Michel Desjoyeaux: Nach Sponsor-Problemen wieder auf Figaro 2

„Couchpotatoe? Niemals!“

Desjoyeaux, Figaro, MOD

“Sponsoren findet man nur beim Segeln!” © Giraud, Solo Arrimer

Aus der MOD 70-Serie und dem Little America’s Cup musste er mangels Sponsor aussteigen. Jetzt sucht „le professeur“ neue Finanziers – segelnd, wie sonst?

Er zählt zu den erfolgreichsten Hochsee-Regattiers der Welt, wurde in jungen Jahren noch von Eric Tabarly ausgebildet und gefördert und ist in seiner Heimat Frankreich längst Legende. Michel Desjoyeaux, 48, alias „Mich Desj“ (weil selbst Franzosen den Name selten stolperfrei über die Lippen bringen) alias „le professeur“ (nicht zuletzt, weil er Vorbild und Lehrmeister zugleich ist) könnte sich eigentlich locker zurück lehnen und in Ruhe auf ein gar nicht so ruhiges Seglerleben zurück blicken.

Er ist der einzige Segler, der bei der Vendée Globe gleich zwei Mal triumphierte, er siegte bei der wahrscheinlich schwersten Küstenregatta der Welt, der Solitaire du Figaro, drei Mal und verbuchte im vergangenen Jahr die prestigeträchtige Premiere der MOD-70-Trimaranserie „European Tour“ für sich. Insgesamt schaffte er in seiner Laufbahn über 30 Hochseeregatta-Siege, über die Anzahl zweiter Ränge redet er gar nicht erst.

Plötzlich “ohne”

Doch dann wurde Mich Desj’ von seinem Glücksstern verlassen, der ihn bisher auf allen Meeren der Welt verlässlich begleitete: Seit Ende letzten Jahres muss ausgerechnet er, als einer der populärsten Segler Frankreichs, ohne Hauptsponsor auskommen. Die Finanzgruppe Foncia geigt derzeit schwer angeschlagen durch die Untiefen einer weiteren Finanzkrise. Da konnte noch nicht einmal der eigentlich bis 2014 gültige Vertrag mit dem Professor eingehalten werden.

Dabei war zunächst alles „in trockenen Tüchern!“ Trotz erster Gewitterwolken am Himmel der Finanziers, beteuerte Foncia noch Anfang 2012 die weitere Unterstützung der Segellegende. „Ich konzentrierte mich voll und ganz auf den MOD-70-Trimaran und auf den Little America’s Cup, wo ich mit ziemlich innovativen Foilern bei der diesjährigen Austragung vor London punkten wollte,“ erläuterte Desjoyeaux kürzlich den Kollegen vom französischen Magazin „Voiles et Voiliers“.

Desjoyeaux, Figaro, MOD

MOD 70 und Mich Desj, für immer vorbei? © foncia

Doch dann stieg Foncia nach 8 Jahren „vorbildlicher Unterstützung“ (Desjoyeaux) aus dem Vertrag aus. „Von einem Tag auf den anderen stand ich ohne solide finanzielle Unterstützung da,“ berichtet Desjoyeaux weiter. „Und gerade die aufwendigen MOD-70-Kampagnen sind mit Enthusiasmus allein nicht zu stemmen!“

Zunächst machte sich “Mich Desj” selbstbewusst auf die Suche nach einem Ersatz für Foncia, um möglichst alle Projekte nahtlos weiter zu segeln. Doch in der eng zusammen gerückten Sponsorenszene Frankreichs erntete er nur bedauerndes Schulterzucken. „Ich kann es nicht glauben, aber da wird kein Geld mehr locker gemacht!“ staunte er schon am Rande der Vendée Globe-Startwoche im November letzten Jahres.

Couchpotatoe? Niemals!

„Dann stand ich irgendwann vor der Entscheidung, zuhause vor der Glotze auf dem Sofa abzuhängen oder eben unter neuen, alten Umständen eine Pinne in die Hand zu nehmen!“ Womit Desjoyeaux auf die gute alte Figaro-Szene anspielte, auf die er schon seit einiger Zeit wieder neidisch schielte. Er wendete sich an seinen alten technischen Sponsor TBS, der ihn schon seit 1995 begleitet und die gaben grünes Licht für verstärktes Engagement.

„Eigentlich gehört mir ja noch eine durchaus konkurenzfähige Figaro 2 der neuen Generation,“ erinnert sich Dejoyeaux weiter. „Nur die war für mehrere Jahre an einen Iren verchartert!“

Desjoyeaux, Figaro, MOD

Ganz der Alte? © Giraud, Solo Arrimer

Also mietete der Professor seinerseits  das Boot von Charlie Dalin. „Ich musste an dem Schiff noch reichlich arbeiten, hatte aber dafür kaum noch Zeit vor meinem Ersten Figaro-Start am 9.April bei der „Solo Arrimer“,“ bedauert Mich Desj’ weiter.  Ohne jemals das Schiff gesegelt zu haben, ging er bei der Langstreckenregatta an den Start und wurde „nur“ 13, von 26.

„Es gibt noch einiges zu optimieren,“ soll er hinterher bei der Pressekonferenz gesagt haben. „Am Boot und an mir!“.

Eigentlich sei er aber ganz zufrieden mit dem Resultat, denn bei 34 Stunden Regattasegeln habe man genug Zeit, um alle Schwachstellen zu orten. „Das Ruder war nicht richtig ausgerichtet, ich muss alle Schoten und Fallen auswechseln und segelte noch mit uralten Dacron-Segeln.“

Schwere Zeiten

Tatsächlich kehrt Michel Desjoyeaux zu einem denkbar schwierigen Zeitpunkt ins sowieso schon anspruchsvolle Figaro-Geschäft zurück. In der diesjährigen Ausgabe der Figaro-Tour werden allein beim prestigeträchtigen „Solitaire du Figaro“ sieben ehemalige Sieger der Regatta am Start sein. Außerdem findet gerade an der Spitze ein Generationenwechsel statt: Die jungen Hungrigen wie etwa Morgan Lagraviere oder Yan Elies werden es  in der physisch anspruchsvollen Klasse den alten Helden ziemlich schwer machen!

„Doch es gibt in Frankreich keine besser Art, um potentielle und potente Sponsoren auf sich aufmerksam zu machen,“ erklärt Desjoyeaux weiter. „Nimm Dir ein Boot in einer starken Klasse, reiß Dich zusammen und fahre so weit wie möglich vorne mit!“ Eine Rezeptur, die sich einfach liest, aber in der Zubereitung leicht versalzen wird.

Desjoyeaux, Figaro, MOD

Kleines Boot heißt nicht weniger Arbeit! © Giraud/solo Arrimer

7,50 m, 250.000 Euro

Trotz allen Engagements in seiner „neuen/alten“ Lieblingsbootsklasse, will Desjoyeaux auf seine ruhenden Projekte weiterhin ein Auge haben. „Ich würde gerne in der Mehrrumpf-Szene bleiben. Und auch die Class C-Katamarane des Little America’s Cup interessieren mich brennend. Wir haben bereits die Gussformen für die Flügel , Rümpfe etc. fertig im Atelier! Aber es handelt sich hier eben um ein Projekt, dass auf 7,50 m Bootslänge mindestens 250.000 Euro verschlingen wird!“

In jedem Fall will er im Sommer vor London als Zuschauer dabei sein, um  das Verhalten der Boote in der Kanal-Welle zu beobachten. „Obwohl die darauf folgende Ausgabe des Cups auf dem Genfer See stattfinden wird. Da ist dann wieder alles anders!“

Aber vielleicht heißt bis dahin ja längst der neue Sieger des “Solitaire du Figaro” Michel Desjoyeaux alias „Mi Desj’“ oder „le professeur“?

Kleines Boot heißt nicht weniger Arbeit! © Giraud/solo Arrimer

Michel nach 36 h Figaro-Segeln © Giraud/solo Arrimer

Er winkt beschwichtigend ab und sagt: „Eigentlich will ich die da vorne ja nur ein wenig kitzeln!“ Schließlich verfolge er mit der Teilnahme am Figaro-Zirkus ganz andere Ziele.

 

 

 

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Michael Kunst

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