SR Interview: Der Streit zwischen DSV und STG eskaliert

+++ Zeichen stehen auf Sturm +++

Mit dem Interview bei der ZDF Sportreportage nach der ISAF WM in Santander trug DSV Präsident Andreas Lochbrunner den Machtkampf mit dem Sailing Team Germany in die Öffentlichkeit. Im SR-Interview erklärt er den Konfrontationskurs.

Andreas Lochbrunner

DSV Präsident Andreas Lochbrunner im SR Interview beim Württembergischen Yacht Club.

Das Ergebnis der deutschen Olympia-Segler bei der wichtigsten Regatta seit 2012 entstprach nicht den Erwartungen und Hoffnungen, die nach der Gründung des Sailing Teams Germany formuliert worden waren. Nach einer Pleitenserie konnten die Segler ihre avisierten Medaillen nicht einfahren.

Diese offene Flanke hat DSV Präsident Andreas Lochbrunner genutzt, um beim schwelenden Streit mit STG in die Offensive zu gehen. Er macht die von ihm so genannte “Doppelstruktur” bei der Organisation mit STG und DSV für das schlechte sportliche Abschneiden verantwortlich.STG Analyse I

SR sprach mit Lochbrunner am Bodensee beim Württembergischen Yacht Club. Er bestätigte, “der Leistungssport muss in der Hand des Sport-Spitzenverbandes sein”. Er würde gerne die Doppelgleisigkeit in der Trainer- und Führungsstruktur aufheben. Das fordere auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Zurzeit werden zum Beispiel einige Trainer vom DSV andere von STG bezahlt. Dieses Interagieren habe sich nicht bewährt.

[ds_preview] (Ab hier Text und Video-Interview für SR Clubmitglieder)

Kurz zuvor hatten sich die angegriffenen STG Protagonisten über den Umweg einer Pressemitteilung des Partners Heinz Nixdorf Vereins zu den Vorwürfen geäußert. Eine Langzeit-Analyse habe ergeben, “dass die Leistungsentwicklung der Deutschen Nationalmannschaft seit dem Eintreten des Sailing Team Germany einhergehend mit neuen Strukturen, Fördersystem und Fördergeldern durch Sponsoren, privaten Zuwendungen und Stiftungsgeldern deutlich gesteigert werden konnte.”

Ein “klarer Aufwärtstrend sei festzustellen”. Auch Gunter Persiehl, Commodore des Norddeutschen Regatta Vereins wird zitiert. Er fordere, “endlich eine gemeinsame Fokussierung auf die Top-Medaillenhoffnungen für 2016, statt Strukturdebatten zu führen.”

Auf der STG Seite ist man bewusst bemüht, den Status Quo zu halten. Aber das genau will der DSV nicht. Die Zeichen stehen auf Sturm. Lochbrunner lässt keinen Zweifel daran, dass er seine Vorstellungen zur künftigen Organisation durchdrücken möchte. Und im Moment sind die Gemüter so erhitzt, dass ein Gang vor Gericht nicht mehr ausgeschlossen scheint.

Der Zeitpunkt zwei Jahre vor den Olympischen Spielen scheint etwas knapp für einen solchen Machtkampf. Trainer und Verantwortliche bangen um ihre Jobs, die Athleten sind verunsichert und bei einem weiter eskalierenden Streit dürften die Sponsoren Audi und SAP wohl kaum zu halten sein. Ob es das wert ist?

 

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „SR Interview: Der Streit zwischen DSV und STG eskaliert“

  1. avatar Klashahn sagt:

    na klasse… das ist genau das was der Deutsche Segelsport jetzt NICHT braucht.

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  2. avatar Steffen Pöhlmann sagt:

    … wie sonst vom Zahnarzt wird da immer wieder journalistisch nachgebohrt, ob der Zeitpunkt denn nicht … und die Unruhe der Auseinandersetzung … und das Image auch für die Sponsoren … surr, surr, surr.
    Aber hätte dieses nette Gespräch denn überhaupt stattfinden können, wenn es dem DSV und dem STG gelungen wäre, diese Strukturveränderungsdiskussionen unter dem Deckel zu halten oder öffentlichkeitsunwirksam flauschig zu applanieren?
    Trotzdem interessant.

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    • avatar armchairadmiral sagt:

      Schön! Wie beim Zahnarzt – Dr. Lochbrunner!

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  3. avatar Friedrich sagt:

    Komisches Interview. Carsten hat einen kritischen Unterton, Andy verteidigt sich höchst konziliant aber fest. Jetzt erklär aber doch mal einer, was denn da schief läuft? Kann es sein, dass zu viel Kohle in der “Professionalisierung” und damit bei STG hängen bleibt und zu wenig Mittel für die eigentlichen Spitznsportler übrig bleiben? Was ist denn konkret nicht ok derzeit? Bzw. warum will der DSV wieder mehr Einfluss? Will er selbst an die Fleischtöpfe oder meint er, die STG-Leitung arbeitet nicht gut? Kann mich mal jemand beleuchten?

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  4. avatar armchairadmiral sagt:

    Die MACHT ist es.
    Geld darf es – offiziell – als DSV Ehrenamtlicher ja nicht sein.
    Der Mann ist es gewohnt zu kriegen was er will und macht so weiter.
    Über die Schiksale der Aktiven nachzudenken ist sicher zu anstrengend…

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  5. avatar Thomas König sagt:

    Ich glaube, dass es nicht entscheidend ist, ob der Segel-Spitzensport von STG oder vom DSV gefördert wird, sondern dass sich kompetente und teamfähige Leute mit einer gemeinsamen Vision um das Thema kümmern.

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  6. avatar Sven 14Footer sagt:

    Es besteht in Rio die Gefahr, dass die Deutschen Segler gleich mehrere Medaillen gewinnen könnten. Toni Wilhelm, Erik und Thomas im 49er, Philipp Buhl oder eines der 49er FX Teams könnten eine gewinnen. Die magere Ausbeute lag an mehreren Stellen eher an Pleiten, Pech und Pannen als an schlechter Vorbereitung oder fehlendem seglerischem Niveau.
    Dann würde sich doch der STG neben den Seglern im Medaillenglanz sonnen und der DSV würde in der 3. Reihe stehen. Das gilt es zu verhindern! Und dies scheint dem DSV doch gerade gut zu gelingen.
    Ich wünsche jedem einzelnen Segler der Nationalmannschaft viel Erfolg und eine gute und konzentrierte Vorbereitung auf die nächsten Wettkämpfe und Rio.

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