Gestorben: Jörg Spengler Tornado-Bronze Gewinner 1976

Synonym für Speed

Jörg Spengler, Doppelweltmeister und Olympia-Bronze Gewinner im Tornado 1976, ist im Alter von 74 Jahren unerwartet gestorben. Der erfolgreiche Architekt aus Nürnberg war noch ein echter Amateur.

Jörg Spengler

Jörg Spengler bei seinem Empfang nach dem Gewinn der olympischen Bronze-Medaille im Tornado 1976. © Tornado Klasse

Spengler/Schmall war in den 70er Jahren das deutsche Synonym für Geschwindigkeit im Segeln. Nach dem mutigen und radikalen Schritt des Weltseglerverbandes erstmals einen Katamaran in das Olympiaprogramm aufzunehmen, war Jörg Spengler der Pionier in Deutschland. Er beherrschte als ersten dieses extreme Sportgerät als eine Entwicklung begann, die wohl mit der Einführung des 49ers oder dem heutigen Tragflächen-Segeln vergleichbar ist.

Spengler wurde 1970 mit Dr. Ekkehart von Selzam an der Vorschot Europameister, bestritt im Tornado häufig  mit seiner Frau als Vorschoterin Regatten und holte dann 1975 den aus Stuttgart stammenden, in Konstanz lebenden Diplomphysiker Jörg Schmall ins Boot.

Mit ihm errang er auf Anhieb den ersten großen Erfolg seiner Segler-Laufbahn, als er 1975 vor Kopenhagen Tornado-Weltmeister wurde. Im Olympiajahr wurde das Team vor Australien nur sechste, weil Spengler nach dem überraschenden Tod seines Vaters ein halbes Jahr nicht im Boot gesessen hatte.

Aber damals konnte man sich eine solche Auszeit noch leisten. Der Trainingsaufwand hielt sich in Grenzen und Spengler profitierte von der frühen Erfahrung, die er mit Zweirumpfbooten aller Art auf den Bayerischen Seen sammelte. Dabei war er erst im Alter von 18 Jahren bei einem Segelkurs auf dem Schliersee zum Sport gekommen.

Aber dem Tüftler half auch die Zusammenarbeit mit Bootsbauer Herbert Glas am Ammersee, der eine Zeitlang die schnellsten Tornados der Welt baute. 1977 holte Spengler zusammen mit Rolf Dullenkopf seinen zweiten WM-Titel in der olympischen Bootsklasse.

Im Interview zur Deutschen Tornado Meisterschaft 2009 am Brombachsee erklärte Spengler, wie er 1976 zu seiner olympischen Bronzemedaille kam:

“Bei Olympia war ich so schlecht, dass ich schon depressiv wurde. Selbst der Puertoricaner, der später Letzter wurde, fuhr um mich Kreise und wir wussten nicht warum. Der Däne Peter Due und der Schweizer Walter Steiner bauten mich auf und blieben die ganze Zeit an meiner Seite. Vier Satz Segel hatten wir dabei, von denen wir drei Sätze ausprobierten: Stundenlang die gleiche Prozedur und ich wurde nicht schneller.

Schließlich entdeckte ich in der Kiste noch einen vergilbten Originalsatz von North, von Horst Nebel mit zahlreichen Korrekturnähten versehen, durch die die Sonne schien. Damit war ich plötzlich schnell. Bei gleichmäßigen Windverhältnissen machten wir drei die Spitzenplätze unter uns im Wechsel aus. Erst als Dreher anfingen, hatte ich als bayerischer Binnensegler leichte Vorteile und gewann die Bronze-Medaille.”

Und das erfahrene Duo musste den britischen Favoriten Reg White, der den Tornado mit entworfen hatte, und ganz knapp nur die Amerikaner David McFaull/Michael Rothwell ziehen lassen. Zusammen mit den beiden Goldmedaillien im Flying Dutchman und 470er feierte das deutsche Segelteam damals in Kingston den größten Olympia-Erfolg aller Zeiten.

Spengler versuchte sich noch einmal 1984  mit Jürgen Jentsch für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, verlor die Ausscheidung aber knapp. Nach der Beendigung seiner Segelkarriere wandte sich der Ehrenkommodore der internationalen und nationalen Tornado Klassenvereinigung dem Golfsport zu.

Besonders bei seinem Verein Yacht-Club Noris trauert man um seinen erfolgreichsten Segler. Dort hält man seinen Leitsatz lebendig: “Leben ohne Begeisterung bringt keinen Erfolg.” Der Vorsitztende Norbert Woop betont: “Für ihn war das Regattasegeln eine Sache mit Herz und Teamgeist. ‘Wissen um die Kraft der Begeisterung’ war ein Satz, mit dem er weitergab, was nötig ist, um erfolgreich zu segeln.”

Spengler hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. In Nürnberg gilt er als Star-Architekt zu dessen bekanntesten Bauten der Nürnberger Versicherungstower gehört. Bis zuletzt betrieb er sein großes Architekturbüro, in dem auch sein Sohn aktiv ist.

Zur Frage nach seiner schönsten Regatta antwortete Spengler einmal: “Als ich den Wanderpreis, die große silberne Schale von Gollenshausen, zum dritten Mal mit meiner Frau gewonnen habe.”

Interview mit Jörg Spengler

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Gestorben: Jörg Spengler Tornado-Bronze Gewinner 1976“

  1. avatar Manfred sagt:

    RIP, Jörg
    Das gibt ne große Regatta da oben…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar Rolf sagt:

    Schöner Artikel! Allerdings mit einem kleinen Fehler. 2009 am Brombachsee war die IDM der 29er, nicht Tornado. Jörg Spengler unterstützte die damals im Verein neu eingeführte Jugendbootsklasse von Anfang an und war Schirmherr der Meisterschaft.

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