Vendée Globe: 14 Tage zum Ziel, Le Cleac’h drückt auf die Tube – “SMA”-Reparatur missglückt

Wieder auf Foils

Bei der Vendée Globe hat sich Armel Le Cleac’h wieder dem Zugriff durch Alex Thomson entzogen. Nun herrschen wieder Foiling-Bedingungen. Aber die Aussichten könnten “Hugo Boss” noch eine Chance bieten.

Vendée Globe, Vorschau

“Banque Populaire” von Armel Le Cleac’h im Hardcore-Einsatz © BP

Mit einem Vorsprung von 325 Meilen hält Armel Le Cleac’h “Hugo Boss” in Schach. Er genießt den Zieharmonika-Effekt. Tage lang musste er durch die Flaute kreuzen und mit ansehen, wie das schwarze Boot immer näher kam. Aber dann war er eben durch, hatte sich gewohnt sicher durch die kritische Wetterphase manövriert, eine gute Lücke in der Schwachwindzone entdeckt und zuerst in den auffrischenden Wind gesteuert.

Die 4h-Speed-Verlauf-Kurve von Armel Le Cleac'h seit dem Start. Zurzeit erreicht er wieder über 20 Knoten.

Die 4h-Speed-Verlauf-Kurve von Armel Le Cleac’h seit dem Start. Zurzeit erreicht er wieder über 20 Knoten.

Nun erreicht er mal wieder einen 4-Stunden-Schnitt nahe 21 Knoten wie zuletzt auf der Höhe von Australien. Le Cleac’h drückt auf die Tube. Er will sich vor den Doldrums ein ordentliches Polster erarbeiten, damit sein britischer Widersacher nicht doch noch einen Weg um ihn herum findet.

Hebel auf den Tisch

Dabei mag es fast schon unnötig risikoreich erscheinen, den Hebel so sehr auf den Tisch zu legen. Aber im Zeitalter des Foilens haben bestimmte Gesetzmäßigkeiten keinen Wert mehr. So erklärte Sébastien Josse, der inzwischen ausgeschiedene “Edmond de Rothschild”-Skipper, vor dem Rennen, dass diese Boote im Foiling-Modus eher sicherer werden.

Le Cleac'h setzt sich wieder an der Spitze ab.

Le Cleac’h setzt sich wieder an der Spitze ab.

Die hohe Geschwindigkeit verringere den Druck in den Segeln, und da der Bug über die Wellen gehoben werde, knallt das Schiff auch nicht so heftig in die Brecher. Die Stopp- und Beschleunigungs-Effekte werden geringer.

Allerdings muss der Seegang dazu passen. Zu hohe Brecher bergen die Gefahr, mit Mmaximal-Speed in tiefe Wellentäler zu krachen. Im Atlantik scheinen die Bedingungen besser zu funktionieren, als im Südmeer. Schon auf dem Hinweg wurden hier die Höchstgeschwindigkeiten erreicht.

Chance für Thomson

Auch Alex Thomson wird immer schneller, aber er hat einfach noch nicht so viel Wind wie der Franzose. Zuletzt war er noch drei Knoten langsamer und der Rückstand vergrößert sich zusehends, obwohl er auch endlich mit Wind von Backbord auf sein intaktes Foil zählen kann.

Es scheint aber noch nicht alles verloren. Die Wetterbedingungen im Nordatlantik  sehen ungewöhnlich kompliziert aus. Da mögen sich noch Chancen für den Hugo-Boss-Skipper ergeben zumal es so aussieht, als könne er überwiegend mit Wind con Steuerbord rechnen. Viel Zeit bleibt aber nicht mehr. Die Ankunftszeit für Thomson ist für den 19. Januar voraus berechnet.

Immerhin ist für ihn die Situation nach hinten wieder entspannter geworden. Nun muss auch Jéremy Beyou hoch am Wind segeln und ist wieder gut 500 Meilen achteraus gerutscht. Spannend ist der Dreikampf um Rang vier. Jean-Pierre Dick schafft es  mit seinem Neubau-Foiler nicht, Yann Eliés und Altmeister Jean Le Cam (57) mit ihren zehn Jahre alten 60 Fußern abzuschütteln. Sein Vorsprung auf das Duo beträgt nur 60 Meilen.

Baustellen achteraus

Achteraus hat der Neuseeländer Conrad Colman seinen Weg Richtung Ziel wieder aufgenommen. Nach gut 48 Stunden mit der am losen Vorstag flatternden Fock im Rigg ist es ihm gelungen, das Stag wieder mit einem Ersatz-Bolzen am Bug zu fixieren.

Das ganze Feld auf einen Blick. 18 von 29 Booten befinden sich noch im Rennen

Das ganze Feld auf einen Blick. 18 von 29 Booten befinden sich noch im Rennen

Sébastien Destremau am Tampen des Feldes liegt immer noch an seiner Mooring-Boje vor Tasmanien fest und versucht, die Rigg-Probleme seines 19 Jahre alten IMOCAs zu beheben. Nach einem Mastbruch vor dem Rennen hatte er erst kurzfristig ein neues Rigg installieren aber kaum erproben können.

Inzwischen ist auch der Ire Enda O’Coineen nach seinem Mastbruch sicher im neuseeländischen Dunedin angekommen. Die Reparaturen für Paul Meilhat in Thaiti sind dagegen nicht so erfolgreich verlaufen, wie geplant.

Sein Team hatte aus der “Maître-CoQ”-Bootshalle Ersatzteile für die Kielmechanik mitgebracht und gehofft, dass sie auf dem Schwesterschifff “SMA” ohne Probleme zu installieren sind. Das letzmalige Siegerschiff sollte dann auf eigenem Kiel zurück nach Frankreich gelangen.

Aber diseses Vorhaben ist gescheitert. Die Teile passten nicht, und außerdem stellten die Spezialisten weitere Schäden am Gehäuse der Kiel-Aufhängung fest. “SMA” wird nun auf einen Frachter verladen und soll Mitte März in Le Havre ankommen.

So sieht es im Süd-Pazifik für Didac Costa aus:

 

Rich Wilson beschreibt den Effekt der Dünung auf das Verhalten des Bootes:

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Carsten Kemmling

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