Mini Transat: Traumstart bei Kaiserwetter – 71 Minis mit Kurs Lanzarote

Splendide!

Mehr kann sich ein Mini-Segler nicht wünschen: Design-Wetter zum Start der 20. Mini Transat. Acht bis zehn Knoten Wind, es weht reichlich Applaus von den Lieben und Fans vom Land herüber.

Es ist wohl das größte Abenteuer, das man auf 6.50 Metern Bootslänge erleben kann: Die 20. Mini Transat startete am Samstag pünktlich um 15:30 Uhr vor Douarnenez/Bretagne.

Das Bild ließ nicht nur die Herzen von Mini Fans höher schlagen. Zunächst brav aufgereiht hinter der Linie, segelte die bunte Flotte nach dem Start aufgereiht wie Perlen an der Schnur noch eine „Ehrenrunde“ vor der Küstenlinie, bis sie schließlich in Richtung Biskaya entschwanden. “Splendide” entfuhr es bei diesem Anblick sogar dem Live-Kommentator “Professor” Michel Desjoyeaux. “Prächtig!”

Mini Transat, Mini 6.50, Start

Die “Horde” wird losgelassen © mini transat

Während der letzten Tage vor dem Start war die Nervosität, die Unruhe, aber auch die vorfreudige Erwartung der Mini-Segler mit „Händen greifbar“. Nach intensiven Sicherheits-Checks durch die Regattaleitung, nach letzten Basteleien an Bord, nach dem Wasser- und Trockennahrung-Bunkern, nach taktischen Ratschlägen in den einzelnen Trainingsgruppen, nach den unterschiedlichen Abschiedszeremonien von Familien, Freunden und Fans kam endlich der erlösende Start zum ganz großen Einhand-Abenteuer.

Murphy ist auch wieder dabei

Theoretische 1.260 Seemeilen werden die 71 Mini 6.50 und ihre Skipper bis zum Etappenhafen auf Lanzarote zurücklegen. Dort soll sich die Flotte erneut sammeln, erste „Wunden lecken“ und „Bobos“ reparieren, bis die Segler am 31.10. den großen Sprung über den Atlantik wagen werden. Grosso modo drei Wochen später werden sie dann auf der Karibik-Insel Guadeloupe erwartet.

Mini Transat, Mini 6.50, Start

Noch weit über 1.000 Seemeilen vor sich, aber gleich um jeden Meter kämpfen © mini transat

Leider kam trotz der nahezu perfekten Wetterbedingungen auch wieder „Murphy’s Law“ für (immerhin nur) zwei Ministen zum Tragen: Der Franzose Axel Tréhin verhakte sich im Ankergeschirr einer Boje, die es kurz nach dem Start zu Umrunden galt. Mindestens zehn Boote flitzten an ihm vorbei, bis er sich aus der misslichen Situation befreien konnte. Merke: Auch wenn noch weit über Tausend Seemeilen vor einem liegen – ein Minist fährt enger, enger am engsten an die Bojen ran! Richtig übel erwischte es dagegen den Spanier Nacho Postigo: Er fuhr auf einige Steine vor der Insel „Tristan“ auf. Offenbar während er sich im Schlepp eines Organisationsbootes befand (hierzu gibt es widersprüchliche Aussagen seitens der Organisatoren und einiger lokaler Medien). Bilanz dieses Malheurs: Schwere Schäden am Kiel, Boot und Skipper mussten zurück in den Hafen.

Warum tut man sich das an?

Wochenlang alleine auf dem Atlantik, ohne Kontakt zum Festland und ohne Wetterrouting… das allein ist an sich schon kaum vorstellbar für den „normalen“ Segler. Doch all’ dies auch noch auf extrem zickigen, rasenden Mini-Kisten, die bekannt dafür sind, dass sie sich zwar ausgesprochen sicher in allen Wetterlagen verhalten, letztendlich aber doch reichlich aufwändig zu segeln sind. Anders formuliert: ein Mini Transat-Segler hat nur selten Pause, trimmt dauernd an Boot und Segeln, gönnt sich nur extrem wenig Schlaf, kann dafür aber in seiner „Schlupfkajüte“ auf den Komfort einer Folterzelle zählen.

Mini Transat, Mini 6.50, Start

Traumhafte Abendstimmung vor dem Raz de Sein © mini transat

Mit reichlich Segelfläche gesegnet und prädestiniert für raume Kurse, werden die „Helden und Heldinnen in ihren rasenden Kisten“ lange Strecken unter ihren enormen asymmetrischen Spinnakern absolvieren. 10-12 Knoten im Tagesmittel sind durchaus möglich – vorausgesetzt, die Windgötter machen mit.

Launische Windgötter

Und genau die machen es zu Beginn dieser 20. Ausgabe der Mini Transat mal wieder spannend. Nach dem bildschönen Start gestaltete sich auch die Nacht ruhig und unspektakulär. Die Flotte blieb lange dich zusammen, die Boote fuhren mit Geschwindigkeiten zwischen fünf und neun Knoten. Sonntag mittags dümpelten alle Minis in einer (angekündigten) Flaute mit 0,5- 1,5 Knoten „Geschwindigkeit“ vor sich hin.

Was wiederum das Feld erneut durcheinander wirbelte: Favoriten bei den Serien Minis wie etwa Ian Lipinski fanden sich nach anfänglichen Top-Positionen plötzlich auf Rang 30 wieder. Und bei den Protoypen fallen Favoriten wie Davy Beaudart auf „Flexirub“ oder der Schweizer Simon Koster auf seinem neuen „Eight Cube“ wieder deutlich zurück.

Mini Transat, Mini 6.50, Start

Simon Kosters spannender Prototyp “eight cube” erhielt vor dem Start wegen seines eigenwilligen Designs viel Aufmerksamkeit © mini transat

Doch das sind alles Rechenspiele, die sich in den flauen Winden viertelstündlich ändern. Laut Wettervorhersage (siehe auch Tracker) können die Ministen aber erst in ca. 8-10 Stunden mit einer 12-14 Knoten-Brise rechnen.

Mini Transat, Mini 6.50, Start

Chris Lükermann auf seiner “CA Technologies”, einem Serien Pogo 2 © vapillon

Die drei Deutschen sind bisher respektabel unterwegs. Dominik Lenk lag Sonntag, 12 Uhr mit seinem verhältnismäßig alten Prototypen auf einem tollen Rang 9 (von 26 gestarteten Booten). Auch über die Nacht hinweg hielt er sich bei höheren Bootsgeschwindigkeiten immerhin auf den Rängen 12-14. Chris Lükermann ist bei den Serien-Minis (46 Boote) auf einem sehr respektablen 14. Rang dabei und Jan Heinze wartet auf seiner Lonestar auf Rang 33, dass die nächsten Stunden endlich ein wenig mehr Wind bringen.

Verfolgt die Ministen auf dem Tracker!

Event Website

Mini Transat, Mini 6.50, Start

Designer-Wetter beim Start zur 20. Ausgabe der längst legendären Mini Transat © mini transat

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Michael Kunst

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