten, jeweils die Oberhand zu gewinnen. The Wave, Muscat nutzte die Situation am besten aus und sicherte sich den Sieg bei Act 5 presented by Land Rover – und schloss damit in der Saisonwertung weiter zu Alinghi auf. Skipper Leigh McMIllan sagte dazu: -“Wir liegen im Plan, mehr können wir augenblicklich nicht tun, das ist sicher. Die Konkurrenz ist sehr stark und Alinghi hat sich dieses Jahr sehr gut präsentiert und ein paar Mal unglaubliche Leistungen gezeigt. Dass wir sie hier geschlagen haben, bringt uns auf Tuchfühlung, und wir werden ihnen alles abverlangen. Dasselbe werden die mit uns tun. Es wird bis zum letzten Augenblick spannend bleiben.”

Einen fesselnden Kampf um Platz zwei lieferten sich Ben Ainslie und Alinghis Morgan Larson. Der britische Skipper schaffte es aber nicht, die Dominanz des Schweizer Alinghi Teams zu durchbrechen, und Larson schnappte J.P. Morgan BAR die bessere Platzierung noch weg. So sah die Olympiasiegerin und Alinghi-Taktikern Anna Tunnicliffe das letzte Rennen: “Wir warteten darauf, dass Leigh wendete. Aber an der Wendemarke drängte er uns genau in die anderen Boote hinein, die auf uns zukamen. Wir landeten schließlich oberhalb der Wendemarke und konnten nicht abfallen. Im gleichen Augenblick segelte uns Ben (Ainslie) in die Seite und es gab ein großes Kuddelmuddel. Die drei Boote verkeilten sich in einander. Das war sehr frustrierend, aber wir werden hoffentlich aus unseren Fehlern lernen. Wir liegen immer noch in Führung, und das ist gut so. Der Schaden hätte noch viel schlimmer sein können. Jetzt müssen wir nach vorne schauen und uns auf Istanbul fokussieren.”

Ben Ainslies J.P. Morgan BAR segelte den ganzen Tag sehr angriffslustig mit einer Reihe guter Resultate und arbeitete sich langsam an die Führenden heran. Obwohl er den zweiten Platz dann doch noch knapp verpasste, war der Skipper und vierfache Olympiasieger Ben Ainslie, dessen Team in dieser Woche vom Heimmatador Bleddyn Mon verstärkt wurde, mit dem Endergebnis zufrieden: “Dass wir hier auf dem Podest standen, war ein großer Fortschritt. Es war toll, mit den Top-Teams mithalten zu können. Das war ein großer Schritt nach vorne, und ich hoffe, dass wir für den Rest der Series da anknüpfen können. Mit Paul Campbell-James zu segeln, war fantastisch. Er hat uns viel über diese Boote gelehrt. Und Bleddyn war eine großartige Unterstützung, er hat unglaublich hart gearbeitet. Jetzt freuen wir uns darauf, in Istanbul mit Paul Goodison zu segeln und uns weiter zu entwickeln.”

Es war schon fast eine Bank Holiday Tradition, dass der Tag mit massivem Regen begann, bevor der Himmel schließlich aufriss, der Wind auffrischte und die Flotte die verbleibenden Rennen bei bestem Wind von 15 Knoten aussegeln konnte und die Boote dabei Spitzengeschwindigkeiten von 20 Knoten erreichten. Acht Rennen waren angesetzt. Red Bull griff noch einmal an und erzielte die besten Ergebnisse der Woche, inklusive zweier Siege, und verbesserte sich damit noch vom achten auf den vierten Platz. Skipper und Doppelolympiasieger Roman Hagara sagte: “Wir fanden heraus, wo es am günstigsten war zu starten, und das war der Schlüssel. Wir haben auf dem Boot gut gearbeitet und waren auch in der Annäherung an die Wendemarken gut. Wir haben fast alles richtig gemacht. Wir sind bei diesen Act Vierte geworden, was für uns ein wirklich gutes Ergebnis ist. Jetzt freuen wir uns auf Istanbul. Wir müssen dort den ersten Tag so beginnen, wie wir hier den letzten beendet haben.”

Weitere vier Punkte dahinter lag da Schweizer Realteam. Da Emirates Team New Zealand nur einen enttäuschenden elften Platz schaffte, rückte Jerome Clerc mit seiner Schweizer Mannschaft in der Gesamtwertung auf den dritten Platz vor.

Der Kampf in der zweiten Hälfte des Feldes wurde ähnlich unerbittlich geführt. Nur drei Punkte trennten Gazprom Team Russia auf Platz acht von Emirates Team New Zealand auf dem elften Rang. Act 6 in Istanbul beginnt in wenigen Wochen und es dürfte klar sein, dass die Mannschaften bis dahin noch viel Arbeit vor sich haben.

Mit 90.000 Zuschauern lieferte Cardiff mit Act 5 als Teil des Cardiff Harbour Festivals einmal mehr ein herausragendes Event. Act 6 findet vom 11. bis 14. September in Istanbul statt, wo Ost und West aufeinander treffen. In den nächsten Tagen wird noch eine Heimmannschaft bekanntgegeben, mit der das Feld dann dort auf zwölf Boote anwächst.

Cardiff Harbour Festival mit Act 5 der Extreme Sailing Series™ Cardiff, presented by Land Rover, Gesamtwertung nach vier Tagen und 33 Rennen
Rang / Team / Punkte
1. The Wave, Muscat (OMA) Leigh McMillan, Sarah Ayton, Pete Greenhalgh, Kinley Fowler, Nasser Al Mashari 210 Punkte.
2. Alinghi (SUI) Morgan Larson, Anna Tunnicliffe, Pierre-Yves Jorand, Nils Frei, Yves Detrey 205 Punkte.
3. J.P. Morgan BAR (GBR) Ben Ainslie, Nick Hutton, Paul Campbell-James, Bleddyn Mon, Matt Cornwell 203 Punkte.
4. Red Bull Sailing Team (AUT) Roman Hagara, Hans-Peter Steinacher, Mark Bulkeley, Shaun Mason, Stewart Dodson 186 Punkte.
5. Realteam by Realstone (SUI) Jérôme Clerc, Arnaud Psarofaghis, Bruno Barbarin, Bryan Mettraux, Thierry Wassem 182 Punkte.
6. Oman Air (OMA) Rob Greenhalgh, Ted Hackney, Kyle Langford, Hashim Al Rashdi, Musab Al Hadi 175 Punkte.
7. SAP Extreme Sailing Team (DEN) Jes Gram-Hansen, Rasmus Køstner, Thierry Douillard, Jonas Hviid-Nielsen, Brad Farrand, Nicolai Sehested 174 Punkte.
8. Gazprom Team Russia (RUS) Igor Lisovenko, Phil Robertson, Matt Adams, Pete Cumming, Aleksey Kulakov 154 Punkte.
9. Groupama sailing team (FRA) Franck Cammas, Romain Motteau, Tanguy Cariou, Thierry Fouchier, Devan Le Bihan 154 Punkte.
10. GAC Pindar (AUS) Nathan Wilmot, Hugh Styles, Ed Smyth, Seve Jarvin, James Wierzbowski 153 Punkte.
11. Emirates Team New Zealand (NZL) Dean Barker, Ray Davies, James Dagg, Jeremy Lomas, Edwin Delaat 151 Punkte.

Extreme Sailing Series™ 2014 Saisonwertung
Rang / Team / Punkte
1. Alinghi (SUI) 47 Punkte.
2. The Wave, Muscat (OMA) 45 Punkte.
3. Realteam by Realstone (SUI) 34 Punkte.
4. Emirates Team New Zealand (NZL) 33 Punkte.
5. J.P. Morgan BAR (GBR) 25 Punkte.
6. Gazprom Team Russia (RUS) 22 Punkte.
7. Red Bull Sailing Team (AUT) 20 Punkte.
8. SAP Extreme Sailing Team (DEN) 18 Punkte.
9. Oman Air (OMA) 16 Punkte.
10. Groupama sailing team (FRA) 15 Punkte.
11. GAC Pindar (AUS) 5 Punkte.

Ergebnisse Extreme Sailing Series Cardiff 2014

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Extreme Sailing Series: Chaos in Cardiff – Das vertrackte Luvtonnenmanöver – Kiwis Letzte“

  1. avatar Marc sagt:

    Naja krachen ineinander würde ich das bei dem Wind nun nicht nennen. Sie berühren sich…

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  2. avatar Hans-Ulrich Lass sagt:

    Quo vadis Extreme Sailing Series?
    Die Veranstalter der Extreme Sailing Series sollten überlegen, ob sie das Kollosseum in Rom für die Veranstaltung reaktivieren können. Dann hat man immer genügend Zuschauer und spart Geld, da der Zirkus nicht immer um die Welt gejagt werden muß. In den Magazinen der Museen für römische Geschichte werden sicherlich noch ausreichend viele Gladiatoren-Schwerter zu finden sein, um damit alle teilnehmenden Mannschaften auszurüsten. Die Protestverhandlungen können damit publikumswirksam gleich vor Ort ausgetragen werden.

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