Olympiateam Frankreich: Les Bleus meckern. Nur eine Medaille in Perth

Gut, aber nicht gut genug

Jonathan Lobert holte bei den Preolympics 2011 im Finn Silber ging aber in Perth als sechster leeraus © ffvoile

Die WM in Perth war auch für die Franzosen nicht gerade von „victoires“ oder „gloire“ geprägt. Um es profan auszudrücken: Die Verantwortlichen im französischen Seglerverband äußerten sich zurückhaltend bis enttäuscht.

Nur ein Podiumsplatz, die Leistungen nahezu aller Beteiligten im Resultat suboptimal. Um gleich nach der sauertöpfischen Miene ein Strahlemannlächeln aufzusetzen: Les Bleus (wie sich die Französischen Nationalmannschaften in nahezu allen Sportarten betiteln) waren trotz der australischen Enttäuschung nun in allen (!) Olympia-Bootsklassen qualifiziert.

Neben dem Gastgeber England bis dato die einzige Nation, die jetzt schon weiß, dass sie ihre Farben auf dem Großsegel in jeder Klasse vertreten haben wird. Was wiederum die „Erzrivalen“ drüben auf der Insel zum Naserümpfen veranlassen dürfte.

Das französische Match Race Team um die zweifache Weltmeisterin Claire Leroy gehört zu den besten Franzosen. In Perth holte sie mit Bronze die einzige Medaille für "Les Bleus". © ffvoile

„Wir hatten eine richtig starke Saison in 2010,“ resümierte der technische Direktor des französischen Seglerverbandes, Phillippe Gouard. „Wir sind auch motiviert und sogar erfolgreich in die Saison 2011 eingestiegen,“ fügt er an.

„Aber schon damals habe ich gesagt, dass wir nicht immer ganz oben spielen können. Irgendwann muss es Rückschläge geben. Das hat sich in Perth bewahrheitet – wir sind in den Endergebnissen nicht auf unserem üblichen Niveau unterwegs gewesen. Doch unser Ziel war es eben in erster Linie, die Qualis für die Olympischen Spiele zu schaffen. Ab sofort sind wir nur noch auf Weymouth fixiert!“

Gouard spricht außerdem von einem deutlich gestiegenen Niveau der meisten Nationen, die in Perth am Start waren. Was wiederum kaum erstaunlich sei: Nach seiner Einschätzung konzentrieren sich nun mal die Olympischen Bootsklassen in erster Linie auf Olympia. Und das spitze sich nun mal bei der letzten WM vor den Spielen deutlich zu. Nur eben nicht bei den Franzosen?

Pierre Leboucher / Vincent Garos wurden WM sechste im 470er.

„Wir haben noch knapp 7 Monate Zeit, um zu unserer Bestform zurück zu finden,“ sagt Gouards Boss Jean-Pierre Champion (was für ein Name für einen Verbandsvorsitzenden, Anm. d. Autors). „Wir „Blauen“ haben uns zum dritten Mal für alle Bootsklassen bei Olympischen Spielen qualifiziert. Natürlich hätten wir lieber in Perth auf dem Podium gestanden, aber wenn man mich fragt: ich sehe unsere Segler lieber bei den Olympischen Spielen auf dem Podest!“ Es hört sich etwas trotzig an.

Letzte Woche waren erstmal alle Nominierten und noch im Auswahlverfahren bangenden Seglerinnen und Segler zum „Trainingscamp“ nach Briancon gefahren – also mitten in die Berge. Auf dem Programm: Skilanglaufen, lange Spaziergänge und noch längere „Tagungen“ im Hüttenambiente, bei denen schon mal patriotische Lieder geprobt wurden. Kurz: Alle sollten sich erstmal kennenlernen, bevor sie im Sommer gemeinsam die Grande Nation auf dem Wasser repräsentieren sollten.

Tatsächlich gehen die Franzosen diese Olympischen Spiele „chez les rosbeef“ mit erstaunlicher Ruhe an. Sie äußern sich ausgesprochen erfreut darüber, dass sie diesmal nur über den Kanal müssen, um anständig vor Ort trainieren zu können. Und sind zuversichtlich, dass sie es in Weymouth mit einem Revier zu tun haben werden, das faire Windbedingungen vorzuweisen hat.

Julien Bontemps ist Top Surfer der Grande Nation. In Perth reichte es nur zu Platz acht. © ffvoile

Die Strömungssituationen, sollten ihnen von der anderen Seite des Kanals her durchaus bekannt sein. Wie gut ihnen das Revier liegt zeigten sie gleich bei der Testregatta im Sommer 2011 – immerhin schafften die 470er-Männer dort eine Gold-Medaille und im Finn holte Frankreich Silber.

Wetterbedingt verzieht sich ein Großteil der Französischen Olympia-Segler zunächst einmal nach Cadiz, wo schon ab kommender Woche die ersten Teams aufs Wasser gehen werden. „Was wir ab sofort machen müssen ist: segeln, segeln und nochmals segeln. Zwischendurch darf ruhig mal die Luft raus sein – für die Spiele müssen aber wieder alle auf der Höhe ankommen!“ resümiert Champion.

Übrigens: Nicht alle haben ihren Flug nach Cadiz gebucht. Die französischen Match-Racerinnen Claire Leroy, Marie Riou, Elodie Bertrand wollen ihren Titel in Miami verteidigen, wo sie vor einem Jahr brillierten. Und gleicher Anlass, aber mit höherem Unsicherheitsfaktor: Xavier Rohart / Pierre-Alexis Ponsot starten im Star, bei dem – neben der WM und den Olympischen Spielen – weltweit wohl am stärksten besetzten Feld der letzten Olympischen Kielklasse. Mal sehen, ob ihr Training mit Sparrings-Partner Scheidt geholfen hat.

Folgende französischen Segler sind für die Olympischen Sommerspiele in Großbritannien nominiert:

RS :X Männer : Julien Bontemps
RS :X Frauen: Picon Charline
Laser : Jean-Baptiste Bernaz
Finn : Jonathan Lobert
470 Männer : Pierre Leboucher / Vincent Garos
49er : Manu Dyen / Stéphane Christidis
Star : Xavier Rohart / Pierre-Alexis Ponsot
Match Race Frauen: Claire Leroy, Marie Riou, Elodie Bertrand et Claire Pruvot (Austausch)

Für diese Klassen sind die Franzosen qualifiziert, müssen aber noch eine Entscheidung fällen bzw. eine nationale Ausscheidung zwischen folgenden Teams/Seglerinnen segeln:

470 Frauen:

Ingrid Petitjean / Nadège Douroux
Emmanuelle Rol / Hélene Defrance
Camille Lecointre / Mathilde Géron

Laser Radial :
Sarah Steyaert
Sophie de Turckheim

Französischer Segler Verband

 

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Olympiateam Frankreich: Les Bleus meckern. Nur eine Medaille in Perth“

  1. avatar Kurt sagt:

    Öhhhhh, ähhhhhh, tzzzzzz, ähhhhh,mmmmmmm……hä?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 6

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