Knarrblog: Geheimnis der Mittwochsregatta – wie man aus einem Sch…Tag einen guten macht

Nicht aus Zucker

PingPingPing – Warnung der Auto-Elektronik. Achtung, die Außentemperatur sinkt unter vier Grad. Graupel prasselt ohrenbetäubend auf die Windschutzscheibe. Hupend schiebt sich die Blechlawine um die Alster. Bei Regen gibt’s in Hamburg immer Verkehrschaos. Warum eigentlich?

Mittwochsregatta, HSC

Mittwochsregatta in Hamburg. Es geht wieder los. © HSC

Adrian ruft an. Er steckt auch fest. “Stehe im Stau – wird später”. Missmutige Gesichter in den Nachbar-Autos. Alles passend zu einen Sch…Tag. Und jetzt auch noch segeln. Die erste Mittwochsregatta der Saison am Hamburger Segel-Club. Im 505er. Brrrr…

Sollen wir es abbrechen? Kommen eh fast zu spät. Ist bestimmt ohnehin keiner da. – Maaaaann, wieso fährt der Idiot noch auf das Stauende und steht auf der Kreuzung mitten auf der Straße – Am besten abbrechen! Blöde Idee, jetzt auch noch segeln zu wollen. Wie jetzt auch noch einen Parkplatz finden?

Muschimäßig den Start verdödeln? Von wegen…

Adrian sieht es wohl ähnlich. Aber keiner will es aussprechen. Was wäre das für eine Niederlage. Gekuscht vor den Unbilden der Natur. Muschimäßig den Start verdödelt. Wegen Regen und Kälte. Wie könnte man da noch in den Spiegel gucken. Mann, wir sind doch nicht aus Zucker.

Also los. Vielleicht schaffen wir doch noch den Start. Also schnell in die Gummipelle quetschen, Segel hoch, Boot vom Steg schieben. Von wegen keiner da. Fast 50 Boote sind an der Känguruh-Startlinie und sechs Fiven.

Wie ging das noch mit den Leinen? Wo zieht man den Mast nach vorne? Mann, wie war das noch? Überall diese Strecker. Ich wollte sie mir eigentlich in Ruhe vor dem Rennen noch mal einprägen. Doof, diese Hektik. Wir stellen fest: keiner hat eine Uhr dabei. Also lossegeln, wenn es die anderen Fiven tun.

Dieser magische Effekt

Stress pur. Warum tun wir uns das an? Die Antwort kommt schnell. Dieser magische Effekt lässt nicht lange auf sich warten. Die erste Böe knallt ins Segel. Adrian springt ins Trapez, Schot etwas auf, ab geht die Luzie. Die Five glitscht den anderen hinterher. Dieses Gefühl auf der Welle des Starbootes voraus. Unschlagbar.

Die Mundwinkel-Stellung ändert ruckzuck den Modus  von 🙁 auf :-). Dauergrinsen. Wir sind flott unterwegs, schieben uns schnell an der Monas mit den draußen hängenden Fendern, Kumpel Stephan mit dem skurrilen Boot vom Typ Seezunge und der Conger-Flotte vorbei, rutschen vor dem Wind auf den zweiten Fiven-Platz. Eine hübsche Böe bringt mächtig Beschleunigung.

Am Wind wird es mühsam. Der Zufallstrimm mag nicht richtig passen. Aber die Anlieger beim Zickzack-Kurs auf der Alster machen Spaß. Im Vollglitsch auf der J/24 Welle reiten. Heja!

Masttopp schlägt auf dem Wasser auf

Dann die letzte Wende vor dem Ziel. Die Fockschot bleibt in der Klemme hängen. Die Kiste legt sich auf die Seite. Der Masstopp schlägt auf dem Wasser auf. Aber Adrian reagiert schnell. Zack, wieder aufgerichtet. Nur der FD ein Contender und die J/22 sind durchgerutscht.

Wow, wie aufregend war das denn? Von Kälte keine Spur. Der Graupel hat sich auch längst verzogen. Ein wenig blinzelt jetzt die Sonne über die Alster. Aufgeputscht bis in die Haarspitzen rutschen wir zum Steg, klatschen uns ab. Was für ein cooler Tag!

Ein toller Effekt. Nach kaum einer Dreiviertel-Stunde ist der Mist vom Tag genauso vergessen wie das eklige Wetter, die kalten Zehen. Das Bier danach schmeckt besser als alle anderen, und jeder hat seine kleine Geschichte erlebt. Die Birne ist frei, die Menschen sind nett. So muss man einen Tag ausklingen lassen. Perfekt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Knarrblog: Geheimnis der Mittwochsregatta – wie man aus einem Sch…Tag einen guten macht“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    Tolles Stimmungsbild von der Känguru(h)-Regatta, Deutschland’s wohl größter Mittwochsregatta!

    Da versteht auch der letzte, was 49 (!) Crews umtreibt, sich das bei Sauwetter und Winterkälte anzutun. Bundesliga? America’s Cup? Rangliste? Who cares? Hier spielt die (Segel-)Musik! Und wer dazu noch Glück hat, bei dem heisst es von Deutschland’ coolstem Wettfahrtleiter – schon legendär: “……und heute ein Preis!”

    Heute Abend gibt es das dann auch nochmal im Hamburg Journal auf N3 zu sehen. Falls es doch jemand noch nicht verstanden hat……

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  2. avatar Stefan sagt:

    Skurril…… Tsss…. Wir hatten definitiv am meisten Segelzeit fürs Startgeld.

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    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Hey, das ist mal ne coole Sichtweise. Aus der Perspektive habe ich meine Regattaergebnisse noch nicht betrachtet.

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      • avatar Stefan sagt:

        Positives denken!

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        • avatar Andreas Borrink sagt:

          Nächstes mal trittst Du mit 135 an, dann sieht die Welt ganz anders aus. Ich sehe Dich schon die Fiven ärgern…….

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  3. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Monas mit Fendetn draußen. Gelb? Muss Vaddi gewesen sein . 🙂 Ich freu mich immer wieder, daß er noch segeln kann.

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