THE TRANSAT macht ihrem Ruf alle Ehre – auch Loick Peyron muss aufgeben

„Hätte Tabarly auch gemacht!“

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“Besser umkehren und vor dem Wind das Schiff aus der Belastungszone nehmen!” © lloyd

Es sollte eine Reminiszenz an Eric Tabarly werden, doch die betagte Dame Pen Duick II hielt nicht durch. Alle Teilnehmer sind zermürbt vom tage- und wochenlangen Am-Wind-Segeln.

Eigentlich ist diese TRANSAT eine Bolzerei mit Ansage. Schon lange vor dem Start “warben” die Organisatoren der legendären Einhand-Transatlantik-Regatta mit „sehr wahrscheinlichen“ und „lang anhaltenden“ Am-Wind-Kursen. Dass es nun aber im buchstäblichen Sinne knüppeldick kam, überraschte selbst die Renndirektoren. Denn die langfristigen Wettervorhersagen hatten eigentlich für den Zeitraum, in dem die TRANSAT derzeit stattfindet, eine einstweilige Wetterberuhigung für den Nordatlantik vorhergesagt.

Jean-Pierre Dick vor der Freiheitsstatue. "Es war so richtig hart!" © lloyd

Jean-Pierre Dick vor der Freiheitsstatue. “Es war so richtig hart!” © lloyd

Doch es kam, wie es kommen musste. Knackige Tiefs mit Windstärken bis zu 50 Knoten und im Mittel über mehrere Tage hinweg über 35 Knoten, machten den meisten Solo-SeglerInnen schwer zu schaffen. Lediglich die riesigen Ultime-Trimarane konnten aufgrund ihrer enormen Geschwindigkeiten mit einem südlichen Schlenker ausweichen – alle anderen Segler erwischte das Schlechtwetter in flagranti.

“Es war so hart!”

So schieden die Deutsch-Französin Isabelle Joschke und Richard Tolkien bereits aufgrund von Schäden an ihren Class-40 aus, die auf tagelanges Gegenanbolzen bei starkem Wind und chaotischem Seegang zurückzuführen sind. Das Gleiche gilt für die Segelhavarie von Anna Maria Renken.

Auch die bereits im Ziel eingetroffenen Multi-50-Segler und IMOCA-Helden (die sich ja auf die Vendée Globe vorbereiten und die TRANSAT als eine Art Testregatta für die Einhand-Weltumseglung nutzten) klagten bei Ankunft im Big Apple: „Es war hart, so richtig hart“ (Jean-Pierre Dick auf Virbac nach einer Fast-Kenterung), „Diese Knüppelei ging mir zuletzt richtig an die Nerven“ (Armel Le Cleac’h auf IMOCA Banque Populaire) oder „nass, alles ist nass, dieses ewige in die Welle krachen, dieser Lärm… mir reicht es!“ (Phil Sharp von Bord, derzeit auf Rang 2 bei den Class 40).

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Phil Sharp kurz vor oder nach der Erschöpfung © sharp

Umdrehen und vor dem Wind zurück

Und ähnlich erging es auch Loick Peyron. Der dreifache TRANSAT-Sieger wollte dieses Jahr an Bord der “Pen Duick II”, mit der Eric Tabarly die zweite Ausgabe der TRANSAT 1964 gewonnen hatte, eine Art Verbeugung vor seinem großen Idol zelebrieren.

Auf dem hervorragend restaurierten und gepflegten Klassiker wollte der französische Segelheld unter den gleichen Bedingungen wie damals, also nur mit Sextant zur Standortbestimmung, von Plymouth nach New York segeln. Dass es dabei auch zu einer kleinen „Regatta innerhalb der Regatta“ kommen würde, war klar. Peyron segelte „nur so zum Spaß“ und „ohne jeglichen Hintergedanken“ (wie er sich kurz vor dem Start noch ausdrückte) virtuell gegen die Zeit von Tabarly.

Zuletzt lag Peyron deutlich vor Tabarly, als ihm „der Decksbeschlag um die Ohren flog“ wie er von Bord schrieb. „Kutterstag, Vorstag und Fock konnte ich zwar retten, sie sind aber für Am-Wind-Kurse nicht mehr belastbar“ schreibt Peyron weiter.

Womit dem Segelhelden, der zum Zeitpunkt der Havarie ungefähr die Hälfte der Wegstrecke nach New York zurück gelegt hatte, nicht anderes übrig blieb, als umzukehren. Um mit raumen Winden wieder gen Quiberon in der Bretagne zurück zu segeln. „Hätte Tabarly auch so gemacht,“ meinte Peyron trocken.

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“Hätte Tabarly auch so gemacht!” meinte Peyron über Funk zur Regattaleitung © lloyd

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „THE TRANSAT macht ihrem Ruf alle Ehre – auch Loick Peyron muss aufgeben“

  1. avatar breizh sagt:

    Wirklich sehr schade. Man was wären das für Bilder geworden vor der Freiheitsstatue und dem Big Apple.
    Ich bin gespannt, was er so berichtet, wenn er wieder an Land ist.

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