Knarrblog: 12mR Worlds vor Barcelona – Böse Worte an der Startlinie

Überhaupt nicht beste Freunde

2. Renntag 12mR WM:

Bei der Zwölfer WM vor Barcelona bin ich auf dem Achterschiff von “Trivia” unterwegs. Ein großes Abenteuer, bei dem es auch schon mal Sinn macht, an Land gefühlvoll mit der Konkurrenz umzugehen.

Das war vielleicht nicht ganz sooooo geschickt. Am Ende des ersten Renntages der Zwölfer WM in Barcelona kommt der dänische Unterhändler der “Vanity” an Bord des französischen Nachbarschiffes “Ikra”. Er fragt vorsichtig nach, was das denn mit der Draufwenderei auf sich haben mag.

Zwölfer, 12mR

Enge Luvtonnenrundung bei der Barcelona 12er WM. ‘Vim’ (USA) vor ‘Nyala’ (ITA) und ‘Trivia’ (GER), die sich von rechts einreiht vor ‘Vanity’ (DEN). © Martinez Studio

Nun ja, ein Wort ergibt das andere. Das böse A-Wort fällt. Die Frenchies brausen auf. Der Däne wird von Bord verwiesen und die bilaterale Segelbeziehung der beiden Länder könnte einen leichten Knacks bekommen haben. Die Chance zum Bilden neuer länderübergreifende tiefer Männerfreundschaften, die internationale Segelmeiststerschaften bieten, dürfte vertan sein.

Die Situation ist aber auch vertrackt. Niemand will mit der “Ikra” spielen.  Sie ist den übrigen acht Teilnehmern der Puig 12mR WM in Barcelona ein Dorn im Auge. Denn das französische Boot ist zu jung und zu schnell, als dass es in der Vintage Klasse der übrigen betagteren Ladies mitmachen könnte.

Bremsversuche

Nun hatten die Franzosen beim Practice Race etwas hilflos versucht, langsam zu segeln, wohl damit man glauben möge, sie könnten gut in die Klasse der Oldies passen. Sie wurden gar Vierte. Aber das war dann doch zu offensichtlich. Beim ersten Skippersmeeting lehnten die übrigen Eigner den Antrag der “Ikra” ab, in der Vintage Klasse um den WM Titel segeln zu dürfen.  Immerhin ließen sie eine weitere Wertung zu, so dass die Franzosen nun im Feld starten dürfen.

Und das genau ist wohl das Problem. “Ikra” spielt Zünglein an der Waage. Sie liegt beim Wettrennen relativ schnell vorne und spendet dann einem Gegner ihrer Wahl Windschatten. Leidtragender war auch das Star-Team von Luna Rossa, das die “Nyala” von Prada Boss Patrizio Bertelli über den Parcours segelt.

Steuermann Francesco Bruni, der in San Franzisco noch den Luna Rossa Taktiker auf dem AC72 Flug Kat mimte und in dieser Position auch für die nächste Kampagne vorgesehen ist, wurde ebenfalls nach dem Rennen auf der “Ikra” vorstellig.

Er stellte die gleiche Frage wie der Däne, ging die Sache aber offenbar etwas feinfühliger an. Jedenfalls war man im Gespräch offenbar weit von dem bösen A-Wort entfernt und trank schließlich sogar ein Schlückchen Champagner, den der Franzosen Eigner immer en masse in der Bilge mit sich führen soll.

Böse Worte an der Startlinie

Es wird den Italienern nicht geschadet haben. Es könnte ihnen für die nächsten Rennen ein wenig mehr Luft verschafft haben. So wie auch wir von der “Trivia” über keine Behinderung klagen können. Aber die dänisch-französische Unfreundschaft setzte sich am nächsten Tag fort. Sehr böse Wörter sollen schon an der Startlinie gefallen und Proteste lanciert worden sein.

Ein unschönes Geplänkel am Rande der WM, die zum 100 Geburtstag des Mode- und Duft-Unternehmens Puig organisiert worden ist. Ursprünglich war die Rede von bis zu 30 teilnehmenden Yachten. Die Veranstalter versprachen sogar die Übernahme der Transportkosten. Aber irgendwie hat es dann doch nicht funktioniert, genügend Eigner zu überzeugen. Selbst zahlreiche im Mittelmeer ansässigen Yachten sind nicht gekommen. Ob der Hafen des Real Club Nautico de Barcelona nicht attraktiv genug war?

Für unsere “Trivia” Truppe ist es dennoch eine aufregende Sache. Neun Zwölfer an der Startlinie sind immerhin mehr als doppelt so viele, wie auf den nördlichen Regattabahnen. Und da sind wir besonders stolz darauf, die großen Favoriten “Nyala” schon in zwei von vier Rennen geschlagen zu haben.

Die Luna Rossa Profis, zu denen inzwischen auch der von Oracle abgeworbene mächtige Grinder Shannon Falcone gehört, der schon mal mit viel Spaß eine Wally über den Atlantik puscht, haben nicht gerade das schnellste Sportgerät unter dem Hintern und sind offenbar verwundbar.

Aber noch nicht einmal die Hälfte der Serie ist um und der Wettkampf eng. Ein schlechtes Manöver heute am Leetor kostete gleich drei Plätze. Mal sehen, was da noch geht.

Ergebnisse PUIG 12mR WORLD CHAMPIONSHIP nach 4 Rennen

Eventseite Puig Vela Classica

1. Tag 12mR WM:

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Knarrblog: 12mR Worlds vor Barcelona – Böse Worte an der Startlinie“

  1. avatar stefan sagt:

    naja, nach Platz 4 und 5 für Trivia in den heutigen Rennen (5+6) und zwei weiteren 1 Plätzen für Nyala sollte der Drobs für die Italiener gelutscht sein.

    Auch kann ich keine 9 Zwölfer sehen. In der Wertungsliste sind 7 Yachten, von denen letztendlich 5 konkurrenzfähig sind. Das ist genau die Zahl von konkurrenzfähigen 12ern die sich in der Ostsee tummeln.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 3

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