Fotostory: 420er vs 29er – Gesichter beim Jugendsegeln – 360 Teams in Kiel

Weil es ballert!

Worauf steht der Nachwuchs? Was ist angesagt für die Jugend? Segelfish hat sich auf der Kieler Woche umgeschaut, interessante Stimmen gesammelt und junge Segler getroffen.

Stelldichein der Jugend vor Kiel: Zu den Einhundertdreiundachtzig (!) 29er Seglern, die bereits seit Mittwoch um den Titel des Jugend Europameisters im Rahmen der Kieler Woche kämpfen, gesellen sich seit heute (gestern keine Wettfahrten wegen Flaute) weitere Einhundertachtundsiebzig (!) 420er Segler, die ihren letzten großen Test vor der Weltmeisterschaft im Juli in Travemünde absolvieren.

Während die einen ihre Plastiksegel hochziehen, geht es bei den anderen noch mit weißen Tüchern zu. Skiff contra Jolle. Wer entscheidet sich wofür – kleiner Querschnitt durch das Schilkseer Vorfeld an einem Tag, der ohnehin nur wenig auf dem Wasser zu bieten hatte.

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„Insgesamt ist der 420er populärer in Spanien, aber wir finden ihn doof und haben einfach mehr Spaß im 29er“, sagt Juan Gomez. Gemeinsam mit Steuerfrau Laura Calvino (16) ist der 18-Jährige zum ersten Mal in Kiel. Seit vier Jahren segeln die beiden Katalanen zusammen, insgesamt gibt es aber nur zehn 29er-Crews in Katalonien.

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Gleich zwei ehemalige Optiweltmeister trifft man weiter hinten auf dem Hafenvorfeld im Feld der 420er: Loh Jia Yi gewann 2013 auf dem Gardasee die Weltmeisterschaft der Optimisten und sitzt jetzt mit Jonathan Yeo in einem Boot. „Es ist eine tolle Klasse, um die Basics zu lernen und sich auf olympisches Segeln vorzubereiten“, erklärt er sachlich. Nach der Kieler Woche geht es für die beiden und ihr Team, zu dem auch Kimberly Lim, Optiweltmeisterin von 2011 gehört, zunächst zum Training nach Korea, dann zur Youth Worlds nach Portugal und anschließend zur WM nach Travemünde. Perfekt geplant!

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Priscilla und Cecilia Low aus Singapur bereiten sich in Kiel auf die ISAF Youth Worlds im Juli vor und sind dafür vom 420er in den 29er umgestiegen. „Der Anfang war gar nicht so leicht, aber wir würden jetzt auch nicht mehr zurückgehen“, sind sich die beiden Asiatinnen einig.

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Die Spanier Tania Bonilla und Marc Chapon finden den 29er „voll cool“. Marc (18) hat das Segeln erst auf einem 29er vor fünf Jahren gelernt und ist überrascht, wie viel dafür trainiert werden muss.

_MKU4330Auch für Camila (18) und Casilda (14) Flores aus Mexiko geht das 420er-Segeln klar: „In Mexiko gibt es gar keine 29er!“ „Es ist ein tolles Boot für Mädchen und bringt Spaß“ finden die beiden Schwestern, die gemeinsam mit dem 420er Team aus den USA angereist sind.

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Ida Frisk und Malin Stening aus Schweden sitzen seit fünf Jahren zusammen in einem Boot. Nach 3,5 Jahren im RS Feva freuen sie sich jetzt über Trapez und Speed im 29er und finden ihre Premiere bei der Kieler Woche äußerst „funny“.

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Für die Inder Upamanyu Dutta und Arosh Chaudhari aus Bombay gibt es zur Zeit keine Alternative zum 420er: „Bei den Asian Games gibt es nur 420er für unsere Altersgruppe und dafür haben wir uns qualifiziert.“ Gemeinsam mit Vater Gautama, der gleichzeitig ihr Sponsor ist, wollen sie vor der Asiatischen Meisterschaft noch ein besseres Feeling für das Boot bekommen.

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„Der 420er hat uns noch nie gereizt“, sagen die Geschwister Laura und Moritz Block (15). Sie finden insbesondere die Sportlichkeit und Schnelligkeit ihres Skiffs toll. „Als Steuerfrau muss ich auch hängen – das ist schon anspruchsvoll und viel sportlicher bei der Segelfläche“, erklärt die 17-Jährige große Schwester.

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Für den Bremer Kader (FSB) ist die Sache klar: „Wir haben bei uns einfach kein Revier für 29er“, stellen die jungen Segler aus Bremen und Bremerhaven unisono fest. „Außerdem ist der 420er große Klasse“, betont Lennard und man kann zu zweit segeln. „Als Jugendboot ist er etabliert“ bestätigt Björn. Regelmäßig trainieren die sechs zusammen, waren auch schon zur YES Regatta in Kiel und freuen sich vor allem auch über schulfrei für die Kieler Woche.

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Paul Farien und Mirco Kloesel aus Kiel haben das Gefühl, dass der 420er „so langsam ausstirbt“ und der 29er als vorolympische Klasse immer besser ankommt. Sie freuen sich über die starke Flotte in Kiel.

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Sela Omry (14) und Isaak Dolev (17) aus Israel sind begeistert vom 420er Segeln: „Es ist schnell, kompliziert und man kann mit dem Boot arbeiten“ fassen sie zusammen. „Es ist mehr eine Erfahrung für das ganze Leben, weil es eben auch nicht einfach ist, zu zweit klarzukommen als Crew“, ergänzt Dolev, der bereits das dritte Jahr im 420er sitzt.

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Für Theresa Blumroth und Maria Berking ist der Kick beim 29er, dass es athletisch ist und man sich so schnell bewegen muss. „Wir haben uns die Szene vor 1,5 Jahren angeschaut – irgendwie sah es cooler aus als 420er-Segeln“ finden die beiden Flensburgerinnen. Gleich nach der Kieler Woche verladen sie ihren Skiff für die 29er-WM in Kanada.

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„Weil es ballert“ haben sich Kim Brandt und Hendrik Ahlmann für den 29er entschieden und präsentieren sich stolz vor ihrem Boot. Bei der IDM vor knapp zwei Wochen in Eckernförde konnten sie am letzten Tag sogar zwei Top Ten Plätze einfahren.

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9 Kommentare zu „Fotostory: 420er vs 29er – Gesichter beim Jugendsegeln – 360 Teams in Kiel“

  1. avatar vieregge sagt:

    Anscheinend nur 29er Segler in Kiel oder habe ich die Stimmen der 420er überlesen ?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 6

  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Die findest Du auf der 2. Seite des Artikels.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

  3. avatar Old School sagt:

    Vielen Dank lieber Holger für die Initation dieses Artikels. Du weißt Deinen Einfluss wirklich zu nutzen.
    Glücklicherweise wirst Du trotz Deiner massiven Lobbyarbeit die wirklich wichtigen Bootsklassen nicht ausrotten können.

    P.S. Wieso segelst Du eigentlich selber eine klassische Jolle und nicht Skiff?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 6

    • avatar Super-Spät-Segler sagt:

      Eben im KiWo Livecenter sagte Erik Heil, daß die Anzahl der 29er in den Vereinen auf Kosten der 420er rasant zunimmt. Unter anderem, weil sie preiswerter sind. Stimmt das? Ich habe im Netz für beide Bootstypen keine Neupreise finden können.
      Zum Skiff segeln: Vielleicht ist Holger zu alt (oder zu schwer) dafür? Wäre aber doch kein Grund der Jugend das Segeln auf nem Skiff zu vermiesen?!

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  4. avatar Thomas W. sagt:

    Super Portraitfotos von Michael. Große Klasse. Danke.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  5. avatar chenninge sagt:

    Cooler Artikel!

    Und Letztlich doch alles besser als Fußball oder Reiten aus unserer Sicht oder?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  6. avatar Ballbreaker sagt:

    Gut geschriebener Artikel – weiter so!

    Eins noch zu den Foto-“motiven”:
    Verschränkte Arme sind selten cool……….

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