Vendée Globe: Siegeryacht 20 Tage herrenlos auf Drift – Skipper immer noch im Krankenhaus

Wieder an der Leine

Nachdem der aussichtsreiche Vendee Globe Starter Paul Meilhat im Dezember mit einem Beckenbruch von seiner “SMA” gerettet worden war, konnte das Schiff erst jetzt geborgen werden.

20 Tage trieb die IMOCA 60 “SMA” herrenlos auf dem Atlantik und schaffte fast 1500 Meilen. Mehrere Versuche, das Siegerschiff der vergangenen Vendée Globe zu bergen, scheiterten am stürmischen Wetter. Seit Anfgang des Jahres verstärkte der Rennstall Mer Agitée und parallel die Versicherung Pantaenius ihre Bemühungen, die Rennyacht zu sichern.

Vendée Globe SMA

SMA wieder an der Leine auf ihrem Ankerplatz im irischen Crookhaven.© Mer Agité

Erfolgreich war schließlich der erfahrene Einhandsegler Adrien Hardy im Auftrag von Pantaenius. Bei Bedingungen mit 40 Knoten Wind und sechs Meter hohen Wellen gelang es ihm, die permanent per Argos Satellitensystem getrackte Yacht zu besteigen. Ein Tag später erreichte auch eine Besatzung von Mer Agitée das Schiff mit einem Schlepper 100 Meilen vor der irischen Küste.

Die Crew fand das Schiff im segelbaren Zustand vor. Das Rigg steht noch, und so konnte es im irischen Hafen Crookhaven in Sicherheit gebracht werden. Sobald das Wetter es erlaubt soll die Überführung zum französischen Port La Forêt erfolgen.

Fünf Wochen ans Bett gefesselt

Derweil ist der Skipper Paul Meilhat im Krankenhaus von Lorient auf dem Weg der Besserung. Seit drei Wochen liegt er nach der Operation am Becken ruhig gestellt im Bett. Zwei weiteren Wochen folgen noch, bevor er mit der Rehabilitation beginnen kann.

Vendée Globe SMA

Paul Melihat segelt unter dem Namen “SMA” den letzten Vendée Sieger “Macif”. © Brian Carlin/SMA

Die Vendée Globe hat Meilhat noch nicht aus den Augen verloren. Schließlich gehört er mit dem besten Rennstall der Szene im Rücken, aus dem die vier vergangenen Sieger stammen,  zu den am professionellsten arbeitenden Einhand-Profis.

Sein Schiff hat zwar nach dem Vendée Sieg unter Francois Gabart schon einige Jahre auf dem Buckel und muss sich gegen die neue Foiler Generation durchsetzen, aber es gehört immer noch zu den schnellsten der Flotte. So konnte es auf den ersten Meilen der Transat Jaques Vabre 2015 im direkten Vergleich mit “Banque Populaire” sehr gut mithalten bevor ein Riss an der Kielfinne nach einer vermuteten Kollision zur Aufgabe führte.

Unglaublicher Fehler

Und das Fastnet Race war eigentlich so gut wie gewonnen, als Meilhat zusammen mit seinem Coach und Mentor Michel Desjoyeaux ein unglaublicher Fehler unterlief. Er rundete den Wolf Rock auf der falschen Seite und musste aufgeben.

Meilhat wird von seinem Rennstall akribisch auf die Vendée Globe 2016 vorbereitet. Nach der Zweihand-Regatta Transat Jaques Vabre mit Desjoyeaux sollte er intensive Atlantik Einhand Erfahrung sammeln und erlitt bei der Rückregatta B to B prompt die schwere Verletzung. 2016 stehen eigentlich noch zwei weitere Atlantik Regatten mit der Transat sowie New York-Les Sables auf dem Traininsprogramm, aber nun muss Meilhat erst einmal wieder auf die Beine kommen.

Parallel werden von seinem Team immer noch genau die Fortschritte der Konkurrenz mit der neuen Foiler Technik überprüft. Nach der Transat Jacques Vabre sollte die Entscheidung fallen, ob auch bei “SMA” die Flügel nachgerüstet werden. Der Umbau würde viel Zeit in der Werft kosten. Aber da der Skipper ohnehin für einen längeren Zeitraum außer Gefecht gesetzt ist und das Schiff umfassend auf Schäden untersucht werden muss, wäre die Chance für einen massiveren Eingriff gegeben.

Es ist aber immer noch nicht klar, ob das wirklich der Weg zum Vendée Sieg ist. Die Transat Jaques Vabre wurde von “PRB” ohne Foils gewonnen und die meisten Flügel-Flitzer fielen wegen unterschiedlicher Probleme aus. Allerdings zeigte die neue “Banque Populaire” auf Rang zwei das größte Potenzial mit seinen Seitenschwertern.

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Carsten Kemmling

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