Vendée Globe: Noch eine Woche bis zum Start – eine Million Zuschauer in Les Sables erwartet.

Es kann nur einen geben!

Vendée Globe, Vorschau

Die Banque Populaire von Armel Le Cleac’h im Hardcore-Einsatz © BP

Nur noch etwas mehr als eine Woche bis zum Start der Vendée Globe. 29 IMOCA werden von Hunderttausenden belagert – ein Spektakel ohnegleichen.

Die Show hat begonnen, das Spektakel ist im Gange. Seit dem 15. Oktober liegen die 28 IMOCA im Hafen von Les Sables d’Olonnes im französischen Departement Vendée. Als 29. und letztes Boot legte Anfang der Woche der Bolide des französischen Journalisten Sebastien Destremeau an, dem von der Regattaleitung eine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde, damit er einige Tage später als die restliche Flotte am berühmten Hochseesteg festzumachen.

Der Grund: Während der Sicherheitstests, bei dem u.a. die IMOCA im Hafenbecken mit Hilfe eines Krans „kentern“ und sich danach alleine wieder aufrichten müssen, brach an Destremeaus „Techno First Face Ocean“ der Mast.

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Es geht eng zu auf den Pontons der Vendée Globe © curutchet

Bisher 350.000 Besucher

In den knapp zwei Wochen seit der Eröffnung der Steganlagen für den Publikumsverkehr registrierten die Organisatoren des Hafenspektakels bis heute 350.000 Besucher – eine Zahl, die ziemlich exakt den Besucherzahlen vom letzten VG-Start vor vier Jahren entspricht. Damals waren gesamt mehr als eine Million Menschen nach Les Sables d’Olonnes gekommen, um mit Booten und Skippern „auf Tuchfühlung“ zu gehen.

„Somit wird der Start der Vendée Globe nach der Fußball-Europameisterschaft zum zweitgrößten Spektakel in Frankreich in diesem Jahr,“ freuen sich die Veranstalter. „Und sowieso zum besucherstärksten Segelevent der Welt!“

Tatsächlich ist die Vendée Globe ein Spektakel ohnegleichen. Kein anderes Event bringt die Faszination Hochseesegeln so dicht ans Publikum, keine andere Segelveranstaltung bringt so viele Menschen zum Träumen. Die Teilnehmer werden ausnahmslos wie Helden verehrt, ihre Leistungen einhellig schon im Vorfeld als „härtester Sport überhaupt“ gewürdigt.

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29 IMOCA-Skipper wollen nonstop um die Welt © VG

Ringen um Sponsoren

Gerade wegen dieses enorm hohen Publikumsinteresses gelang es auch zu dieser Ausgabe der Vendée Globe wieder, genügend Sponsoren für die einzelnen Kampagnen zu begeistern und zu „aktivieren“. Wenn die „Szene“ auch in den letzten Jahren über zähe Verhandlungen und starke Budgeteinschränkungen stöhnte.

Denn die Teilnahme an der Einhand-Nonstop-Regatta um die Welt mit einem konkurrenzfähigen IMOCA wird pro Boot und Skipper mit zwei bis fünf Millionen Euro beziffert. Natürlich gibt es auch kleinere Budgets wie etwa das des jüngsten Teilnehmers aller Zeiten, Alan Roura (23) – doch das sind eher die Ausnahmen einer immer teurer gewordenen „Regel“ (SR berichtete).

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Wird es Armel le Cleac’h diesmal schaffen? © BP

Für vier Jahre akribischer und kostenintensiver Vorbereitungszeit wird der Sieger dieser Regatta 160.000 Euro einstreichen und insgesamt liegen „magere“ 600.000 Euro im Prämientopf. Zum Vergleich: jeder französische Fußballnationalspieler bei der alle vier Jahre stattfindenden EM hätte beim Titelgewinn 300.000 Euro eingestrichen und wer das Gelbe Trikot der Tour de France auf den Champs Elysees trägt, ist den Veranstaltern sogar 500.000 Euro wert.

Was macht den Kitzel aus?

Und dennoch, auch wenn das Geschachere um Sponsoren und Geld wohl in den kommenden Jahren noch komplizierter und somit schwieriger werden dürfte (einige große Sponsoren haben bereits ihren Rückzug aus dem Hochseesport nach der diesjährigen Vendée Globe angesagt), ist die Begeisterung für diese „Königin aller Hochseeregatten“ weiterhin ungebrochen.
Nicht zuletzt, weil es mit Einführung der Foils in die 60-Fuß-Bootsklasse gelungen ist, dem sowieso schon nervenaufreibenden Event einen zusätzlichen „Kitzel“ zu geben. Werden die eindeutig schnelleren, nagelneuen Boote mit ihren filigran anmutenden Foilsystemen den enormen Anforderungen standhalten? Werden Foils über Sieg oder Niederlage entscheiden? Oder sind – im Gegenteil – die zahlreich vertretenen „IMOCA der zweiten Generation“, die noch ohne Foils unterwegs sein werden, aufgrund ihrer bewährten Robustheit im Vorteil?

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Vincent Riou hat das Rennen immerhin schon mal gewonnen! © VG

Zumindest sind das die zentralen Themen, die in der Hochsee-Szene am französischen Atlantik seit Monaten heiß diskutiert werden. Denn unterm Strich dreht sich – wie bei allen Sportveranstaltungen – auch im Vorfeld der Vendée Globe alles um die Fragen „Wer wird und wer kann gewinnen?“

Wer kann gewinnen?

Unter Journalisten, Hochseeseglern, bei den „Preparateurs“ und überhaupt unter allen Hochsee-Infizierten wird vor allen anderen Armel le Cleac’h als heißester Kandidat für das oberste Siegertreppchen gehandelt. Der vor vier Jahren knapp zweitplatzierte „Banque Populaire“-Skipper hat sich diesen Status allerdings nicht aufgrund seines nagelneuen Foil-IMOCAS verdient: „Der Mann liefert seit zehn Jahren konstante Ergebnisse ab, er kann auf ein hervorragendes Shore-Team zählen, ist sich seiner Leistungsfähigkeit sicher und physisch auf Top-Niveau!“ bringt es der Sieger der ersten Vendée Globe-Ausgabe, Alain Gauthier, stellvertretend für viele andere auf den Punkt.

Auf Prognose-Rang Zwei sieht die Szene eindeutig Sebastien Josse. Dem Gitana-Skipper wird als Einzigem zugetraut, dass er in einem Duell mit Le Cleac’h demselben die Stirn bieten könne. Nicht zuletzt, weil er ähnlich professionelle Voraussetzungen hat, wie sein Widersacher: Ein perfekt anmutendes Foiler-Boot, ein klasse Team und einen gut betuchten Rennstall im Rücken.

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So sah der letzte Sieger der Vendée Globe aus – Francois Gabart! Doch der jagt derzeit auf Seinem Riesen-Trimaran Macif Hochseerekorden hinterher © macif

Für den virtuellen Rang Drei ist man sich schon weniger einig. Vincent Riou wird hoch gehandelt, vor allem weil er seit Jahrzehnten eine „sichere Bank“ bei spektakulären Hochseeregatten ist. Außerdem soll er für die diesjährige VG besonders diszipliniert und hart trainiert haben. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Riou ist der einzige unter den Titel-Aspiranten, der die Vendée Globe schon einmal gewonnen hat. „Das ergibt ein Quentchen zusätzliches Selbstbewusstsein“, wird er in Interviews zitiert.

Eigentlich ist alles offen!

Doch auch Jean-Pierre Dick wird für einen Podiumsplatz gehandelt. Der besonnene und höchst erfahrene Hochseesegler müsste dafür nur von seiner Vendée Globe-Pechsträhne herunterkommen. „Wenn ich ohne Materialschäden wieder vor Les Sables d’Olonnes auftauche, dann müsste das für einen Podiumsplatz reichen!“ sagte Dick kürzlich. Und die meisten aus der Szene werden das gerne unterschreiben.

Vereinzelt wird übrigens auch Alex Thomson als Titelaspirant genannt. Der Brite sei mittlerweile aus seinen „wilden Jahren“ raus und wird inzwischen als ruhiger und ehrgeiziger Hochsee-Champion gehandelt. Auch bei ihm gilt: sofern ihn kein Bruch lahmlegt, wie etwa im Foil-System seiner „Hugo Boss“, ist Thomson der vielleicht einzige Nicht-Franzose, dem ein Treppchenplatz zuzutrauen wäre.

Bleibt Jeremie Beyou, der mit seinem Sieg bei der TRANSAT-Rückregatta „New York – Les Sables“ reichlich Selbstvertrauen aufgebaut hat. Beyou traut man jedenfalls einen ähnlich „frechen“ Coup zu wie den Vendée Globe-Neulingen Yann Elies und Thomas Ruyant: Den beiden Figaro- und Mini-Helden werden vor allem die jüngeren Generationen kräftig die Daumen drücken!

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Ebenfalls ein Treppchen-Aspirant: Alex Thompson auf seiner Hugo Boss © Boss

Doch viel zu viele Faktoren werden ab Sonntag, 6. November, 13:02 bei dieser Vendée Globe ihre Rolle spielen. Unberechenbare und von Glück oder Pech abhängige Faktoren. Entsprechend spannend wird es für die Millionen Fans sein, wenn sie Tag für Tag mit den Seglern mitfiebern werden. Ob durch Live-Berichterstattung von Bord oder durch Analysen und Recherchen seitens des Vendée Globe-Mediateams. Wir SegelReporter bleiben jedenfalls dran – so nah wie nur irgend möglich!

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Vendée Globe: Noch eine Woche bis zum Start – eine Million Zuschauer in Les Sables erwartet.“

  1. avatar Breizh sagt:

    Die Vorfreude und die Spannung ist groß. Ich freue mich schon auf eine umfangreiche Berichterstattung durch SR. Sind vielleicht noch weitere Features geplant, wie eine detaillierte (Video-)Vorstellung der Boote? Oder Experteneinschätzungen?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Matthias sagt:

    Gabart fährt nicht mit?

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