Bootsbau: 19-jähriger Franzose bringt A-Cat im Schlepp zum “Fliegen”

Jugend forscht

Raphael Censier ist ein Ausnahmentalent – nein, nicht beim Segeln, sondern als Bootskonstrukteur. Im Video verleiht er einem A-Cat Flügel.

Jungs sind eben so: Sie basteln schon im zarten Knabenalter, müssen alles genau untersuchen, nehmen auseinander und bauen wieder zusammen (Schrauben und Muttern übrig? Egal!), verbringen ganze Samstage mit Papa im Heimwerkermarkt, würden am liebsten in ihre Baumhütte ziehen oder schon mit 12 Jahren eine Automechanikerlehre beginnen.

Mit der ersten Freundin wird das handwerkliche Talent meist in andere Richtungen gelenkt und nur die wenigsten erinnern sich bei ihrer Berufswahl noch an das Gefühl, als das selbst reparierte Fahrrad vermeintlich besser rollte und das eigenhändig gebaute Floß (fast) trocken den Fluss hinunter trieb.

Der 19-jährige Franzose Raphael Censier war und ist genau so einer. Nur dass er sich ausschließlich beim Bau von Wasserfahrzeugen austobt. Und das nicht mit so profanen Materialien wie etwa Holz, sondern eben mit Karbon und Komposittechniken. Mann ist schließlich ein Kind der Zeit.

Der kleine Unterschied zum o.g. Szenario? Raphael will auch in Zukunft nichts anderes machen, als Boote bauen.

Kayaks und A-Cats

Als Sechsjähriger reparierte er seine Windsurfbretter selbst, als 14jähriger baute er für sich und seine Kumpel Seekayaks – die halb so schwer sind, wie die gängigen Typen auf dem Markt. Mit der zweiten Baureihe konnte er sogar von 10,2 auf 7,5 kg „abspecken“.

Mit 16 baut er für ein Racing-Luftkissenboot die Kompositbereiche mit völlig neuem Design auf – der Pilot wird damit Vizewelt- und Europameister.

Doch seit seiner Kindheit träumt der Jungsegler und –konstrukteur davon, sich einen eigenen Katamaran zu bauen. Nicht „das Rad neu erfinden“, sondern möglichst in einer etablierten Klasse innovativ vorwärts kommen.

Dafür wählte er (ausgerechnet) die sowieso materialspezifisch bereits ziemlich ausgereizten A-Cats.

Nach einem Jahr Bauzeit schiebt ein stolzer 17 jähriger Raphael seinen ersten A-Cat aus der Garage. Ein weiteres Jahr später schwimmt A-Cat No.2 auf dem Wasser. Diesmal will er den Katamaran mit eigenen Foiler-Konstruktionen zum Fliegen bringen.

Das Video zeigt, wie Raphael Censier – gezogen von einem Motorboot, also unter gleichbleibender Geschwindigkeit, ohne Welle, ohne Krängung – immerhin 1,50 Min. auf  dem Foiler schwebt. Er benutzt dabei unterschiedliche Foilerdesigns jeweils Back- und Steuerbord, die er so grosso modo gleichzeitig testet; angeblich blieben die Konstruktionen innerhalb der Klassenregeln.

Bereits vorher verlieh Raphael seinem A-Cat Flügel, schaffte es aber nur für ein paar Sekunden, ziemlich instabil in der „Flugphase“ zu bleiben.

Nach seinen Testfahrten im Schlepp scheint sich Raphael hauptsächlich für die Konstruktion auf der Steuerbordseite zu interessieren – wie genau das Design der Foils jeweils aussieht, will er allerdings nicht verraten. Er müsse ja schließlich auch an seine finanzielle Zukunft denken…

Bald auch unter Segeln?

Höchst spannend, wenn man bedenkt, dass Boot, Foiler und Ruder zuhause in der Werkstatt des mittlerweile 19jährigen entstanden sind. „Ich mache mir noch ein wenig Sorgen wegen der Abdrift unter Segeln,“ ließ Raphael neulich verlauten. „Aber wie stark der seitliche Versatz sein wird, werden wohl erst echte Praxistests unter Segeln, im Trapez zeigen!“

Im letzten halben Jahr musste Raphael Censier seine Projekte übrigens etwas vernachlässigen, da Abitur und Aufnahmeprüfungen für technische Hochschulen Priorität hatten. Doch  seine mittlerweile zahlreichen Fans in Frankreich (es erschienen bereits Dutzende Artikel in Fachmagazinen und Tageszeitungen über den jungen Bootsbauer) warten weiter geduldig auf einen neuen Eintrag im Website-Blog. Jetzt, wo das BAC (Abitur) geschafft ist, müsste sich dann bald ein selbst gebauter A-Cat auf Flügeln und unter Segeln von der Wasseroberfläche erheben…

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Michael Kunst

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8 Kommentare zu „Bootsbau: 19-jähriger Franzose bringt A-Cat im Schlepp zum “Fliegen”“

  1. avatar Skiffi sagt:

    Super Bericht!!!! Danke

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  2. avatar Marc sagt:

    Genau solche Typen bräuchte Deutschland!

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    • avatar Klaus sagt:

      Nicht so schwarzseherisch, außer beim Segeln hat doch gerade Deutschland viele solcher Typen, die ganzen Erfinder und Mittelständler.

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  3. avatar dubblebubble sagt:

    Auffallend ausser der Mitte platziert das Schwert.

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  4. avatar A-Cat sagt:

    Genau solche Leute haben wir in Deutschland, nur berichtet darüber niemand.
    Gebogene Schwerter, Flügelsegel, Wavepiercer, alles bereits in Deutschland umgesetzt oder sogar erfunden worden.

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    • avatar Christian sagt:

      Doch, Segelreporter berichtet:

      http://segelreporter.com/regatta/taktik-technik/a-cat-fluegel-aus-berlin-thilo-keller-ueber-den-sportlichen-mehrwert-seiner-kat-konstruktion/

      Insofern hat Marc zum Glück nicht ganz Recht 😉

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      • avatar dubblebubble sagt:

        Vogenannter ist kürzlich dt. Meister bei den A’s geworden. Davon war nichts zu lesen. Die sogen. Segelbundesliga wird dagegen weit über Wert gehandelt. Man kann aber nicht sagen, daß SR wenig über Multihulls berichtet, aber nationale Ereignisse und Entwicklungen kommen schon etwas kurz bzw zu unsystematisch auf den Tisch. Da wird dann lieber mal ein vier Jahre altes Youtube gezeigt, wo ein kleines Boot in der Brandung umkippt.

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        • avatar Christian sagt:

          dubblebubble, weißt du woran das liegt? Dass die diversen Katamaran-KVs es mit einigen wenigen Ausnahmen selten hinbekommen, Medien wie Segelreporter mit News zu versorgen… die jüngste A-Cat IDB fand z.B. fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Muss man sich da wundern, wenn nix erscheint?

          Leute, haut halt in die Tasten!

          Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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