Transat Jacques Vabre: Start bei sechs Beaufort und drei Meter Welle

Der Atlantik ruft!

Transat Jacques Vabre,

Sauberer Start – Hunderte Fan- und Begleitboote müssen außen vor bleiben © tjv

Endlich frei – der Startschuss zur Transatlantik-Regatta im Duo bedeutet auch das Ende strapaziöser Tage eingepfercht im Hafen. Jedes bisschen Freiheit will schließlich verdient sein! 

Die letzten Stunden vor dem Start waren in jeder Hinsicht nervenaufreibend. Nach des (Vor)-Tages Mühen wurde gestern Abend noch schnell das eine oder andere Feierabendgetränk zu sich genommen, wobei schon die ersten Gerüchte von der Verhaftung des Oman Sail Co-Skippers wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffs die Runde machten (siehe SR-Meldung).

Das eine oder andere Stündchen später, auf dem Heimweg entlang der Stege, musste der Autor dieser Zeilen nochmals rasch die Anzahl Hopfenkaltschalen im Geiste überprüfen, weil da gerade jemand auf ihn zukam, der ihm irgendwie bekannt vorkam. Ziemlich bekannt sogar… und tatsächlich: der französische Staatspräsident Emmanuel Macron schlendert locker an den Class 40 vorbei, lässt sich die Boote erklären, redet entspannt mit einigen Skippern und zeigt sich höchst interessiert. Ein kleiner „privater“ Ausflug mit nur wenigen (erkennbaren) Bodyguards um ihn herum, der schnell zu einem Bad in der Menge ausartet. Segeln habe ihn schon immer interessiert, sagt er jovial. Wenn das mal nicht richtig viele Stimmen bei der nächsten Wahl bringt! 

Transat Jacques Vabre,

Boris Herrmann am Steuer seiner “Malizia II”. kurz nach dem Start © miku

Am nächsten Morgen dann die feierliche, trotz teils strömenden Regens von Tausenden bejubelte Hafen-Ausfahrt der Gladiatoren durch die Schleuse hinaus in die ziemlich bewegte See vor Le Havre. Eine eher stürmische Nacht hat die Wogen dann im wortwörtlichen Sinne steigen lassen – vier bis sechs Beaufort Windstärke und eine bis zu drei Meter hohe Welle sorgten bei manchen für Stirnrunzeln und besorgte Blicke. Nicht wegen der Windstärke als solcher, sondern wegen dem zu erwartenden Vor-Start-Chaos aus unzähligen Booten und Schiffen, das bei Wind und Welle noch weniger beherrschbar ist. 

Allein 14 Motorboote für Pressefotografen und Videofilmer liefen aus, mehrere Ausflugsdampfer für die Journaille und VIPs plus Dutzende Organisations-Boote, Lebensretter und Schiedsrichter, ganz zu schweigen von den unzähligen Booten mit Schaulustigen, die trotz Würfelhusten-Wetter unbedingt so nah wie möglich dabei sein wollten. 

Punkt 13:35 Uhr dann ein sehr gelungener Start für diese Bedingungen. Keine Crashs, keine Rückrufe, sondern cooles, diszipliniertes „Nichts-wie-weg-hier“ -Segeln: Anlieger entlang der Küste, dann erste Wende am Kap Hève…

Thomas Coville gelang in Luv ein Nullstart und „Sodebo“ zieht wie auf Schienen davon. Gitana war erwartungsgemäß verhaltener unterwegs, dafür aber schon nach zwei Stunden Segelzeit bei knapp 22 Knoten Speed an der Spitze dieser Transat Jacques Vabre auszumachen. 

Transat Jacques Vabre,

Bewegte See und Gegenlicht… © miku

Auch Boris Herrmann und Thomas Ruyant überzeugten durch einen besonnenen Start, der sie gleich nach ganz vorne bei den IMOCA brachte. 

Hatten während der Startphase alle Boote ein und sogar zwei Reffs im Groß, schüttelten die meisten schon eine halbe Stunde nach dem Schuss dieselben wieder aus. 

Heute Nacht erwarten die Teilnehmer 18 bis 25 Knoten Windstärke, eine kabbelige, sehr bewegte See, reichlich Schiffsverkehr und viele Fischerboote. 

Der Ärmelkanal, die Biskaya… der Atlantik rufen!

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Michael Kunst

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