Star Sailors League: Philipp Buhl mit starker Premiere – Hochsee-Helden ohne Chance

"Wiederentdeckung verloren geglaubter Muskeln"

 

Starker Auftakt der deutschen Segler beim Finale der Star Sailors League:
Robert Scheidt führt, Kleen mit Olympiasieger Goodison Vierter, Buhl/Koy Siebte

Die ersten fünf Teams trennen nach dem ersten Tag beim Finale der Star Sailors League vor Nassau auf den Bahamas nur drei Punkte! So spannend hat die international führende “Regatta der Champions” am Dienstag mit den ersten beiden Rennen begonnen. Die Wettfahrten wurden in der Montagu Bucht ausgetragen, dem Bilderbuchrevier unweit der Stege des Nassau Yacht Club, der in dieser Woche Gastgeber der 25 herausragenden Starboot-Mannschaften im Finale der Star Sailors League ist. 

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Robert Scheidt hat die Führung übernommen. © SSL

Mit Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt und seinem Vorschoter Henry Boening setzte sich gleich zu Beginn ein Favoriten-Duo an die Spitze des Feldes. Dahinter lauert mit Mateusz Kusznierewicz ein weiterer Olympiasieger an der Seite seines Vorschoters Dominik Zycki. Platz drei in der imposanten Flotte der Stars aus dem America’s Cup, dem Volvo Ocean Race und von den Olympischen Spielen haben sich zunächst die Amerikaner Mark Mendelblatt und Brian Fatih erkämpft.

Das Finale der Star Sailors League hat auch für die deutschen Segler gut begonnen. Nach den ersten beiden Durchgängen liegt der Berliner Starboot-Weltmeister Frithjof Kleen mit dem britischen Olympiasieger und zweimaligen Motten-Weltmeister Paul Goodison auf Platz vier.

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Buhl passiert hinter Olympiasieger Freddy Lööf. © SSL

Auch Laser-Vize-Weltmeister Philipp Buhl (Sonthofen) stieg mit Vorschoter Markus Koy (Hamburg) als Siebter (6/11) stark in seine erste Starboot-Regatta ein. Dabei konnte das einzige rein deutsche Team mit Neueinsteiger Buhl Starboot-Olympiasieger wie Freddy Lööf mit Bruno Prada (12.) oder Torben Grael mit Guilherme de Almeida (23.) gleich beim ersten Auftritt in der mit Segelprominenz aus aller Welt gespickten Flotte deutlich abhängen. “An der Kreuz ist bei uns noch deutlich Luft nach oben. Aber vor dem Wind waren wir sehr schnell. Das hat schon Spaß gemacht”, sagte Philipp Buhl bei seiner gelungenen Starboot-Premiere im erlesenen Feld mit insgesamt sieben Olympiasiegern.

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Philipp Buhl und Markus Koy gelang ein starker erster Tag bei den SSL Finals. © SSL

Im verführerisch in allen Blau- und Türkistönen schillernden Traumrevier der Bahamas herrschten zum Auftakt ideale Segelbedingungen mit Winden zwischen 12 und 15 Knoten, in denen das Pumpen ausdrücklich freigegeben war. Auf der ersten Kreuz sah es zunächst für die Boote auf der linken Seite gut aus, darunter die US-Routiniers Paul Cayard/Phil Trinter und Mark Mendelblatt/Brian Fatih, aber auch eingeladene VIP-Teams wie Paul Goodison, der bei seiner Starboot-Regattapremiere von der großen Erfahrung seines Berliner Vorschoters Frithjof Kleen profitiert.

An der ersten Wendemarke  glänzten die Titelverteidiger Mendelblatt/Fatih mit fünf Bootslängen Vorsprung als Erste. Als Zweite rundeten Goodison/Kleen die Marke, die sich damit vor Cayard/Trinter geschoben hatten. Auf den Vorwind-Kursen zahlte sich schließlich auch die Erfahrung aus. Während Mendelblatt/Fatih ihre Führung bis ins Ziel verteidigten, mussten sich Goodison/Kleen noch Scheidt/Boening geschlagen geben. Der fünfmalige olympische Medaillengewinner Robert Scheidt sagte am Abend: “Ich kenne ‘Goodie’ noch aus der Laser-Zeit. Ich glaube, dass er ein gutes Set-Up hat, einen guten Vorschoter und ein gutes Boot.” Weiter urteilte Scheidt, dass die Flotte mit Blick auf die zusätzlich eingeladenen VIP-Crews die bislang stärkste bei einem SSL-Finale sei.

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Paul Goodison mit Frithjof Kleen an der Vorschot sind die besten Newcomer im Feld. © SSL

Medelblatt/Fatih beeindruckten an diesem ersten von insgesamt fünf Regattatagen vor allem mit ihrer Bootsgeschwindigkeit. “Das war heute vor dem Wind ziemlich gut – besser als in den vergangenen Jahren”, urteilte auch Mendelblatt selbst, “es war ja heute unbegrenztes Rocken und Pumpen gefordert. Manche ziehen das härter durch, andere weicher. Wir zählen eher zu den Letzteren. Einige der Finn-Segler können da wirklich viel in die Waagschale werfen.”

Auch im zweiten Rennen des Tages ging es über links. Paul Goodison und Frithjof Kleen lieferten erneut eine überragende Vorstellung, ersegelten nach Rang 3 im ersten Durchgang nun Rang 4. An der Top-Marke konnten sie sich zwischen den Franzosen Xavier Rohart und seinen London-2012-Vorschoter Pierre-Alexis Ponsot sowie den polnischen Finn-Olympiasieger Mateusz Kusznierewicz und Dominik Zycki schieben.

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Buhl/Kleen segelten vor dem Wind extrem stark. © SSL

Während die Franzosen das Rennen weiterhin dominierten und ihren ersten Tagessieg holten, mussten Mendelblatt/Fatih, aber auch der amtierende norwegische Weltmeister Eivind Melleby, vor Nassau mit Joshua Revkin aus Amerika im Einsatz, beim Passieren des Lee-Gates Federn lassen und sich mit zeitintensiven Strafkringeln bereinigen. Schließlich reichte es für die Polen Kusznierewicz/Zycki zu Rang drei hinter Scheidt/Boening. Damit übernahmen die Brasilianer die Führung, doch die Teams liegen in den Top Fünf eng beeinander.

“Das war ein Match”, berichtete Pierre-Alexis Ponsot über die packenden Positionskämpfe, “wir haben richtig entschieden, uns aus dem Gewühl an der Top-Marke herauszuhalten. Danach ging es darum, sich für das Rocken und Pumpen gut zur Welle zu positionieren. An der Kreuz war das hart, weil die Welle so klein und steil war. Wir mussten sehr intensiv hängen.”

Mit dem breitesten Grinsen kam an diesem ersten Tag Paul Goodison vom Wasser. “Die segeln alle seit vielen Jahren Starboot und ich gerade einmal zehn Tage”, berichtete er vom gelungenen Einstand und von der Wiederentdeckung lange verloren geglaubter Muskelgruppen während der ersten beiden Star-Rennen seiner Karriere.

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Ausreiten ist nicht Franck Cammas Sache. Er liegt auf dem letzen Platz hinter Loick Peyron. © SSL

Weiter sagte Goodison: “Es ist fast ein bisschen wie in alten Laser-Zeiten, wenn du ein bisschen aus der Übung und zum Jahresauftakt noch nicht ganz fit warst. Es ist unglaublich, da draußen gegen alle diese Jungs anzutreten. Ich habe mir vor Beginn der Regatta schon ein bisschen Sorgen gemacht, dass wir womöglich weit hinterherfahren könnten. Ich habe Glück, dass unser Boot ‘Frida” (Red.: gemein ist Frithjof Kleen) gehört. Und der hat ein gutes Gefühl für die Zahlen. Ich kümmere mich ein bisschen um die gefühlten Sachen und er sich ums allgemeine Set-Up. Vor dem Wind ist es sehr wie beim Lasersegeln: einfach das Rocken und das Steuern. Nur bin ich nicht so stark wie einige der großen Jungs und kann nicht so hart pumpen.” Für Mittwoch sind vier Wettfahrten angesetzt.

Aller fünf Regattatage vom 5. bis 9. Dezember werden live mit Experten-Kommentaren prominenter Studio-Gäste übertragen jeweils ab 18:30. Unter ihnen sind “Mr. America’s Cup” Dennis Conner und der britische Silbermedaillen-Gewinner Luke Patience. Auf dem Wasser sorgt die innovative Hightech-Kameratechnik, im Studio und auf den Bildschirmen die Virtual-Eye-3D-Grafiken für Hochspannung und Überblick.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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