Rasend segeln: Kiter, Surfer, 18”-Skiffs und MOD70 beim legendären Bridge-to-Bridge-Race

„Unglaubliches Downwindgehämmere!“

Die Regeln sind einfach: Die schnellsten „Wasserfahrzeuge unter Segeln“ starten unter der Golden Gate Bridge in der San Francisco-Bay und brettern im Höllentempo  6-7 sm rüber zur Bay Bridge. Mit dabei: Kite-Surfer, Windsurfer, sogar der derzeit in der Bucht „stationierte“ MOD 70-Trimaran “Cam Lewis USA”. Und natürlich die 18-ft-Skiffs, die das High-Speed-Rennen in ihre International-Skiff-Regatta „einbauten“.

Bridge2bridge-Regatta,

Skiff’n Kite © Favreau

Der deutsche Skiff-Segler und Regattateilnehmer Norbert Peter berichtet emotionsgeladen direkt von der Front:

“Das legendäre Ronstan Bridge2Bridge-Race in seiner 15.Auflage um 17.30 bei voller Breeze, von der Golden Gate Bridge zur Bay Bridge, knapp 6 Meilen in ca. 16 Minuten Downwind. Alles, was schnell segeln kann ist dabei, dieses Jahr Nathan Outteridge mit seinem 49er, eine Mod 70 Tri, ein Extrem 40, unzählige Kiter, Surfer und vor allem Foiling Kiter, dazu natürlich 22 von uns, den „18s“. Schon auf dem Weg zum Start außerhalb der Golden Gate gerieten wir links unter Land in Strudel und steile Wellen von zwei Metern und bekamen einen ersten Eindruck, was uns erwartete: Drei Mann an der Kreuz in Fußschlaufen am Heck des Bootes – ein Pferd freihändig im gestreckten Galopp durchs Gelände zu reiten ist garantiert entspannter.

Adrenalin am Anschlag

Ein unglaubliches Gewimmel dann am Start, alles wuselte durcheinander, dazu lagen Skiffs rum, Endzeitstimmung und Adrenalin am Anschlag, ein letztes Manöver, eine letzte Wende zur besten Position… neeeeeein, gekentert! 90 Sekunden vor dem Start! Aufgerichtet, abgefallen, Kite gezogen und dann doch los, 500 Meter hinter den Ersten.

bridge to bridge, San Francisco, 18 ft. Skiff

Etwas unübersichtlich, der Start © favreau

Was für ein Höllenritt, das Boot hob ab wie ein startendes Flugzeug und hämmerte mit dem Heck in die nächste, manchmal übernächste Welle, die Stauchung ging durch die ganze Wirbelsäule, dazu Spray hart wie aus dem Feuerwehrschlauch. Noch nie habe ich den Kite so offen vor dem Boot fliegen sehen, wir gleich hinterher. Rechts unter Land die Jungs von Eurolink und die Dänen, wir weiter in der Bay wo es zwar ruppiger war, aber wir kamen ran, kein Stück zu sehen von Jarrod Simpson, dem 4.Boot aus dem europäischen Container, das andere gecharterte englische Boot – bereits am Start gekentert.

Konzentration und immer wieder Böen, die teilweise nur mit dem Ruder im Wasser zu korrigieren waren, der Rest befand sich gerade in der Luft, unglaubliche Gefühle, das war “Living on the Edge” und nur ja nicht an der Pinne verreißen.

Die Dänen halsen vor Marina Green nach draußen, passieren hinter uns, die anderen Deutschen dann an den Wharfs 2000 Meter weiter, passieren auch hinter uns, dann wir, Halse gestanden, raus Richtung Alcatraz mit Wind von Backbord. Sind wir klar mit den Neuseeländern? Den Dänen dahinter, die alle wieder mit Wind von steuerbord ankommen.

Was, wenn… ?

Ja, clear ahead, ein Gedanke poppt bei mir auf, sollen wir halsen, die Bay sieht heute so anders aus, der Wind bläst in einem bis zum Ende durch, es sieht eigentlich nicht so aus, als wenn der Wind weiter drinnen nachlässt und man auf einer netten Außenkurve in die Bay Bridge reindreht und alle Boote weiter innen in der Windabdeckung der Stadt hängen. Gedanke verschwindet, weggespült vom Spray und die dann nahe Alcatraz angesetzte Halse ist viel zu weit draußen. EuroLink, die anderen Deutschen – gekentert irgendwo hinter uns, aber die Dänen und zwei Neuseeländer wieder verloren.

bridge to bridge, San Francisco, 18 ft. Skiff

Hämmern, was die Kiste hergibt © favreau

Währenddessen hämmern wir die Bay runter und die Wellen werden höher und fieser, mehrmals verschwindet der Bug im Wasser, Stewart an der Großschot ändert seine Taktik und fängt an, den Kite dichter zu ziehen und rauszulassen und die Wellen aktiv anzusteuern. 500 Meter weiter ist klar, reindrehen in leichtere Winde wird heute nichts, stattdessen bergen und TwoSailReach bei über einem Meter Welle und 25 Knoten, der härteste aller Kurse im 18, ist nicht mehr zu vermeiden.

Glücksgefühle und Lachanfälle

Das Bergen ist ein artistischer Akt des Bowman zwischen Kite einpacken und nach-hinten-springen, um den Stecker zu vermeiden, während Tristan und ich in den beiden hintersten Fußschlaufen hängen.

Den Reach haben wir dann irgendwie überlebt, sind zwar nur als Vierzehntes 18’’Skiff ins Ziel gekommen, aber wir haben überlebt. Unglaubliches Glücksgefühl überflutet uns alle; auf dem Rückweg haben wir Lachanfälle und können kaum an uns halten. Die Stimmung an Bord war also super, das Erlebnis einmalig und die Party abends im San Francis Yachtclub legendär.

Ab nach hinten, alle Drei! © favreau

Ab nach hinten, alle Drei! © favreau

Der erste 18’’ Skiffs wurde übrigens “nur” 12. hinter lauter Kitern und dem Mod 70, aber deshalb werden wir keine Foils unter diese Boote schrauben, sie sind schon so wild genug, ist die einhellige Meinung. Was mir ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird, ist das unglaubliche Downwindgehämmere (“Sending it hard!”) vom Bridge2Bridge-Race und die tolle Begeisterung der Amerikaner hier in San Francisco fürs Segeln als Zuschauer-Event.”

Sieger über alle wurde übrigens Kite-Weltmeister und San Francisco-Kid Johnny Heineken, der seine Rekordzeit vom letzten Jahr um 2 Minuten auf gesamt 12 Minuten verbesserte. Johnny raste – wen wundert’s eigentlich noch? – auf einem Foil-Brett über die Wasser…

bridge-to-bridge-Regatta

Heineken siegt – auf Foils! wie sonst? © favreau

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https://northsails.com/sailing/de/

5 Kommentare zu „Rasend segeln: Kiter, Surfer, 18”-Skiffs und MOD70 beim legendären Bridge-to-Bridge-Race“

  1. avatar Skiffy sagt:

    Ein toller Beitrag. Man kann die Begeisterung beim Lesen spüren. Danke für den Einblick!!!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 0

  2. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Herrlich geschrieben!
    Genau das: Glücksgefühle und Lachanfälle nach Herumballern an der Grenze des Beherrschbaren haben mich vor ein paar Jahren zum Katsegeln gebracht!
    Skiff-Segler(innen) mit ihren kippeligen Booten und noch extremeren Segeln betrachte ich als sportlichere Seelenverwandte mit deutlich besserem Gleichgewichtssinn 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  3. avatar Claus sagt:

    Laaaaaaaaaangweilg!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 31

  4. avatar Holger sagt:

    tja… Nathan Outteridghe hat halt überall einen seiner 49er dabei und da wird dann immer fleissig trainiert
    und auch bei extremsten Bedingungen
    Ab heute muss Tucker dann beim AC Kommentar alleine sabbeln, denn Nathan ist nun losgeflogen zur 49er WM nach Marseille mit immerhin 100 49ern und 51 FX am Start

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  5. avatar dubblebubble sagt:

    Schön das es noch schnelle Boote ohne Krücken (Foils) gibt 🙂

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 5

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