Meinung Olympia 2024: Wo werden die Hamburger segeln lassen?

Legendäres Wellenbild

Nach der Entscheidung für Hamburg besteht nun für die Segel-Community die große Frage, wo eigentlich gesegelt wird. Warnemünde hat zweifellos das beste Segelrevier.

Hübsche Vision 2024 für iel Schilksee. Der vierstöckige Besucherpavillon an der Nordermole würde allerdings den meist ablandigen Wind empfindlich stören. Visualisierung: Monokrom, Hamburg

Hübsche Vision 2024 für iel Schilksee. Der vierstöckige Besucherpavillon an der Nordermole würde allerdings den meist ablandigen Wind empfindlich stören. Visualisierung: Monokrom, Hamburg

Wenn es bei Olympia um den Sport gehen würde, müssten die Segelspiele nach Warnemünde vergeben werden, dem mit Abstand besten Regatta-Revier an der Ostsee-Küste.

Spektakuläre Wasserberge

Im Gegensatz zu den Konkurrenten weist Warnemünde eine Küstenlinie auf, die dem vorherrschenden Westwind keine Barriere bietet. Dadurch wird der Wind nicht abgedeckt. Er weht stärker, weil die bremsende Reibung über dem Wasser geringer ist.

Das Olympia-Revier in Warnemünde. Kurze Wege zu den sieben Bahnen direkt vor der Küste.

Das Olympia-Revier in Warnemünde. Kurze Wege zu den sieben Bahnen direkt vor der Küste.

Aber besonders das Wellenbild in Warnemünde ist legendär. Die lange Anlauffläche über das freie Wasser erzeugt spektakuläre Wasserberge, die für aufregenden Sport und beste Bilder sorgen.

Wenn es also darum geht, den Sport am besten zu präsentieren, um dem Rest der Welt die attraktive Seite des Segelns zu zeigen, kommt man an Warnemünde nicht vorbei. Es ist eines der besten und anspruchsvollsten Segelreviere der Welt.

“Kaiserwetter” sehr selten

Zwar können auch Kiel und Travemünde hin und wieder hohe Wellen bieten. Aber dann muss man auf das seltene “Kaiserwetter” mit auflandigen Ostwind-Bedingungen warten. Die sind leider nicht so häufig an der Ostsee anzutreffen.

In Kiel muss man bei Westwind für eine spektakuläre Welle schon weit um die Ecke von Bülk und dort auf dem Stollerngrund segeln oder bis in die Eckernförder Bucht ausweichen. Und auch Travemünde weist einen langen Weg gen Norden zu anspruchsvollen rauheren Gewässer Richtung Timmendorf und Scharbeutz auf.

Anbindung an Hamburg

Das Problem an Warnemünde ist der lange Weg bis Hamburg von rund 180 Kilometern. Allerdings hat die gute Anbindung der A20 das Seebad deutlich näher heranrücken lassen. Nach Travemünde könnte das Olympia-Feeling schon eher herüber schwappen.

Allerdings ist dieser Abstand zuletzt auch für London kein Problem gewesen. Dort musste man sich aus London gut 2,5 Stunden über die Autobahn bewegen, um den Segelwettkämpfen beizuwohnen. Der Stimmung hat das keinen Abbruch getan. Besonders die Medalraces wurden bei hoher Welle direkt einsehbar vor dem Ufer gesegelt. Da müsste man in Kiel und Travemünde schon sehr auf den Ostwind hoffen.

Der potentielle Olympiastandort Kiel-Holtenau vom Wasser aus betrachtet.  Visualisierung: Monokrom, Hamburg

Der potentielle Olympiastandort Kiel-Holtenau vom Wasser aus betrachtet. Visualisierung: Monokrom, Hamburg

Aber bei solchen Entscheidungen spielen die sportlichen Bedingungen wohl eher eine untergeordnete Rolle. Berlin hatte sich bei seiner Bewerbung eng mit Warnemünde verbunden. Kiel und Travmünde haben ihre Standort-Konzepte schon im November bei den Hamburgen präsentiert. Ob die Hamburger da verschnupft sind?

Beste Stimmung in Kiel

Für Kiel spricht natürlich das Renommee als einer der besten und bekanntesten Regatta-Ausrichter weltweit. Die Stadt ist segelaffin und die Kieler können bestens für Segelwettkämpfe aller Art begeistert werden. Dieser Rückhalt spielt bei der aktuellen Bewerbung eine besonders wichtige Rolle.

Begeisterte live Zuschauer sind besonders für das IOC wichtig und für den Verbleib des Segelens im Olympiaprogramm. Die könnte sicher auch Travemünde bieten, insbesondere weil die Anbindung an Hamburg deutlich am besten ist.

Aber wenn der Segelsport mit spektakuläre Live-Übertragungen in die ganze Welt punkten will ist die Wahrscheinlichkeit, dass Warnemünde sie bieten kann deutlich am größten.

 

 

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Carsten Kemmling

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15 Kommentare zu „Olympia 2024: Wo werden die Hamburger segeln lassen?“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Ich habe aus wasserdichter interner Quelle im IOC gehört, daß man das Mühlenberger Loch bevorzugt. Die ISAF soll sich auch in diese Richtung geäussert haben. Ziel dieser Idee ist es höchsten Organisationsstandard mit kurzen Wegen zu verbinden, so dass die Olympia-Sailor auch mit im Olympischen Dorf schlafen können.

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    • avatar dubblebubble sagt:

      Das ist m.W. eine Finte um davon abzulenken, daß Segeln vom IOC schon längst den Bayern versprochen wurde falls HH Olympiastadt wird. So würde ein Deal aus 1972 zu Ende gebracht, als München für seine Sommerspiele Kiel zur Seite bekam. ^^

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    • avatar Backe sagt:

      @ Fastnetwinner: Habe ich auch gehört!
      Für sichere Windbedingungen am Mühlenberger Loch soll demnach Airbus in Finkenwerder sorgen, die eine Anzahl Flugzeuge so ausrichten werden, dass die Düsen gleichmäßigen Wind liefern. Außerdem soll die Elbe kurz hinter Brunsbüttel aufgestaut werden, um das lästigen Gezeitenproblem zu lösen. Wer sich als Blankeneser jetzt aber schon über kostenloses Live-segeln freut, dem sei gesagt, dass auf dem Strandweg zwischen MSC und Unterfeuer eine 60 m hohe Tribüne aufgebaut werden soll, die den Blick aus dem Treppenviertel leider versperrt. Sitzplatzkarten sind ab 160 € zu haben …

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      • avatar Fastnetwinner sagt:

        Hi Backe,

        da der Süllberg 74 Meter hat, dürfen die Bewohner der obersten 14 Meter wieder für umme gucken. Ist doch immer gleich im Leben! Aber ich weiss zum Glück, wo der Turmschlussel ist…

        😉

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  2. avatar 123segeln sagt:

    Die Meinung, dass Warnemünde das beste Segelrevier ist, trifft nur für diejenigen Segler zu, die einen einseitigen Vorteil bei Welle und immer den gleichen Bedingungen für sich als Segler sehen. In Kiel würden sich bei Olympischen Spielen die besten Allroundsegler herauskristallisieren, die sowohl bei Ost 5-6, Welle und Wind als auch bei schwachen West-Winden mit wenig Welle ihr Boot beherrschen und den Sieg nach Hause fahren. Internationale Segler, die mit uns zusammen auf Regatten zusammentreffen sagen sogar, dass das Revier in Warnemünde eher langweilig ist. Immer gleicher Einheitsbrei ist nicht unbedingt gut und spektakulär.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 14 Daumen runter 30

    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      mit dem allroundsegler hast du sicher recht. aber das ist meiner meinung nach nicht der punkt. bei olympia geht es darum, der welt die faszination des segelsports zu zeigen. für uns segler reicht vollkommen das klein klein auf der innenbahn, um aufgeregt zu sein. aber der unbedarfte zuschauer braucht nun mal spritzwasser und hack, um sich überhaupt zu interessieren. das können übrigens alle reviere liefern. in warnemünde ist es nur wahrscheinlicher.

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      • avatar Julian Stückl sagt:

        Wie wahrscheinlich ist Hack im Hochsommer an der Ostsee? Egal ob Warnemünde, Travemünde oder Kiel…
        just saying…

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  3. avatar Martin sagt:

    Obwohl Rostocker, würde ich es Schilksee gönnen, den 1970er-Beton endlich überbauen zu dürfen

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  4. avatar Hansi Hintergucker sagt:

    Die Diskussion ist Makulatur. Das Organisationskomitee hat hat sich bereits festgelegt mit welchem Segelrevier sich Hamburg bewerben wird. Dank der Offshore Windparks ist der Nordseewind ja mittlerweile transferabel. Vestas wird neuer Partner des IOC und wird noch diesen Sommer einen neuen Windkraftanlagentyp vorstellen, der bei Flaute auch als Windmaschine eingesetzt werden kann.
    Ein großer Windpark dieser Art soll bis 2022 am Bodensee entstehen. Und als Marketingcoup ist nun geplant die ersten windsicheren Olympischen Segelspiele mit Vestaswind am Bodensee stattfinden zu lassen. Vor Lindau wird dafür das größte Segelstadion der Welt gebaut – mit schwegenden VIP Logen in der Pfänderbahn

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  5. avatar Frikken sagt:

    Die Segelwettbewerbe nach Warnemünde zu vergeben würde nur Sinn machen, wenn man den Heimvorteil der einheimischen Segler nicht ausnutzen wollte. Das Leistungszentrum befindet sich bekanntermaßen in Kiel und die Kadersegler kennen das Revier in- und auswendig und kennen sämtliche Eigenheiten über Strömungen, Wellnebild etc. . Diesen Effekt sollte man meiner Meinung nach unbedingt ausnutzen anstatt anderen Nationen “spektakuläre” Segelbedingungen bieten zu wollen

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  6. avatar Robert sagt:

    Die HAZ von gestern meint, dass es doch auch in Cuxhaven ganz toll zum Segeln sei (wegen Paywall als Bild):

    > http://picpaste.de/pics/haz-olympia-whutYWwV.1426671693.png

    Dann gibt es jeweils Mittags und um Mitternacht mit Flutlicht eine Wettfahrt.

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  7. avatar RVK sagt:

    Wieso denkt denn niemand über Helgoland nach? Welle und Wind sicher! Spektakulär und quasi vor der Haustür. Gerne auch mit Feederrace aus Hamburg…

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  8. Die unterschiedlichen Anfahrtswege fallen wohl kaum ins Gewicht, wenn man bedenkt, das 1972 München Olympiastadt war und in Kiel die Segelwettbewerbe ausgerichtet wurden. Trotzdem glaube ich, dass die Kieler die Nase vorne haben, da die Bevölkerung und die Stadt eher dahinter steht als in Rostock. Sach ich mal so- als Warnemünder…

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  9. avatar Starboot wieder rein! sagt:

    Das denke ich eben nicht. Sowohl in Waremünde,Travemünde als auch in Kiel brauchen sich die Mitglider vom DOSB über den Zuspruch der Bevölkerung gar keine Sorgen machen. Zum Segelsport stehen die Einwohner aller drei Städte. Das ist doch das schöne an unserer Sportart! drauf können wir Segler Stolzsein…Ich denke hier kann es einfach nur eine sportfachliche Entscheiung geben und da hat Rostock-Wanemünde einfach das beste Revier und in der Bewerbung das günstigste und nachhaltigste Konzept vorgestellt.

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