La Solitaire du Figaro: Yann Elies gewinnt erste Etappe.

"Typische Schweinebedingungen"

La Solitaire du Figaro, Desjoyeaux

Der “Professor” im Vollglitsch © Coucoux

Der Titelverteidiger kam „mit viel Glück“ am besten durch punktuelle Flautenzonen. „Prof“ Desjoyeaux nur im Mittelfeld mit zwei Stunden Rückstand.

Es war der reine Nervenkitzel. Zuerst verlangte der Start vor Bordeaux auf der Hochwasser führenden Garonne eine Menge Fingerspitzengefühl, dann stand eine Bilderbuchquerung der ansonsten gefürchteten Biskaya auf dem Programm. Auf Höhe spanisches Finisterre klatschten Kap-Effekt-Winde nachts durch das Regattafeld und bescherten Surfs mit 18 kn Spitze; wobei zu diesem Zeitpunkt die Regatta von Neuem begann, da die Konkurrenten wieder dicht zusammen geschoben wurden (Felder mit bis zu 25 Booten in Sichtweite).

Nur einen halben Tag später standen alle in nervtötenden Flautenlöchern, die von teils „völlig unerklärlichen Windstrichen“ (Elies) aufgemischt wurden.

Alles taktische Geplänkel, ob außen länger frischere Winde zu erwarten sind oder im Gegenteil, vor der Küste die besseren Karten verteilt werden, erwies sich als nutzlos. „Professor Desj.“ Desjoyeaux etwa führte teilweise das Feld an, rechnete mit mehr Wind auf einer weit nach außen führenden Route und musste sich für die abschließenden 100sm im Mittelfeld einreihen. Auf dem Tracker des letzten Tages war zu beobachten, wie sich der 47jährige Favorit in manchen Flautenlöchern festfuhr, während um ihn herum die Konkurrenten davon zogen.

La Solitaire du Figaro

Es kann ganz schön eng werden, da draußen auf der See © Courcoux

Entscheidung in der letzten Nacht

„Die letzte Nacht war seltsam,“ erzählte der Zweitplatzierte Frederic Duthill, der über viele Stunden hinweg Seite an Seite mit dem späteren Sieger Yann Elies segelte. „In den Flautenlöchern dümpelten wir mitunter mit 12-15 anderen Booten auf gleicher Höhe, aber Yann kitzelt aus seinem Boot doch immer einen halben Knoten mehr Speed raus. Irgendwie hatte ich es gegen Abend des zweiten Tages auch geschafft, den anderen zu entkommen und beide wollten wir in der Nacht den entscheidenden Vorstoß wagen. Wir blieben nebeneinander, kommunizierten, hatten aber keine Ahnung wo die anderen sind, weil sie selbst auf unserem AIS nicht mehr zu erkennen waren.“ Doch bei Tagesanbruch, ca. 50 sm vor dem Ziel Porto/Portugal, wurde spätestens klar, dass Fortuna ihnen hold blieb. Erst weit hinter ihnen waren weitere Segel zu erkennen.

„Wie es Yann dann geschafft hat, mich deutlich zu deklassieren? Ganz einfach: Er ist aus dem nächsten Flautenloch etwas schneller heraus gekommen als ich. Dann erwischte er vor Porto noch eine Landbrise, die eine halbe Stunde später, als ich auftauchte, schon entschwunden war. So kommt eine Differenz von einer Dreiviertel Stunde zustande!“

La Solitaire du Figaro

Auch Jeremie Beyou muss den späteren Flautenlöchern Tribut zollen © Courcoux

Andere Favoriten reihten sich weit hinten ein

Yann Elies, der bereits im letzten Jahr die Solitaire du Figaro für sich entscheiden konnte, setzte also auch bei dieser ersten (Langstrecken) Etappe eine deutliche Duftmarke. Über die er sich zwar freut, aber nur wenig stolz ist: „Ich hatte eine große Portion Glück,“ sagte er nach der Ankunft in Porto. „Mir tut es für die anderen Favoriten leid, dass sie sich teils weit hinten einreihen mussten!“

Yann Elies brauchte 3 Tage, 3 Stunden und 3 Minuten für die ca. 560 sm lange Strecke (7,13 kn Durchschnitt), sein direkter Verfolger Duthill war eine dreiviertel Stunde langsamer, Jean-Pierre Nicols brauchte für Rang 3 12 Minuten länger. Der britische Youngster Goodchild belegte einen hervorragenden 8. Rang.

Hoch gehandelte Skipper wie Armel Le Cleac’h brauchte 3:05:08 Tage (Rang 18), Jeremie Beyou war knapp eineinhalb Minuten langsamer (Rang 19) und Michel Desjoyeaux brauchte eine Viertelstunde länger (Rang 21) als Le Cleac’h.

Claire Pruvot und Simone Troel, die beiden einzigen Frauen im 41 Boote starken Feld, erreichten Rang 24 und Rang 39.

La Solitaire du Figaro

So dümpeln Sieger © Courcoux

Empfindlicher Rückstand

Auch wenn bei den folgenden Etappen (nächster Start 8.6./Porto-Gijon/ 430 sm) bekanntlich „viel passieren“ kann, ist dieses erste Ergebnis ein schwerer Schlag für Titelaspiranten wie Desjoyeaux. Mit einem Rückstand von mehr als zwei Stunden auf den Etappensieger kassierte der „Professor“ eine hohe Hürde, denn bei der „Solitaire du Figaro“ werden nicht die Platzierungen, sondern die Zeiten der einzelnen Etappen addiert (inkl. Zeitstrafen). In einem Feld, bei dem die ersten 10 Boote innerhalb von knapp zwei Stunden ins Ziel kommen, dürfte es äußerst schwierig werden, eben diese zwei Stunden aufzuholen.

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Michael Kunst

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