Unglaublicher Spagat. Iker Martinez und Xabi Fernandez zweite beim Barcelona World Race

Die besten Segler der Welt?

Iker Martinez und Xabi Fernandez feiern ihren zweiten Platz beim Barcelona World Race. © Nico Martinez/Barcelona World Race

Wenn es den besten Segler der Welt geben sollte, wenn man das überhaupt messen kann, wenn man eine absolute Rangliste für den Sport aufstellen wollte, dann würden Iker Martinez und Xabi Fernandez wohl ganz oben stehen.

Die beiden Spanier, die das Barcelona World Race als zweite gut einen Tag nach den erfahrenen Franzosen Jean Pierre Dick und Loick Peyron beendet haben, zeigten damit die unglaubliche Bandbreite ihres seglerischen Könnens.

Welche Verwandlung könnte größer sein, als die vom filigranen, leichtfüßigen 49er Champion zum knochenharten um-die-Welt-Salzbuckel. Die letzten Tage mussten sie hungern und hatten keinen Tropfen Diesel mehr an Bord. Aber sie gehen als Helden in die Annalen des Segelsports ein.

Martinez/Fernandez drückten Jahre lang der vielleicht anspruchsvollsten olympischen Bootsklasse ihren Stempel auf. Unglaubliche zwölf Jahre segeln sie in der 49er Weltspitze. Immer als Duo, immer im Gleichschritt. Sie holten drei EM- und drei WM-Titel. 2004 wurden sie Olympiasieger und 2008 holten sie Silber in Peking.

Xabi Fernandez (l) und Iker Martinez mit ihrer Familie. © Nico Martinez/Barcelona World Race

Das allein dürfte für den Segel-Olymp ausreichen. Aber ihnen gelang eben auch die Metamorphose zum Hochseeprofi. 2005/06 segelte Vorschoter Fernandez das Volvo Ocean Race auf der „Movistar“ mit, von der die Crew auf hoher See abgeborgen werden musste. Der Steuermann wurde bei den Inshore Rennen als Taktiker eingesetzt. 2008/09 puschten beide maßgeblich die „Telefonica“ zum dritten Platz bei dem um-die-Welt-Rennen.

Besonders erstaunlich: Ende Juni 2009 beendeten sie diese zermürbende Regatta, im Juli belegten sie schon wieder Platz 10 bei der 49er WM, im Januar 2010 folgte der dritte 49er Weltmeistertitel. Wohlmöglich versuchen sie gar 2012 ihre dritte Olympiamedaille zu gewinnen.

Iker Martinez mit Baby. "Mein Sohn hat mich nicht mehr erkannt" © Nico Martinez/Barcelona World Race

Und nun Platz zwei beim Barcelona World Race. Das Kleinboot-Duo hat es auch den Hochsee-Profis gezeigt. Dabei gingen sie ohne große Vorbereitung in das Rennen, ohne ein besonders gutes Boot und ohne Erfahrung in der Open 60 Klasse.

Zehn Tage vor dem Start entdeckten die Spanier ein Problem an ihrer Maschine. Sie mussten sie austauschen und arbeiteten in den Weihnachtsfeiertagen mit Nachtschichten und waren beim Start völlig übermüdet. „Das Rennen begann für uns zehn Tage vor dem Start. Wir hatten keine Ahnung von solchen Maschinen“, sagt Martinez. „Aber beim Einbau lernten wir extrem viel. Und als es ein Problem auf See gab, konnten wir es schnell beheben.“

Dass sie überhaupt an der Startlinie erschienen, haben sie dem Franzosen Michel Desjoyeaux zu verdanken. Er nahm sie in seinen Rennstall auf, gab ihnen sein altes Boot und half bei der Vorbereitung. Er konnte kaum vermuten, dass sie so viel aus diesem Rennen machen würden.

Fragen über Fragen. Die Segelstars stellen sich den heimischen Medien. © Nico Martinez/Barcelona World Race

Schließlich sind die Freunde im Gegensatz zu „Virbac-Paprec“ tatsächlich nonstop um die Welt gesegelt. Dabei präsentierten sie sich unter anderem als Bastel-Könige, als sie ein abgebrochenes Stück Schwert wieder anlaminierten.

Sie kamen bis auf acht Meilen an die führenden Franzosen heran, mussten aber nach dem Kap Horn einen Ankerstopp einlegen, um ein Problem mit dem Rigg zu beheben. Dadurch geriet Platz eins wieder außer Reichweite.

Die Spanier sind sich bewusst, dass Jean Pierre Dick und Loick Peyron überlegener waren, als es aussehen mag. „Virbac-Paprec´ ist sechs Tage weniger gesegelt als wir. Damit waren sie fast sieben Prozent schneller, die wir aufholen müssten.

Endlich im Ziel. Die dreimaligen 49er Weltmeister haben das alte Schiff von Michel Desjoyeaux nonstop in einem Stück um die Welt gebracht. © Nico Martinez/Barcelona World Race

Drei oder vier Prozent haben wir vielleicht schon durch die Lerneffekte im Rennen geholt. Aber der Rest muss von der Rennmaschine kommen. Wir brauchen ein schnelleres Boot. Ich denke, die Erfahrung haben wir jetzt.“

Ein anderer Punkt sei die Informationsbeschaffung bezüglich der Vorhersagen und des Routings. „Es ist wie bei den Olympischen Spielen“, sagt Martinez. „Wer mehr Informationen über das Revier hat, erhöht seine Möglichichkeit zu gewinnen. Ich bin mir sicher, dass die Jungs auf Virbac fünfmal mehr Infos hatten als wir. Deshalb waren am Ende auch ihre Entscheidungen besser. Nächstes mal sollte ein spanisches Boot dieses Rennen gewinnen.“

Enthusiastischer Empfang des Heimteams in Barcelona. "Mapfre" muss geschleppt werde, weil kein Tropfen Sprit mehr an Bord ist. © Nico Martinez/Barcelona World Race

Besonders hart sei die lange Zeit der Trennung von der Familie gewesen. „Unsere Babies sind sehr groß geworden. Und wir haben sie sehr vermisst. Mein kleiner Sohn hat mich nicht einmal erkannt. Ich fühle mich sehr schuldig, dass die Familie so viel entbehren musste. Aber sie hat großen Anteil an unserem Erfolg.“

Die beiden Segelstars müssen nun eine schwierige Entscheidung über ihre Zukunft treffen. Noch einmal Olympia oder lieber das Volvo Ocean Race? Vielleicht sogar das Vendee Globe? Ihre Möglichkeiten sind riesig.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Unglaublicher Spagat. Iker Martinez und Xabi Fernandez zweite beim Barcelona World Race“

  1. avatar Jan sagt:

    Zitat: “Die beiden Segelstars müssen nun eine schwierige Entscheidung über ihre Zukunft treffen. Noch einmal Olympia oder lieber das Volvo Ocean Race? Vielleicht sogar das Vendee Globe? Ihre Möglichkeiten sind riesig.”

    Wieso nicht alles drei!! 🙂
    Meinen größten Respekt, dass sind wirklich die! Helden unter den Helden dieser Regatta. Gewinner des Non-Stop Rennens! 🙂 (Boris wird da hoffentlich 3.)

    gr

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Christian sagt:

    Super Ergebnis! Die Zwei sind wirklich unglaublich. Vor allem weil sie sich die Erfolge hart erarbeiten müssen, es fällt ihnen nichts zu. Dass sie nie aufgeben, ist wohl die allergrößte ihrer Stärken.

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  3. Spitzen Artikel, Danke!

    In jedem Fall eine herausragende Leistung, die noch einiges von den Spaniern erwarten lässt. Einzig die Bezeichnung “ohne ein besonders gutes Boot” will nicht so richtig runter. Es ist zwar nicht wirklich falsch, wird aber der “alten” FONCIA irgendwie auch nicht ganz gerecht.

    Ein “besonderes” Boot ist die grade mal vier Jahre alte Siegeryacht von einem der weltbesten Offshore-Segler (MichDes) auf jeden Fall!

    Gruß
    Martin

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    • avatar Olli sagt:

      Stimme Rostock Sailing zu. Mit diesem Zauberboot konnte der Professor bei der letzten Vendée scheinbar nach Belieben schneller fahren als die Konkurrenz. Das ist ihm mit der neuen Foncia noch nicht geglückt. Somit ist die Mapfre ein wirklich besonderes Boot. Damit soll allerdings keinesfalls die Leistung der beiden Herren geschmälert werden. Eine wirklich beeindruckende Leistung und ein verdienter Erfolg.

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