Vendée Globe: Favorit Armel Le Cleac’h im Gespräch – Foils sind die Zukunft, egal was passiert

Sieg, sonst nichts!

Armel Le Cleac'h, Vendée Globe, banque Populaire

Armel in Foil-Stand-Pose © curutchet

Der Mann hat Nerven: Zwei Tage vor dem Start zeigt Armel Le Cleac’h keinerlei Nervosität wegen „dem bisschen Weltumseglung“. Pressegespräch mit einem Hochseesegler, der sich seiner sicher ist.

Der 39-jährige Bretone Armel le Cleac’h will bei seinem dritten Start nun wirklich nichts mehr anbrennen lassen. Zwei Mal war er bereits bei der Vendée Globe dabei, zwei Mal wurde er Zweiter. Resultate, die der Hochseeathlet als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet und letztendlich dieses Jahr mit einem Sieg bei seinem Schicksalsrennen deutlich „toppen“ möchte (SR-Porträt „der Schakal“).

Der Banque Populaire-Skipper ist bekannt für seinen ausdauernden Kampfgeist und sein enormes Durchhaltevermögen – auch in mental oder physisch kritischen Situationen. Sein Shore-Team schwärmt wiederum von ihm als akribischen Vor- und Mitdenker, der sich strategisch, taktisch und technisch so gut vorbereitet wie kaum ein anderer.

Im Gespräch mit französischen Journalisten und SR zeigt er sich sehr optimistisch, was die nahe und etwas entferntere Zukunft anbelangt.

Wie fühlt man sich denn so als absoluter Favorit des härtesten Rennens der Welt? Ist der Erwartungsdruck nicht etwas belastend?

Armel le Cleac’h: ganz und gar nicht, ich bin das ja gewohnt. In den letzten Jahren hat man mich immer wieder in eine Favoritenrolle versetzt, so langsam muss ich mich daran gewöhnen. Und was die Vendée Globe anbelangt: Diese Rolle muss ich dann jetzt auch bald einmal bestätigen!

Gibt es denn überhaupt noch Zweifel an ihrem Sieg?

Armel le Cleac’h: Also jetzt übertreibt Ihr aber wirklich! Ich habe es ab Sonntag mit knallharten Konkurrenten zu tun, die zum Teil schon mehr Siege eingefahren haben als ich. Und die auch jetzt in Hochform sind. Außerdem gibt es wohl nichts, was unberechenbarer ist, als eine Hochsee-Regatta – erst Recht, wenn sie nonstop um die Welt führt!

Zählt zu den Unwägbarkeiten auch Ihr nagelneues Boot, das mit Foils ausgestattet ist, und dem ebenfalls bereits reichlich Vorschusslorbeeren verliehen wurden?

Armel le Cleac’h: Eine Unwägbarkeit ist die “Banque Populaire” nun wirklich nicht. Im Gegenteil, ich bin davon überzeugt, dass sie die beste IMOCA in der Flotte ist. Ohne wenn und aber. Was die auf richtig langen Strecken noch nicht vollständig ausgetestete Foiltechnik anbelangt: Ich möchte daran erinnern, dass ich mit diesem Boot immerhin schon die Transat Bakerly gewonnen habe. Und der Zweitplatzierte war ebenfalls ein Foiler. Entsprechend groß ist mein Vertrauen in diese Technik.

Obwohl sie ja schon die dritte Generation Foils auf ihrer derzeitigen Banque Populaire-IMOCA einsetzen.

Armel le Cleac’h: Sagen wir lieber, dass die derzeitigen Foiler auf meinem Boot die Version 2.1. ist. Denn die Änderungen, die wir zuletzt vorgenommen haben, sind eher marginal. Weil sie ab Version 2.0 richtig gut ausgereift waren, die Foils. Ich muss das nochmals unterstreichen: Egal was den mit Foils ausgestatteten IMOCA während der kommenden Vendée Globe passieren wird – die Zukunft des Hochseeregattasports wird sich auf Foils abspielen.

Armel Le Cleac'h, Vendée Globe, banque Populaire

Foils sind nichts anderes als ein Turbo © zedda

Aber Sie setzen sich doch so größeren Gefahren und mehr Stress aus?

Armel le Cleac’h: Wieso denn mehr Stress, mehr Gefahren? Letztendlich ist so ein Foil doch nichts anderes als ein Turbo, den wir wie beim Auto dann einsetzen, wenn wir effizienter voran kommen wollen oder müssen. Ich habe die Dinger ja nicht die ganze Zeit ausgefahren!

Das mit dem Stress fängt wirklich erst dann an, wenn See und Windstärken steigen. Dann kann ich mir immer noch überlegen, ob ich vom Gas gehe, um Boot und Skipper zu schonen. Bei netten 15 -20 Knoten Wind segelt sich eine IMOCA auf Foils genauso lässig wie ohne Foils. Da kann ich sogar beruhigt eine Mütze Schlaf nehmen!

Nur dass Sie diese netten 15-20 Knoten Wind nicht immer haben werden.

Armel le Cleac’h: Das stimmt, aber wir können beispielsweise jetzt schon davon ausgehen, dass in der ersten Vendée –Globe-Woche im Atlantik keine 50 Knoten von vorne wehen werden. Und im Gegenteil, die Foiler werden mit schönen raumen Winden entlang der portugiesischen Küsten einen gewissen Vorsprung herausarbeiten.

Vorausgesetzt, es klappt auch immer alles mit der Foil-Technik.

Armel le Cleac’h: Wartet den nächsten America’s Cup ab. Wenn der vorbei ist und wir Zugriff auf deren Innovationen im Foilbereich erhalten, dann wird sich in vier Jahren keiner meiner Kollegen mehr die Frage stellen, ob nun eine Foil-IMOCA oder eine herkömmliche ohne Foils siegen wird.

Hören wir da heraus, dass Armel le Cleac’h beim Start zur Vendée Globe 2020 nicht am Start sein wird?

Armel le Cleac’h: Richtig vermutet, aller Wahrscheinlichkeit werde ich das mit meinen anderen Plänen nicht vereinbaren können. Wie bei der letzten Vendée Globe steht auch meine jetzige IMOCA quasi bereits zum Verkauf. Die Strategie von Banque Populaire war es schon immer, ein (großes) Boot maximal einzusetzen. Und da wir derzeit bereits an unserem Ultim-Trimaran arbeiten…

Sie wollen also Francois Gabart auf Macif Konkurrenz machen? Vielleicht sogar die Revanche nehmen, die ihnen wegen Francois Abwesenheit bei dieser Vendée Globe nicht vergönnt sein wird?

Armel Le Cleac'h, Vendée Globe, banque Populaire

Ganz entspannt im Hier und Jetzt © miku

Armel le Cleac’h: Francois ist viel mehr Kumpel als Konkurrent,. Aber es stimmt, er wird logischerweise ein wichtiger Konkurrent sein, weil er den bis dahin zweitschnellsten Ultim-Trimaran segeln wird (lacht). Aber um ehrlich zu sein: Neben einigen Rekorden, die so nebenbei auf hoher See gebrochen werden sollen, steht ein Sieg bei der ersten Ultim-Regatta solo, nonstop um die Welt, im Fokus. Das wird 2019 dann eine Vendée Globe für Ultim-Trimarane – etwas, das es vorher noch nie gegeben hat.

Soll das heißen, Sie denken zweieinhalb Tage vor dem Start zur echten Vendée Globe, dem „Mount Everest des Hochseesegelns“, bereits an eine nächste, noch größere Herausforderung?

Armel le Cleac’h: Sagen wir es so – ich muss mich stark konzentrieren, um es sinnvollerweise nicht zu tun!

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Michael Kunst

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