Route du Rhum Technik: Was die Ultime-Trimaran-Skipper gegen die Kentergefahr tun

Anti-"Stecker" Technik

Für den Normalo Segler ist es unvorstellbar, wie die großen Trimarane im Einhand-Modus gepuscht werden. Gerd Clausen hat für SegelReporter an Bord der Riesen nachgesehen, wie das geht.

Clausen war beim Start zur Route du Rhum, hat sich auf den Multihull-Riesen umgesehen und mit den Skippern über technische Detaillösungen gefachsimpelt, die sie in die Lage versetzten, ihre riesigen Sportgeräte zu beherrschen.

Besonders interessiert hat ihn das System, das die Überschlaggefahr verringern soll. Clausen selber musste schon einmal von seinem gekenterten 40 Fuß Trie “Fritzz Fratzz” gerettet werden.

Faszinierend, schaurig. Der "Stecker" des 105 Fuß Trimarans "Sodebo" kurz nach dem Start zum Rekordversuch 2011. © Zedda/Sodebo

Faszinierend, schaurig. Der “Stecker” des 105 Fuß Trimarans “Sodebo” kurz nach dem Start zum Rekordversuch 2011. © Zedda/Sodebo

Auf den Maxis hilft ein Computer, der die Bewegung des Schiffes überwacht. Das sogenannte UpSideUp-System kann mit Gradzahlen für den Auslösewinkel bezogen auf Krängung und  Stecker eingeben werden.

“Losgegeben werden meist zwei Leinen parallel, Vorsegelschoot und Großschot oder Großtraveller (an der Kreuz)”, erklärt Clausen. “Die betreffenden Leinen liegen in nur ca. drei Törns um die Winsch und sind dann jede in eine speziellen Curry-Klemme geführt. In dieser ist ein Nirobügel in der Mitte zwischen beiden Backen eingebaut. Er wird im Auslösefall per Pressluft nach oben gedrückt, und schiebt so die Schot nach oben aus der Klemme.”

Clausen erzählt, dass die Skipper auf den großen Trimaranen ihre Schoten aber nicht vollständig ausrauschen lassen, sondern eine Stoppfunktion eingebaut ist. Denn im Einhandbetrieb dauert es teilweise eine Viertelstunde bis zum Beispiel ein Vorsegel per Arm- und Fuß-Grinder dichtgeholt ist.

Weitere Details folgen

Gerhard Clausen

Der Hamburger Immobilien-Unternehmer Clausen hatte vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt, als er mit seinem 40 Fuß Nigel Irens Trimaran “Fritzz Fratzz” die einheimische Offshore Szene aufmischte. Schließlich musste er auch die unangenehmen Seiten des Multihull Segelns kennenlernen, als er 2005 beim HSH Nordbank Cup von Kiel nach Kopenhagen und zurück im nördlichen Teil des großen Belts kenterte und von der Besatzung einer dänischen Fähre geborgen wurde.

Der 82 Fußer "Calypso" von Gerhard Clausen

Der 82 Fußer “Calypso” von Gerhard Clausen

Seitdem sorgt er regelmäßig bei deutschen Langstrecken-Regatten und oder bei der ORC Meisterschaft für Aufsehen, wenn er mit seinen Kindern Familie den 82 Fuß Maxi “Calypso” bewegt.

Spenden
https://yachtservice-sb.com

3 Kommentare zu „Route du Rhum Technik: Was die Ultime-Trimaran-Skipper gegen die Kentergefahr tun“

  1. avatar Chefkoch sagt:

    …netter Begleittext zum Autor…
    …den eins stimmt, Clausen sorgt seit Jahren auf deutschen Regattabahnen für Aufsehen…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 26 Daumen runter 0

    • avatar Chefkoch sagt:

      …und Angst und Schrecken bei Tonnenrundungen und an der Startlinie…
      Komisch – Kompetenz für einen Fachmann kenne ich irgendwie anders…

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 3

  2. avatar Rockstar sagt:

    Ist das der gleiche Gerd Clausen der mal vor etlichen Jahren auf sailinganarchy.de für Aufsehen gesorgt hat, nachdem er in der Kieler Innenförde fast Tote produziert hat? Da ist ja ein richtiger Fachmann gefunden worden, wie man Katastrophen verhindert…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 6

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *