Vendée Globe: Jean-Pierre Dick, Unternehmer, der sich selber sponsert – starkes Foil-Video

„Könnte klappen, diesmal!“

Der französische Hochsee-Champion Jean-Pierre Dick gilt – wieder einmal – als „heimlicher“ Aspirant für einen Podiumsplatz bei der anstehenden Einhand-Nonstop-Weltumseglung. Völlig zu Recht…

Es ist mittlerweile fast schon Tradition, dass sich vor einem großen Hochsee-Event wie der anstehenden Vendée Globe ein Großteil der teilnehmenden Protagonisten im Regattahafen „La Base“ von Lorient „sammelt“. Was durchaus im doppelten Wortsinne zu verstehen ist, denn nicht nur die „Anhäufung“ solch imposanter Rennmaschinen wie etwa die IMOCA 60 für die VG spielt dabei eine Rolle, sondern auch das „Sammeln“, das „In-Sich-Kehren“, das Versenken in mehr oder weniger minutiöse Vorbereitung von Mensch und Boot sind wichtig, wenn nicht sogar essentiell für das nächste Rennen.

Von der hervorragenden Infrastruktur in den ehemaligen U-Boot-Bunkern für anstehende Reparaturen oder Umbauten ganz zu schweigen.

Entsprechend dicht ist das Aufgebot der Hochseestars, die sich auf den Stegen an manchen Tagen regelrecht tummeln. Was wiederum für den gemeinen Beobachter solcher Szenarien ein Leckerbissen sein kann.

Nehmen wir nur als Beispiel die verschiedenen Arten, wie die Teams beispielsweise vor Trainingsschlägen oder bei den sowieso täglich stattfindenden Basteleien auftreten. Da wäre etwa das meist vorbildlich im Crew-Outfit gestylte, immer gemeinsam den Steg bevölkernde „Gitana-Team“, das ein Ablegen ihrer „Baron de Rothschild“, mit knappen Anweisungen an die bugsierenden Schlauchbootfahrer, schulbuchmäßig als Teamwork akkurat zelebriert.

Jean-Pierre Dick, Foil, IMOCA, Vendée Globe

Sechs Beaufort, ein Reff, anheben und ab dafür… “JP” im Vendée Globe-Modus © virbac

Eine Frage des Auftritts

Oder das Pendant namens Tanguy de Lamotte, der auf und neben seiner „Initiative Coeur“ oftmals so wirkt, als sei er für die Alleinunterhaltung im Hafen zuständig. Der Mann, dem alle Sympathien einfach nur so zufliegen, spannt dann schon mal eine Slackline quer durch den Hafen und bringt darauf alle zum Lachen… obwohl er respektabel lange auf der Line seine Spaziergänge vollführt.

Und dann gibt es noch den Auftritt, der eigentlich keiner ist. So wie bei Jean-Pierre Dick: Der Hochsee-Champion, der eigentlich in Nizza beheimatet ist aber derzeit in Lorient lebt, hat ebenfalls bereits seit Monaten seine St.Michel-Virbac in Lorient liegen, trainiert dort in teils tagelangen „Ausfahrten“ alleine oder mit begleitenden Technikern, arbeitet zwischendurch – teils wochenlang – gemeinsam mit seiner Shore-Crew.

Dick kommt völlig unspektakulär mit einem Seesack auf dem Rücken zum Steg geschlendert, begrüßt den einen oder anderen knapp, aber freundlich lächelnd per Handschlag, wartet geduldig, bis auch der Letzte seiner Crew endlich an Bord ist, startet den Motor, legt ab… und gut is’.

„JP“ nennen ihn die Abkürzungs-verliebten Franzosen, und jeder, der sich auch nur ein wenig in der französischen Hochseesegelszene auskennt weiß, dass der heute 51-jährige schon seit Jahrzehnten zur Offshore-Elite zählt. Und daraus eben nie einen besonderen „Act“ gemacht hat (SR-Porträt „Im Namen des Vaters“).

Jean-Pierre Dick, Foil, IMOCA, Vendée Globe

Der Tierarzt und das Meer: “JP” vor seinem vierten Vendée Globe-Anlauf” © virbac

Sichere Bank

Das mag daran liegen, dass der erfolgreiche Unternehmer und Veterinär aufgrund seiner eher stabilen wirtschaftlichen Lage (Dick sponsert sich mit seinem Unternehmen „Virbac“ im Prinzip seit Beginn seiner Karriere selbst) nur selten die Werbetrommel für sich und seine Abenteuer auf hoher See rühren musste. Und obwohl er ein beliebter, weil sachlicher und vor allem kompetenter Gesprächspartner bei TV-Talkrunden ist, verzichtete er seit jeher auf PR-trächtige Auftritte: „Meine Stärken spiele ich eben auf See aus,“ sagte er einmal.

Dort ist er tatsächlich so etwas wie eine „sichere Bank“, wie ihn seine Konkurrenten mitunter respektvoll bezeichnen. „Wenn JP irgendwo mitmacht, muss man mit ihm rechnen. Und man kann sich auf ihn verlassen. So einfach ist das!“ sagte einmal Segellegende Loick Peyron über den Südfranzosen. Die beiden hatten gerade das Barcelona World Race 2011 gemeinsam gewonnen.

Jean-Pierre Dick, Foil, IMOCA, Vendée Globe

Jean-Pierre Dick in Höchstform © zedda/vorbac

Und nun steht der Veterinär also wieder in den Startboxen zur Vendée Globe und scharrt schon kräftig mit den Hufen. „Diese Regatta rund um die Welt ist sowas wie ein Schicksalsrennen für mich,“ schrieb Dick kürzlich zum wiederholten Mal auf seinem Blog. „Ich will aufs Podium – und ich habe das Zeug dazu!“

Vierter ohne Kiel

Tatsächlich zählte Dick bisher zu den (nicht gerade wenigen) Pechvögeln in Sachen Vendée Globe. Bei der Ausgabe 2004/2005 segelt er zum ersten Mal mit und kommt als Sechster ins Ziel, was er damals als „ausbaufähigen Erfolg“ bezeichnete. Im Jahr 2008 kollidiert er mit einem Growler im Southern Ocean und muss das Rennen aufgeben.

2013 liegt er aussichtsreich auf Rang 4 nach einer fast vollständigen Umrundung des Globus, als er im Atlantik seinen Kiel verliert. 2.643 von insgesamt 27734 Seemeilen segelte Dick dann einfach mal eben ohne Kiel Richtung Les Sables d’Olonnes, wo er als Vierter zumindest genauso frenetisch gefeiert wurde wie Sieger Gabart.

Jean-Pierre Dick, Foil, IMOCA, Vendée Globe

Dick drückt auf die Tube. © Y.Zedda/StMichel-Virbac

Doch das ist alles Schnee von gestern, wenn Dick auch viel bei dieser letzten Vendée Globe gelernt hat. „Die nächste Weltumsegelung wird noch viel mehr als in den letzten Ausgaben eine Materialschlacht,“ sagte Dick kürzlich der bretonischen Tageszeitung „Le Telegramme“. „Waren früher die neuralgischen Punkte die Aufhängungen unserer Neigekiele sind es heute die Foil-Schwerter!“

Tatsächlich war es für „JP“ eine Selbstverständlichkeit, dass er seine „St.Michel-Virbac“ gleich nach Klassenregeländerung mit Foilern ausrüstete. Und genauso selbstverständlich war es für Dick, dass er sich mit den Foilern und dem Foilen so vertraut wie nur irgend möglich machte.

Bei der Transat Jacques Vabre segelte er noch vorsichtig, fiel trotzdem aus und segelte nach Madeira. Bei „The Transat“ konnte er schon besser mit Armel le Cléac’h einhand von Plymouth nach New York mithalten und lag am Ende doch mehr als 200 Meilen hinten. Bei der Rückregatta krachte er kurz nach dem Start vor dem Big Apple in ein UFO und zerbrach dabei ein Foilschwert.

Jean-Pierre Dick, Foil, IMOCA, Vendée Globe

Ob die neuen Foil-Schwerter die gleiche Form haben werden, ist noch nicht bekannt. Fest steht: JP will damit noch schneller werden © virbac

„Genau das ist der Alptraum aller, die auf Foils um die Welt wollen,“ schrieb Dick später in seinem Blog. „Die Foils sind so filigran, dass sie sich bei Berührung mit was auch immer schnell verabschieden, und dabei den Rumpf erheblich beschädigen können.“

Entsprechend viel Zeit verbrachte Dick nach Rückkehr in Lorient mit seiner St.Michel-Virbac in den Werfthallen von La Base. „Nach dem Crash vor New York und nachdem andere Foil-IMOCA von ähnlichen Problemen berichteten, haben wir uns darum gekümmert, wie zumindest die Auswirkungen solcher Begegnungen mit schwimmenden Objekten reduziert werden können.“

Also bastelten sie, auch nach Empfehlung der IMOCA-Klassenvereinigung, jeweils eine Crash-Box um den Schaft des Foilschwertes. So sollen zumindest die Auswirkungen auf die Rumpfstruktur nach einer Kollision deutlich geringer ausfallen.

Neue Foils

Als Dick mit seiner Crew vor einer Woche beim „ultimativen Test vor der Vendée Globe“, der „Defi Azimuth“ neben einem Dutzend anderer IMOCA vor Lorient mitsegelte, kam zum Glück keine der Foiler-IMOCA in den fragwürdigen „Genuss“ eines Crash-Box-Tests.

Jean-Pierre Dick, Foil, IMOCA, Vendée Globe

Die Evolution der Virbac-Foils.

Die Regatta, die Dick 2012 immerhin gewinnen konnte, verlief diesmal alles andere als zufriedenstellend für den Segler aus Nizza. Er habe einen navigatorischen Fehler gemacht, habe stärkere Winde vermutet, wo letztendlich richtige Flautenlöcher auf ihn warteten. „Rang neun bei einer 24 Stunden währenden Regatta ist kein Problem vor einer Weltumseglung“ meint er nur achselzuckend.

Und dennoch schreibt er auf seinem Blog, vielleicht nach einem Blick auf die drei Stunden kürzere Zeit des Siegers und Foilers „Banque Populaire VIII“ mit Armel Le Cleac’h am Steuer: „Jetzt freue ich mich erstmal auf nagelneue Foils, die ich noch im letzten Moment bestellt habe.“ Ein Ass im Ärmel? „Vielleicht, mal sehen. Jedenfalls unterscheiden sie sich deutlich von den bisherigen. Und ein bisschen mehr Speed kann ja niemals schaden!“

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Vendée Globe: Jean-Pierre Dick, Unternehmer, der sich selber sponsert – starkes Foil-Video“

  1. avatar Breizh sagt:

    Ein weiterer schöner Vorbericht zur VG. Wie sieht es denn sonst so aus bei den anderen Teilnehmern? Müssten die Boote nicht langsam zum Starthafen kommen und sich dort sammeln, sodass das Testen ein Ende hat und alle fertig werden müssten? Dann kehrt bis zum Frühjahr erst einmal Ruhe in Lorient ein.
    Gibt es noch mehr Infos zu den Crash-Boxen? Wie funktionieren die, ja wohl nicht wie die aufklappbaren Ruder?

    Noch eine schöne Zeit am Atlantic.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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