Knarrblog: Drachen Bjazzo-Preis auf der Alster – Hauen und Stechen an der Linie

Halbmast

Eigentlich fängt das Wochenende auf der Alster nicht besonders gut an. Dabei sind die Bedingungen für den Bajazzo Preis perfekt. Kurze-Hose-Wetter, guter Wind über die Länge des Sees und 32 gut gelaunte Drachen Crews.

Aber schon beim ersten Antesten des Spi-Berge-Manövers ratscht der spitze Bug einen armlangen Riss in das Unterliek. Nach der langen Winterpause sind wir noch etwas eingerostet. Das Tuch muss schnell getauscht werden, um es noch rechtzeitig zum Start zu schaffen.

Drachen Mastbruch

Der Mast von Box-Nachbar Ralf hat das letzte Bajazzo-Rennen nicht überlebt. © SegelReporter

Es geht weiter mit der Desaster-Stimmung. Nach einem Sammelrückruf erfolgt der nächste Start unter der verschärften Black-Flag-Rule. Beim Schuss darf man nicht über der Linie sein. Ein Zurücksegeln ist ausgeschlossen.

Drachen Bajazzo

Hauen und Stechen. © Peter Kaehl

Wir erkämpfen eine schöne Position für einen Lee-Start an der Tonne und halten die Luvboote in Schach, als ein Kollege raumschots von Luv die Linie herunter pflügt, dem schönen Holzboot über uns in die Parade fährt, dessen Bug gegen unser Heck drückt und damit noch ein weiteres Boot in Luv in die Wende schiebt.

Manövrierunfähig über der Linie

Im letzten Moment weiche ich mit dem Kopf einem Drachen-Bug aus, der sich an der Kante vorbei schiebt. Ein Vollkontakt mag da wenig empfehlenswert sein. Per Hand versuchen wir das schauelnde Knäuel auseinander zu schieben.

Aber es hilft nichts. Manövrierunfähig treiben wir Bord an Bord klebend im Vierer-Päckchen über die Linie. Der Schadensverursacher wird später in der Protestverhandlung disqualifiziert, aber das Regelwerk bietet uns drei anderen keine Chance, für eine solche Frühstart-Disqualifikation eine Wiedergutmachung zu erhalten. Kein schöner Start in die Serie.

Drachen Mastbruch

Halbmast am NRV-Drachensteg. © SegelReporter

Nach so einem Beginn sollte man eigentlich aufhören. So wie man sich wieder ins Bett legt, wenn morgens beim Aufstehen schon alles schief läuft. Aber die Bord-Gespräche  knüpfen nahtlos auf dem allerhöchsten intellektuellem Niveau an, das wir schon früher zu unseren Stärken im Team zählten. Und so mag die resultierende Lockerheit dann doch an diesem Wochenende Zutat gewesen sein, um es für uns dann doch etwas anders laufen zu lassen als vielleicht vorherbestimmt.

Desaster beim Steg Nachbarn

Fortan passen die Starts, die Manöver werden immer geschmeidiger trotz zunehmendem Wind, und besonders Jörg, der drei Jahre in Afrika gearbeitet hat, leitet uns wie in seinen besten Laser-Zeiten über den löchrigen Parcours. Unsere Clown Sails ziehen wie verrückt, und am Ende liegen wir vorne.

Dass es auch eine andere Dramaturgie geben kann, zeigt das Finale von Steg-Nachbar Ralf. Nach gutem ersten Tag verletzt sich erst sein Sohn und Mitgsegler und schließlich holt er sich nach einem engen Leetonnen-Manöver auch noch den Mast herunter. Bei der fälligen Protestverhandlung werden schließlich sogar beide Crews disqualifiziert.

Ergebnisse Bjazzo Preis 2016

Drachen Bajazzo

Jörg weist den Weg. © Peter Kaehl

Drachen Bajazzo

Bord-an-Bord-Kampf im wahrsten Sinne. © Peter Kaehl

Drachen Bajazzo

Erfolgreiches Wochenende. © Peter Kaehl

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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