Transat Jacques Vabre: 80 Fuß Trimaran “Prince de Bretagne” verliert Rigg kurz vor dem Ziel

Alternder Tri in Nöten

Bernhard Stamm hat seinem Image als Bruchpilot mal wieder alle Ehre gemacht. Der Schweizer, der unter anderem mit seiner Pannenserie bei der Vendée Globe 2012/2013 Schlagzeilen machte und Weihnachten 2013 dann auf dramatische Weise seine Yacht verlor, hat beim Transat Jacques Vabre auf dem Maxi80 Trimaran “Prince de Bretagne” nur 93 Meilen vor dem Ziel den Mast verloren.

Prince de Bretagne

Der Trimaran “Prince de Bretagne” hat bei der TJV wenige Meilen vor dem Ziel einen Mastbruch erlitten. © Prince de Bretagne

Stamm war von Lionel Lemonchois geheuert worden, um die 4,350 Meilen lange Strecke von Le Havre nach Salvador de Bahias in Höchstgeschwindigkeit zu absolvieren, und die beiden wären das dritte Schiff im Ziel gewesen. Aber nun trieben sie manövrierunfähig auf die brasilianische Küste zu. In 18 Meilen Entfernung ist das Backstag gerissen und der Mast über Bord gegangen.

Der Wind wehte nur mit 15 Knoten und die See war relativ ruhig. Deshalb fiel der Mast langsam nach Lee und verursachte kaum Schäden an Bord. Das Profil konnte in einem Stück von der zweiköpfigen Crew schnell gesichert werden konnten.

Prince de Bretagne

Der Trimaran “Prince de Bretagne” im Schlepp. © Marinha do Brasil

Stamm und Lemonchois versuchten daraufhin, die Driftgeschwindigkeit in Richtung Legerwall-Küste zu bremsen, indem sie einen Gennaker zum Treibanker machten. Der Ostwind brachte sie aber immer noch auf einen Knoten Speed. Sie warteten darauf, dass die 46 Meter lange “Guaratuba” der brasilianischen Marine rechtzeitig eintrifft und eine Schleppverbindung herstellte, und das gelang schließlich auch. Aus eigener Kraft ging nichts mehr. Denn vor wenigen Tagen ist der Generator an Bord ausgefallen. Es gibt keine Energie mehr für den Einsatz der Maschine.

Chancenlos hinterher

Bis dahin segelten die beiden Einhand-Veteranen mit ihrem 80-Fußer den 100-Fußern “Sodebo” und “Rothschild” 1200 Meilen hinterher. Der 2012 gebaute Multihull ist gegen die aktuelle Generation der riesigen Semi-Foiler längst chancenlos, wird von seinem Sponsor aber immer noch in Szene gesetzt. Dabei ging er schon im Januar 2014 kopfüber, als Lemonchois bei einem Einhand-Rekordversuch das Limit überschritt.

Bernard Stamm

Bernard Stamm und Lionel Lemonchois auf ihrem 80 Fußer. © Prince de Bretagne

Ob der alternde Tri noch einmal flott gemacht wird? Der Bruch eines Backstages ist kein gutes Zeichen für den Wartungszustand eines Bootes, das Langstrecken in Höchstgeschwindigkeit absolvieren und eigentlich auch Rekorde einfahren soll. Bei der Transat Jacques Vabre gab es schon nach zwei Tagen Probleme, als das Großfall brach, der Schaden nach einem Ausflug in den Mast aber behoben werden konnte.

Der Skipper bemühte sich schon kurz nach dem Bau zu betonen, dass er keinen Komplex gegenüber der 100-Fuß-Konkurrenz habe, weil sein Schiff kleiner sei. Auf dem Papier seien die Großen zwar schneller, aber bei kompliziertem Wetter habe er durchaus eine Chance. Beweisen konnte er das bisher nicht.

Bernard Stamm kennt die Situation. Seit seinem Schiffbruch 2013 war sein 60-Fußer verloren, und er hat kein eigenes großes Projekt mehr starten können. Allerdings hat ihm Sponsor Cheminées Poujoulat einen Diam 24 Dreimann-Trimaran finanziert, mit dem er unter anderem die Tour de France bestreitet. Die teilweise sehr kurzen Rennen sind nicht gerade sein Steckenpferd, aber er schaffte es 2017 immerhin als 9. unter die Top Ten von 29 Teams.

Nebenbei gehörte er 2017 auch noch zum Team von Francis Joyon, dass den Jules Verne Fabelrekord von 40 Tagen und 23 Stunden um die Welt aufstellte.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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