Origin Chef Keith Mills erklärt den Abschied vom America´s Cup

Raus statt voraus. Briten verzichten auf die Kanne

Ben Ainslie liegt vor BMW Oracle. Beim echten Cup wird dieses Bild erst einmal nicht zur Realität © Orgin

Die Briten verzichten 2013 auf die Herausforderung zum 34. America´s Cup.  Das Team Origin von Sir Keith Mills mit Steuermann Ben Ainslie erklärt, dass man nach eingehender Analyse des Race-Formats, der Regeln und Kosten zu diesem Schluss gekommen sei.

Der 34. America´s Cup, die Flügel-Katamarane, der Zeitplan, das alles sei kommerziell nicht interessant und ergebe auch keinen attraktiven Sport-Wettkampf für das Origin Team. Deshalb werde es keine Herausforderung abgeben, wenn am ersten November die Anmelde-Periode beginne.

Keith Mills sagt: „Nach drei Jahren in Wartestellung, um ein britisches Team an den Start des America´s Cups zu bringen bin ich bitter enttäuscht, dass wir nicht teilnehmen. Aber trotzdem, Format und Zeitplan, die vom Verteidiger BMW Oracle bestimmt wurden, ist für Origin nicht machbar.

Wir haben ein herausragendes Team versammelt, das von Grant Simmer und Ben Ainslie geführt wird. Und mit tut es sehr leid, dass sie nicht die Chance bekommen für England um den nächsten America´s Cup zu segeln.“

Team Origin werde in den nächsten Monaten überlegen, ob es in den nächsten Jahren bei anderen Segel-Events teilnehmen wird.

Kein gutes Omen? Origin kenterte in der vorletzten Saison beim iShares Cup mit seinem Extreme40 Kat © iShares Cup

In einem Interview mit der britischen Zeitschrift Yachting World betont Keith Mills: „Der einzige Grund, warum ich ein Team zusammengestellt habe war die Chance zu gewinnen. Aber ich glaube, dass die Vorteile nun sehr auf der Seite des Verteidigers liegen. Und zwar weit mehr in langer Zeit beim America´s Cup.“

Mills meldet auch Zweifel an, wie diese Art von Schiffen in 33 Knoten Wind segeln und wie die Flügel an der Mooring oder an Land gehandhabt werden sollen. Außerdem hätten nur sehr wenige Designer sich bisher mit 40 Meter hohen Flügeln beschäftigt.

Sir Keith Mills, Gründer des britischen AC Teams Origin und Hoffnungsträger für den gesamten America´s Cup © Origin

Zeit und Kosten seien ein großes Problem. Bis 2013 sei es kaum möglich zwei Multihulls zu konstruieren und zu lernen wie man sie segelt. Das könne Okay sein wenn man wie Oracle zwei Monate voraus sei.

Die Origin Berechnungen hätten ergeben, dass die Kosten 20 Prozent höher seien als beim 32. AC in Valencia und das auch noch bezogen auf einem Zeitraum von drei statt vier Jahren. Entsprechend könne man kommerzielle Rechte effektiv nur über zwei Jahre verkaufen.

Mills ist auch wenig begeistert, dass die Veranstaltung ausschließlich Ellison gehöre, von ihm kontrolliert und beherrscht werde. „So ist das alles nicht machbar für uns und was noch wichtiger ist. Wir können unter diesen Umständen auch nicht gewinnen. Und das war der einzige Grund, warum wir dieses Team zusammengestellt haben.“

Nach einem Treffen mit Russell Coutts und Regatta Organisator Ian Murray in der vergangenen Woche sei schon klar geworden, das die beiden ein Vision hätten. „Aber ich glaube, sie funktioniert nicht. Ich wünsche ihnen trotzdem Glück und hoffe, sie ziehen das durch.“

Ein anderes Problem mit dem Zeitpunkt 2013 ist für Origin die Nähe zu den Olympischen Spielen 2012 in London. Die drei Goldmedaillen-Gewinner Ben Ainslie (Finn) und Iain Percy mit Andrew Simpson im Star hätten kaum noch eine Chance, den Trainingsaufwand für die Titelverteidigung aufbringen zu können.

„Ich habe das Team um die drei herum aufgebaut“, sagt Mills.  „Ben wird irgendwann den America´s Cup gewinnen. Und sie alle wollten lernen, mit den 72 Fußern zu segeln. Ich habe nie daran gedacht, einen französischen Multihull Spezialisten zu engagieren.“

Die Olympiapläne der Origin Stars scheinen also durchaus eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. Es deutete sich an, dass sich Ainslie und Co für Olympia im eigenen Land und gegen den America´s Cup entscheiden würden.

Die eher frustrierenden Ergebnisse auf dem Audi MedCup Circuit seien nicht das Problem gewesen. „Leider war unsere TP52 langsam. Wir haben sie sehr schnell konstruiert und gebaut. Das half nicht gerade. Aber dieses Jahr war auch nur als warm up, als Findungsphase gedacht. Die Leistung war kein Problem.“

An eine völlige Auflösung des Team denkt Mills offenbar nicht. „Ich möchte etwas machen, das Spaß macht.“ Mit seinem Finanzier-Partner Charles Dunstone habe er sich gefragt, ob das in den vergangenen drei Jahre so gewesen sei und ob es in den nächsten drei so werden würde. Sie hätten leider verneinen müssen.

Wenn er mit Origin noch einmal segeln gehe, müsse es Spaß machen. Er sei sich noch nicht klar darüber, ob das der Fall sein werde beim MedCup bei den Extreme 40s oder mit einer IRC Yacht.

War das nun eine endgültige Entscheidung gegen den America´s Cup? „Nein, ich würde niemals nie sagen. Ich bin natürlich sehr frustriert, diesen Punkt erreicht zu haben. Während der dreieinhalb Jahre des Gerichtstreits habe ich das Team zusammen gehalten und viel Geld ausgegeben, weil ich wollte, dass es am Ende funktioniert.

Manchmal im Sport wie auch im Business kommt ein Zeitpunkt, zu dem man sich zurück lehnen muss um zu sehen, was auf dem Tisch liegt. Wenn es nicht funktioniert, muss man eine Entscheidung fällen. Ich musste das einige Male im Geschäftsleben tun und nun eben mit einem America´s Cup Team.“

Dieses Signal aus England ist ein vernichtendes Urteil für die Bemühungen von Russell Coutts und Co. So soll das starke Azzurra Team um Skipper Francesco Bruni schon die geplant Herausforderung abgesagt habe. Das Gleiche wird von Prada erwartet.

Die Franzosen des Aleph Teams um Skipper Bertrand Pacé haben dagegen ihre Herausforderung öffentlich präsentiert. Sie haben aber kein Geld und suchen Sponsoren, die 50 Millionen Euro aufbringen können. Die Entscheidung der Briten wird mögliche Financiers nicht gerade davon überzeugen, dass eine Investition in den AC eine schlaue Sache sein könnte.

Im Spiel sind jetzt eigentlich nur noch der Challenger of Record Mascalzone Latino, die Neuseeländer, Artemis aus Schweden mit Paul Cayard, und von den Russen mit Synergy um Karol Jablonski hat man auch noch keine Absage gehört. Es steht nicht gut um den Cup.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Origin Chef Keith Mills erklärt den Abschied vom America´s Cup“

  1. avatar T.K. sagt:

    Es kommt wie es kommen musste. Die möglichen Herausforderer geben sich in Kürze beim Abgesang die Klinke in die Hand. Jede Wette. Warum? Ich denke nicht das es der Kat ist. Es ist vielmehr die Arroganz eines Roussel Couts und Larry Ellison den Cup nur nach eigenem Gutdünken zu gestalten. Ein Jahr mehr Vorbereitungszeit wäre sicher hilfreich gewesen bei einer völlig neuen Bootsklasse. Und mehr “Demokratie” in diesen Zeiten wäre auch besser gewesen. Im Grunde ist der jetzige Verteigiger viel schlimmer als es Alinghi beim letzten Protokoll je gewesen ist. Es kann beim nächsten Cup nur BOR gewinnen, da diese einen riesigen Technologievorsprung haben. Den kann keiner in kurzer Zeit wettmachen. Am Ende wird wahrscheinlich nur der COR übrigbleiben. Dann kann man gleich auf den Cup verzichten.

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  2. avatar Sven sagt:

    Eine Kanne ohne Glanz ist nichts Wert !

    diese Art von Soloveranstaltung schadet dem Segelsport mehr wie sie im nützt.
    Langeweile bei den Übetragungen werden auch die wirklich letzten Fans vertreiben.

    da sollten doch die Rennen des MedCup noch mehr Anhänger finden.

    grüße Sven

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  3. avatar jan sagt:

    Und was haben sie vorher gegen Alinghi getönt jetzt gebe es bei allen
    zukünftigen Entscheidungen nur “ein Miteinander”. Es ist genau das
    eingetreten, was viele befürchtet haben. Ellison zieht seine Egotour
    genauso wie im Geschäftsleben auch im Americas Cup durch. Mitreden
    konnte wirklich niemand! Auch wenn man manchmal das Gefühl haben sollte.
    Ich hatte mich sehr auf das neue Team Origin um Ben Ainslie und Iain
    Percy gefreut, aber unter solchen Umständen kann ich ihre Absage nur
    mehr als verstehen. Es ist ein sehr starkes Zeichen der Briten, was
    vieles der Rumquatscherei der letzten Monate aufgedeckt(das nämlich
    bewußt starke Gegner von der Diskussion ausgeschlossen wurden), und
    sofern kann ich ihre Absage sogar begrüßen, auch wenn ich kaum glaube,
    dass es einen Larry Ellison umstimmen wird.
    Was für eine Farce, wenn man sich überlegt, wegen welch “edler!?”
    Motive Ellison damals angeblich geklagt hat. Seit ihm hat der
    AmericasCup “die Krone des Segelsports” wirklich nur noch minimal mit
    segeln zu tun…. darüber sollte man mal nachdenken.
    gr jan

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    • avatar Carsten sagt:

      das ist auch genau meine kritik. es sollte auf alle gehört werden und um mitspracherecht gehen. dean barker hat nur gelacht als er gefragt wurde, ob TNZ mitreden durfte.
      schade um ainslie und co. ich hätte sie auch gerne in der ersten reihe gesehen.

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  4. avatar Andreas Ju. sagt:

    Irgendwie finde ich das gut: BOR wird alleine aber ziemlich schnell um Tonnen segeln und am Ende konkurrenzlos den AC gewinnen. Ellison wird dann erkennbares Opfer seiner eigenen Überheblichkeit sein. Mediale Wirksamkeit – klar ist wichtig und für Laien ist ein Cat beeindruckender als ein Mono. Aber macht das Segelsport aus? Wenn wieder eine Volks- und Raiffeisenbank eine Kampagne mit Segelbooten unter Spi startet und dazu titelt: “Für Sie immer hart am Wind” – oder ähnlich?

    Wäre es nicht besser, wenn man den AC in Einheitsklassen führe und jedes Team dazu verdonnert, 5 % des Budgets für gute Moderatoren, Erklärungskampagnen, verständliche 3-D-Animationen der rennen oder für eine Bewerbung des Cups auszugeben?

    Vielleicht würde auch das den Cup nicht retten. Aber so ist er jedenfalls ohnehin noch toter als die Formel 1. Da könnte man doch mal versuchen, das Geld in einen sinnvolleren Versuch zu stecken und darüber wenigstens mehr Leute fürs Segeln zu begeistern.

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  5. avatar T.K. sagt:

    Team Germany hat jetzt auch abgesagt. Am Ende staht Larry alleine da, hahaha

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