Ultim Trimarane: Gekenterte “Banque Popuaire” zurück in Lorient – Gitana-Team startet wieder

Zerlegt, überprüft, optimiert

Armel Le Cleac’hs Maxi-Trimaran “Banque Populaire” ist nach der Kenterung schwer beschädigt gerade erst in Lorient angekommen, da öffnet Gitana genüsslich die Werktore für den frisch überholten Konkurrenten.

Der Umfaller vor Marokko war ein schwerer Rückschlag für den neuen 32 Meter-Tri “Banque Populaire” und die Vorbereitungen auf den Saison-Höhepunkt Route du Rhum. Zwar konnte das Schiff erstaunlich schnell geborgen und auf einen Frachter gehievt werden, der ihn nach Lorient in Frankreich brachte, aber der Zeitverlust ist äußerst kritisch im Hinblick auf den Speed, den diese Extrem-Racer schließlich im Wettkampf erreichen.

"Banque Populaire"

“Banque Populaire” hängt zumindest schon mal wieder richtig im Kran. © BP

Es geht gerade im Einhand-Modus schließlich weniger um den maximal möglichen Speed als um die Verlässlichkeit. So früh nach dem ersten Stapellauf müssen gerade die erstmals mit Tragflächen ausgerüsteten Ultim-Multis zeigen, dass sie bei Extrembedingungen überhaupt beherrschbar sind.

Das hat nicht zuletzt das die Transat Jacques Vabre 2017 gezeigt, als der niegelnagelneue Rothschild-Trimaran gegen die erprobte Sodebo verlor. Angeknackste Tragflächen stoppten Sébastien Josse wie auch ein Wassereintrag von gut 300 Litern.

Foil abgebrochen

So dürfte das Gitana Team die Probleme des Konkurrenten mit einer gewissen Entspannung beobachtet haben, denn es ist in der Entwicklung seines Maxi-Geschosses schon deutlich weiter. Gitana näherte sich dem Thema vorsichtig, indem es erst einmal den MOD70 mit L-Tragflächen ausrüstete und die ersten längeren Flüge auf hoher See zeigte, bevor das Schiff an das Maserati-Team verkauft wurde. Der Italiener Soldini brach prompt ein Foil ab und hatte nicht das Geld, für Ersatz zu sorgen.

Gitana baute daraufhin den ersten Maxi Tri als echten Foiler und trat eben bei der Transat Jacques Vabre gegen Sodebo an. Die Probleme mit der Stabilität der Tragflächen bei der Atlantik-Regatta waren ein unerwarteter Rückschlag, und das Banque Populaire Programm schien trotz eines späteren Starts schon weiter. Aber nun scheint sich das Blatt erneut gewendet zu haben.

Foiling, Trimaran, Gitana

Die ersten Test mit unterschiedlichen Foil-Designs auf Gitana, 70-Fuß-Trimaran, angeschoben von den Geldern des Baron de Rothschild-Konzerns © gitana

Als sich die Werktore hinter “Banque Popularie” schlossen, öffneten sie sich für “Edmond de Rothschild”. Drei Monate lang wurde das Schiff überholt und entsprechend der gewonnenen Erkenntnisse optimiert. Dabei beschäftigten sich im Winter alleine fünf Ingenieure mit den Tragfläche.

Die während der Transat gebrochenen Foils wurden repariert und die Fehlersuche intensiviert. Mechanische Probleme sollen zum Bruch geführt haben. “Wir hoffen, dass die Design-Fehler nun hinter uns liegen”, heißt es vom Team. Alle wichtigen Teile seien zerlegt, überprüft, optimiert und wieder zusammengefügt worden.

Zum Training zweimal über den Atlantik

Viel Zeit verbrachten die Techniker auch mit der Hydraulik. In Zusammenarbeit mit dem Ausrüster Harken sei das Pumpen- und Kolben-System deutlich verbessert worden, mit dem insbesondere die Tragflächen bewegt werden. Generell sei es aber darum gegangen, alle Verfahren verlässlicher zu gestalten im Hinblick auf die Route du Rhum Anfang November.

Das aufholbare Ruder-System bei Gitana…© Gitana

…Die Blätter können bis zum T-Foil aus dem Wasser gezogen werden…© Gitana

Das jeweilige Luv-Blatt steckt in einem geschützten Schacht. © Gitana

Nun soll der 32-Meter-Gigant in ein paar Tagen wieder sein Training im Atlantik vor der Küste Portugals aufnehmen. 15.000 Meilen hat er schon unter den Rümpfen und Skipper Josse ist gespannt, wie sich die Verbesserungen nun auf das Verhalten des Schiffes auswirken. Vor der Route du Rhum will er zweimal über den Atlantik segeln.

Seb Josse in Aktion auf seinem 32-Meter-Giganten. © Y. Zedda/Gitana

Das Programm sei aber so offen gestaltet, dass es sich den entsprechenden Windbedingungen anpassen kann. So solle viel auf der Strecke zwischen Cadiz und San Salvador gesegelt werden, wo das Team ähnliche Bedingungen wie bei der Route du Rhum erwartet. Auf der Rückreise soll “Gitana 17” dann in New York starten, um die aggressiveren Bedingungen des Nord-Atlantiks auszutesten.

Rekordversuche sind explizit nicht geplant. “Dafür benötigt man perfekte Wetterbedingungen und eine gewisse Standby-Zeit, die wir nicht haben.” Möglicherweise fällt aber so nebenbei ein Rekord ab, wenn der Tri so schnell ist, wie geplant.  Vieles deutet darauf hin, dass Josses Projekt bei der Vorbereitung der ultimativen Einhand-um-die-Welt-Regatta Ende 2019 am weitesten ist.

Foil unter dem Mittelumpf. © Yann Riou / Gitana SA

Gitana

Vollgas raus aufs Meer. Luvschwert und Ruder werden hochgezogen. © Benoit Stichelbaut / Gitana SA

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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