Transgascogne Mini 6.50: Plattbug-Mini “TeamWork Evolution” düpiert die Konkurrenz

Schnelles, hässliches Entlein

Der Plattbug-Mini "TeamWork Evolution" zeigt raumschots seine Schokoladenseite. © Loris von Siebenthal/My Image

„Er wird sicher einige Regatten gewinnen“, hatte Jörg Riechers bei seiner Beurteilung des radikalen David Raison Designs „Magnum“ für SR gesagt. Nun ist es passiert. Das vielleicht hässlichste Regattaboot schob beim Transgascogne Rennen den platten Bug seines Mini 6.50 Prototyps zuerst über die Ziellinie.

Raison lag nach der ersten Etappe vom französischen Talmont Saint-Hilaire zum spanischen Ribadeo nach einem schnurgeraden Raumschotskurs zwei Stunden vor der Konkurrenz. Auf der Rücketappe belegte er Platz zwei mit eineinhalb Stunden Rückstand aber in der Addition beider Abschnitte lag er überlegen mit dem gleichen Vorsprung vorne.

Schrecklich. Sehen so die Langstrecken-Rennyachten von morgen aus? © Transgascogne

Sehen nun bald alle zukünftigen Langstrecken-Rennyachten wie der Mini aus? Keine schöne Vorstellung.

Vorjahressieger Jörg Riechers konnte sich noch nicht mit dem schnellen, hässlichen Entlein in der aktuellen Form messen. Er musste kurz nach dem Start der Regatta wegen technischer Probleme aufgeben.

Raison benötigte viereinhalb Tage für die beiden Etappen mit insgesamt 653 Meilen. Er segelte dabei mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von gut sechs Knoten. „Mein Schiff ist nicht für leichten Wind konstruiert. Aber wie es aussieht, komme ich dabei nicht so schlecht zurecht, wie befürchtet“, sagt der Skipper.

Damit hat sich der Franzose in die Favoritenrolle für das diesjährige Mini Transat gebracht, dem alle zwei Jahre ausgesegelten Höhepunkt der Mini-Klasse. Start ist am 25. September in La Rochelle.

David Raison hat seinen Extrem-Mini rechtzeitig vor dem Mini Transat zum Rennen gebracht. © Bruno Bouvry

“Ich hoffe, dass dieser Sieg nicht zu viel Druck für das Transat erzeugt“, sagt Raison, der durch die Zusammenarbeit mit dem Sponsor TeamWork deutlich an Fahrt gewonnen hat. „Ich habe mein letztes Mini-Transat 1993 mit einer Serien-Konstruktion gesegelt und war einer der Favoriten. Aber das funktionierte nicht so gut. Dieses Mal sollte es besser klappen.“

Eventseite

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

5 Kommentare zu „Transgascogne Mini 6.50: Plattbug-Mini “TeamWork Evolution” düpiert die Konkurrenz“

  1. avatar Christian sagt:

    gibt es eigentlich irgendwelche Erfahrungswerte, wie der Plattbug am Wind durch steilen Seegang geht? Laut der Lehrmeinung müsste sich das Boot ja hoffnungslos im Seegang feststampfen. Unabhängig von ästhetischen Fragen wäre das schon interesant zu wissen.

    Fathead-Großsegel oder Wavepiercer-Bug hat man anfangs auch hässlich gefunden im Vergleich zu klassischen Konfigurationen, aber heute geht es zumindest mir anders herum.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

    • avatar Wilfried sagt:

      Wahrscheinlich ist das Problem gar nicht so groß, weil es auf dem Ozean wenig von dieser kurzen steilen Welle gibt, die uns Küstenhopsern auf dem Kontinentalschelf das Leben so schwierig macht. Ich glaube ein wesentlicher Effekt des Plattbugs ist, dass das Boot auch am Wind auf eine Wasserlinie kippt die nahezu parrallel zu Kiel und Ruder ist und somit nicht auf einer schrägen Wasserlinie segelt. Gleichzeitig befindet sich der Kiel dann in Luv der Schwimmwasserlinie.
      Ich glaube allerdings nicht, das dieses Konzept auch für größere Ocean-racer funktioniert. Zum einen ist die Bootsgeschwindiglänge und -geschwindigkeit im Verhältnis zur Welle wesentlich größer, so dass das Boot im Verhältnis zum Mini mehr durch die Welle als über sie segelt und somit die Nachteile des Plattbugs mehr zum tragen kommen. Zum anderen ist das Längen-Breiten-Verhältnis auch nicht so extrem.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  2. avatar Matthias sagt:

    “Das vielleicht hässlichste Regattaboot…”

    Ich find es zur Zeit das interessanteste Regatteboot, und damit auch das schönste. Es ist eben Ansichtssache. Ich bin aber begeistert, dass immer wieder neue Ideen und Entwicklungen gibt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. avatar Torsten sagt:

    Ich finde das Boot auch nicht hässlich – hat doch fast das Format von einem Opti. Und mit Wellen kommt der auch zurecht, ohne stehenzubleiben.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

    • avatar offcourse sagt:

      ein weiteres problem ist ja auch, dass das entlein eigentlich ein schwan war und deshalb für die enten so hässlich.
      vor allem, als es noch jungschwan war.
      allerdings glaube ich eigentlich nicht, dass die enten den ehemaligen jungschwan im erwachsenenenalter schön gefunden haben (wie’s im buche steht), weil er immernoch eben einfach keine ente ist.
      wieso sollten sich enten für einen schwan begeistern?

      schwäne allerdings können das:
      http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,756271,00.html

      handbreit
      offcouse

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *