Star Sailors League Hamburg: 22.000 Euro für die Sieger – fiese Alster-Kippe

"Rechnung offen"

Was für ein Hammer-Wochenende in Hamburg, was für ein Glück mit den Bedingungen für das wohl hocklassigste Feld, das jemals seinen Weg an die Alster gefunden hat. Eine Unbilde der Natur brachte die Vorentscheidung.

Diego Negri, der Italiener, will dieses Ding endlich gewinnen (SR Interview). So oft ist er nun schon Zweiter geworden. Aber diesmal scheint er reif für den großen Sieg. Nervenstark gewinnt er die Vorrunde des Star City Grand Slams in Hamburg verbunden mit dem direkten Sprung ins Finale der besten vier.

 Pierre-Alexis PONSOT hängt sich voll rein für den Siegerscheck. © SSL/Marc Rouiller

Pierre-Alexis PONSOT hängt sich voll rein für den Siegerscheck. © SSL/Marc Rouiller

Sekunden vor dem Start erfolgt der Angriff des Franzosen Rohart auf die Polen in Lee. Mit einer Überlappung sichert er sich das Pin End. Kusznierewicz versucht erst gar nicht, sich in der Luvposition zu halten. Er wendet weg und sucht eine Lücke am Startschiff.

Dort ist aber schon Negri positioniert. Er blockt die Polen weg und trifft perfekt den besten Start. Denn kurz nach dem Schuss kontrolliert er nach einem leichten Rechtsdreher das Feld.

Böe knallt von Lee in die Fock

Dann die entscheidende Szene des Rennens. Aus dem Nichts knallt den Italienern von Lee eine Böe in die Fock (Szene im Video oben ab 4:59:10). Eigentlich müssten sie sofort wenden. Es sieht auch so aus, als wenn das passen würde. Oder glaubt Negri, dass Kusznierewicz in Luv seine Vorfahrt ausüben könnte. Aber der hätte keine Chance, ihn zu erwischen.

Extreme Links-Kippe am Start für Mateusz KUZNIEREWICZ und Dominik ZYCKI .© SSL/Marc Rouiller

Extreme Links-Kippe am Start für Mateusz KUZNIEREWICZ und Dominik ZYCKI .© SSL/Marc Rouiller

Es ist jedenfalls ein großer Fehler. Die Italiener reagieren zu spät, stehen einen Sekundenbruchteil zu lange im Wind und werden überlaufen, weil die Gegner sofort wenden. Von diesem Schock erholt sich Negri nicht mehr. Alle folgenden Angriffe laufen ins Leere. Kurz sind sie mal wieder auf Platz drei. Aber dann heißt es endgültig Game over.

Dafür legt jetzt Rohart richtig los. Schon zu Beginn der zweiten Kreuz übernimmt er die Führung und gibt sie besonders Dank einer agressiven und effektiven Vorwind-Pump-Technik nicht mehr ab. Dass der Doppelweltmeister im Star (2003-05) und Olympia-Bronze-Gewinner (04) nun mit dem Messer zwischen den Zähnen segelt, zeigt er schon im Halbfinale, als er Torben Grael mit einem Luvmanöver einen Penalty verpasst, der ihn aus dem Wettbewerb befördert.

22.000 Euro für die Sieger

Die Franzosen behalten den Olympia-Vierten von London Eivind Melleby aus Norwegen mit seinem von den Organisatoren vermittelten US-Vorschoter Revkin im Griff und lassen nichts mehr anbrennen. Xavier Rohart, der Mitgründer der Star Sailing League, gewinnt mit seinem Vorschoter Alexis Ponsot gut 22.000 Euro.

Die Sieger aus Frankreich Xavier ROHART/Pierre-Alexis PONSOT © SSL/Marc Rouiller

Die Sieger aus Frankreich Xavier ROHART/Pierre-Alexis PONSOT © SSL/Marc Rouiller

Im Vorfeld war viel diskutiert worden, ob auf einem Revier wie der Alster Weltklasse-Regatten wie dieser City Grand Slam realisiert werden können. Tatsächlich waren einige Rennen in der Vorrunde sehr grenzwertig, als der Wind schon mal vollkommen ausblieb, und dann mit seinem neuen Einsetzen das Feld durcheinander wirbelte.

Aber die Finalregatten standen unter einem sehr guten Stern. Einige starke Dreher prägten die Rennen, aber sie waren von den Besten der Besten zu antizipieren. So gab es bei den Ergebnissen auch keine großen Überraschungen.

Starke Amateure

Amateure wie Jan Seekamp und Björn Schütte (SR Interview) schlugen sich zwar hervorragend als 13. , obwohl sie erstmals zusammen auf einem Starboot segelten. Aber sie haben eben auch schon in der Bundesliga bewiesen, dass sie bei drehenden Winden auf höchstem Niveau segeln.

Für Torben GRAEL und Stefano LILLIA ist im Halbfinale nach einem Penalty Schluss. © SSL/Marc Rouiller

Für Torben GRAEL und Stefano LILLIA ist im Halbfinale nach einem Penalty Schluss. © SSL/Marc Rouiller

Der achte Platz von Michael Koch und Carsten Witt mag auf den ersten Blick als Überraschung gelten. Aber Koch hat sechs Jahre auf Weltniveau im Olympia-Circuit mitgemischt, auch wenn das schon zehn Jahre her ist. Er segelte viel mit Carsten Witt, der  auch lange an Bord von ex Weltmeister Alexander Hagen war.

Michael KOCH und Olympionike Carsten Witt segeln gut zehn Jahre nach ihrer aktiven Starboot-Zeit wieder ganz vorne mit. © SSL/Marc Rouiller

Michael KOCH und Carsten Witt segeln gut zehn Jahre nach ihrer aktiven Starboot-Zeit wieder ganz vorne mit. © SSL/Marc Rouiller

Rohart merkte man bei der Siegerehrung an, dass der vielbeachtete Sieg für ihn etwas Besonderes ist. Er sagte danach: “Gemeinsam mit Pierre-Alexis (Ponsot) zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes für mich. Wir haben vier Jahre lang für die Olympischen Spiele in London zusammen trainiert und obwohl wir einige passable Ergebnisse einfahren konnten, haben sich das richtige Gefühl und der große Erfolg nicht eingestellt. Wir hatten da noch eine Rechnung offen. Mit dem neuen Format der Star Sailors League haben wir jetzt die Möglichkeit, etwas Neues aufzubauen und damit erfolgreich zu sein. Es ist wunderbar, das wieder zusammen tun zu können.“

Geld macht den Unterschied

Eivind Melleby aus Norwegen und Josh Revkin aus den USA konnten rund 13.000 Euro Preisgeld einstreichen und für Mateusz Kusznierewicz und Dominik Zycki waren es immer noch gut  9.000, während Negri und Lambertengh 7.000 einstrichen.

Das Geld macht den Unterschied. Wenn regelmäßig über einen langen Zeitraum das Preisgeld-Niveau gehalten werden kann, hat diese Starboot-Liga wohl tatsächlich eine Chance, sich zu etablieren. Der Sport auf der Alster war jedenfalls bestens zu verkaufen. Und die Starboote eignen sich für die drehenden Winde sicher besser als die Katamarane beim America’s Cup, da die schmalen Kielboote bei den Wenden nicht so viele Meter verlieren.

Vielleicht kann die Star Sailors League wirklich den Niedergang einer verdienten Klasse nach dem Olympia-Aus aufhalten. Einige gute Segler dürften den City Grand Slam verfolgt haben. Und wenn sich die Liga weiter so entwickelt, besteht eine Chance, dass sich auch neue junge Segler mit dem alten Kielboot auseinandersetzen.

Eventseite City Grand Slam

Ergebnisse City Grand Slam

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Star Sailors League Hamburg: 22.000 Euro für die Sieger – fiese Alster-Kippe“

  1. avatar Thomas Bunte sagt:

    Ich weiß ja nicht – aber soweit ich mich erinnere war Alex Hagen in Athen mit Jochen Wolfram (sowohl Quali als vor Ort).

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      oh ja, mist. die haben kurz vorher alle mal untereinander die schotten getauscht. sry. edit

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