Sevenstar Round Britain and Ireland Race: “Varuna” gewinnt IRC Gesamtwertung

Schwarze Magie

Die kleine türkisfarbene Krone über dem simulierten Rumpf hatte es im Race-Tracker schon das ganze Rennen über gezeigt: Die Ker 51 „Varuna“ führte ihre Klasse IRC Zero im Sevenstar Round Britain and Ireland Race an. Dass daraus quasi noch eine goldene wurde, stand erst nach sechs Tagen, drei Stunden, zehn Minuten und 32 Sekunden fest. Dann hatte Eigner und Skipper Jens Kellinghusen vom NRV Hamburg mit seiner zwölfköpfigen Crew das Hochseerennen über 1800 Seemeilen auch in der IRC-Gesamtwertung gewonnen.

„Wenn das wirklich so sein sollte, freue ich mich vor allem für meine Mannschaft, die sehr hart dafür gekämpft und gearbeitet hat“, meine Kellinghusen nach dem Zieleinlauf in Cowes auf der Isle of Wight. Zu dem Zeitpunkt war sein Team aber nur noch theoretisch zu schlagen.

Die JV52 „Haspa Hamburg“ vom Hamburgischen Verein Seefahrt (HVS) mit Katrin Hilbert hatte Montagvormittag noch knapp 300 Seemeilen vor sich, die Carol Smolawa mit der JV53 „Bank von Bremen“ der Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen (SKWB) gar noch mehr als 400. Die Hauptgegner hatte die „Varuna“ nach berechneter Zeit bereits klar distanziert.

Das war zum einen der britische Open 60 „Artemis – Team Endeavour“ von Brian Thompson, der in der ersten Rennhälfte auch über alles kaum schneller als der fas zehn Fuß kürzere Knierim-Bau nach einer Zeichnung von Jason Ker unterwegs war. „Ein großartiges Boot von einem phantastischen Designer“, lobte Kellinghusen einmal mehr das Potential, „mit einer Crew, die alles gegeben hat.“

Berechnet war die „Varuna“ fast zehn Stunden schneller als der Open 60, der dem in der ersten Hälfte IRC-gesamtführenden russischen Volvo 70 „Monster Project“ sogar auf dem Wasser noch den Rang ablief. Andrew Budgen und Fred Schwyn hatten mit dem VO70 aus dem vorigen Volvo Ocean Race anfangs von den stürmischen Vorwindbedingungen profitiert, später die Wertung in der Schwenkkiel-Klasse aber klar verloren.

„Manches Mal habe ich den roten Knopf vermisst, der das Geräusch der Hydraulikpumpe auslöst, um mehrere Tonnen Trimmgewicht nach Luv zu bewegen“, schrieb Guillermo Altadill von Bord der „Varuna“, die mit starrem Kiel ausgerüstet ist. Kellinghusen hatte den spanischen Profi für das vorige Rolex Sydney-Hobart-Rennen geholt. Seitdem gehört der Top-Navigator zur Stammcrew. „Dieser Kurs mit den vielen Bahnmarken ist schon deutlich stressiger als viele andere Regatten“, so Altadill, der von folgendem „normalen Alltag“ berichtete:

„Fünf Minuten vor dem Start brachen wir ein Steuerrad, womit die Komposit-Reparaturen und Segelschäden begannen. Ansonsten ständig Segelwechsel, um das Boot schnell und in einem Stück zu halten. Nichts Besonderes für ein Hochseerennen wie dieses“, meinte der Spanier lapidar. Durch die Ausläufer des Hurrikans Bertha herrschte die ersten 24 bis 36 Stunden auf der Nordsee im Mittel Windstärke sieben bis acht, in Böen teils mehr. Unter Deck sei es „ein bisschen unordentlich“ gewesen, „kein Wunder mit zwölf Mann auf einem 51-Füßer.“ Altadill: „Aber wir brauchten die urbändige Kraft, um gegen die Schwenkkieler gegenanstinken zu können.“

Für die „Varuna“ war es zugleich ein Premierenerfolg. „Normalerweise hätten wir an einem Transatlantikrennen von Newport in den USA teilgenommen, das sich mit diesem überschneidet“, erklärte Kellinghusen. „Deshalb ist es besonders schön, dass wir nach dem Entschluss, nach England zu fahren, auch noch erfolgreich sind.“ Für ihn sei indes die Teilnahme an sich schon das höchste Gut. Der Hamburger Unternehmer will alle Hochseeklassiker der Welt segeln. „Dafür habe ich das Schiff gebaut.“

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2 Kommentare zu „Sevenstar Round Britain and Ireland Race: “Varuna” gewinnt IRC Gesamtwertung“

  1. avatar Hurghamann sagt:

    Gratulation, ganz große Leistung der Varuna Crew.
    Capeau auch vor den beiden Banken, selbst wenn sie noch nicht ganz im Ziel sind.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 20 Daumen runter 0

  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Sehr schön! Gartulation an Varuna! Darauf darf auch Knierim stolz sein. Ein Boot, welches durch dieses Rennen ohne nennenswerte Schäden kommt, gebaut zu haben.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 0

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