Vendée Globe: Was passieren muss, damit Alex Thomson noch gewinnt

Finale in Le Cléac'hs Wohnzimmer

So sind die Spitzenreiter gerade unterwegs. Alex Thomson fragt, ob sein AIS Signal erkennbar ist. Ist es aber nicht. Er muss in besonders in der Nacht sehr vorsichtig sein.

Alex Thomson hat einen Tag vor dem Zieleinlauf weiter auf Armel Le Cléac’h aufholen können. Kommt jetzt der finale Angriff? Das Timing der letzten Wende ist entscheidend.

Armel Le Cléac'h

Armel Le Cléac’h bei der Arbeit. © Yvan Zedda / BPCE

Nach dem dramatischen Zieleinlauf vor vier Jahren, als Armel Le Cléac’h kaum mehr als drei Stunden hinter dem zweitplazierten Francois Gabart nach Les Sables d’Olonne kam, war ein weiteres knappes Finish kaum vorstellbar. Aber nun wird es am Donnerstag wieder so sein, wenn die beiden besten Skipper diese Vendée Globe beenden.

Die Reihenfolge ist längst nicht vollkommen sicher. Aber es zeichnet sich ab, dass Alex Thomson ein großes Wunder, oder eben Pech des Gegners benötigt, um doch noch als Sieger aus dieser Vendée Globe hervorzugehen.

Nur noch 40 Meilen Vorsprung

In der Nacht hat er den Rückstand noch einmal auf  40 Meilen drücken können, aber nun muss ihm etwas einfallen, um noch einmal den nötigen Druck auszuüben. Alle Trümpfe liegen bei Le Cléac’h. Er hat sich perfekt vor dem Gegner positioniert und wartet auf den passenden Moment zur Wende.

Der Weg zum Ziel. Wann wenden die Duellanten?

Der Weg zum Ziel. Wann wenden die Duellanten?

Dieses Manöver ist die letzte taktische Chance für Alex Thomson noch einmal einen Split zu generieren. Er hat sich jetzt schon ein wenig aus der Deckung gewagt, indem er einen höheren Kurs am Wind segelt. Dadurch verzichtet er auf etwas Speed zugunsten eines direkteren Weges.

Der Brite müsste eher wenden als der Konkurrent, um eine Reaktion zu provozieren. Der kann sich dann entscheiden, ob er das Manöver kontert, um zwischen Gegner und Ziel zu bleiben. Oder er ist sich sicher, dass sein Routing-Programm den richtigen Weg vorgibt. Es sieht eine Wende erst zwischen 14 und 16 Uhr vor.

Keine Chance ohne Foil?

Alex Thomson erreicht seit Tagen einen besseren 24h-Schnitt

Alex Thomson erreicht seit Tagen einen besseren 24h-Schnitt

Eigentlich hat Thomson aber keine Chance. Le Cléac’h kennt dieses komplizierte Seegebiet mit seinen starken Strömungen und den Windabdeckungen unter kleinen Inseln bestens aus dem harten Figaro-Regatta-Alltag. Das ist sein Wohnzimmer. Hier hat er viele Monate seines Segellebens verbracht.

Und dann kommt noch dazu, dass “Hugo Boss” auf dem neuen Bug ohne Foil klar langsamer sein wird. Die Tragfläche wirkt schließlich nicht nur durch den Auftrieb, den sie mit dem horizontalen Schaft im Wasser entwickelt und der auch der Krängung entgegen wirkt. Durch die Regelanforderungen, die keine zusätzlichen Schwerter erlauben, ist das Foil am Ende mit einem senkrechten Profil versehen, das gegen die Abdrift wirkt.

Deshalb kann “Hugo Boss” das seitliche Vertreiben auf dem Amwind-Kurs nur mit der Kielfinne erreichen. Die wird aber normalerweise hoch am Wind weit nach Luv geneigt, um das nötige Gegengewicht zum Segeldruck aufzubauen. Thomson muss also einen geringeren Kiel-Ausschlag einstellen, und kann weniger Segel setzen.

Formstabilität fehlt

Dazu kommt die Konstruktion des schwarzen Renners, der schmaler ist als die Konkurrenz und dadurch auch noch weniger Formstabilität erlangt. Die Designer von VPLP haben noch extremer auf die Foiling-Technik gesetzt als es bei den anderen Neubauten der Fall ist. Auch mit Foil dürfte “Hugo Boss” hoch am Wind Nachteile gegenüber “Banque Populaire” haben.

Wasserballast könnte helfen. Und auf “Hugo Boss” kann der Skipper zwei Tonnen in die beiden Luv-Tanks pumpen. Aber das ist relativ wenig im Vergleich zu den IMOCAs der älteren Generation. Die haben insgesamt bis zu zehn Tanks und können fünf Tonnen Wasser mitnehmen. Deshalb ist es vor vier Jahren auch Jean-Pierre Dick gelungen, sein Schiff trotz Kielverlust über mehr als 2000 Meilen bis ins Ziel zu steuern.

Bei leichtem Wind wäre das Handicap des Briten nicht ganz so problematisch, aber für den Schlag entlang der französischen Küste sind bis zu 20 Knoten vorhergesagt. Zwar hat Thomson schon im Pazifik gezeigt, dass er auch ohne Steuerbord-Foil schnell segeln kann. Allerdings musste er dort überwiegend nicht so hoch am Wind segeln.

Kollisionsgefahr

So kann Le Cléac’h bei der westlichen Umfahrung des Hochs wohl nur noch durch einen schweren technischen oder taktischen Fehler oder eine Kollision am Sieg gehindert werden. Das ist aber gar nicht so weit hergeholt, denn vor der französischen Küste herrscht viel Verkehr, und gerade in der Nacht besteht die Gefahr mit unbeleuchteten Fischerbooten zusammenzustoßen.

Es wäre ein Desaster und niemandem zu wünschen. Aber man muss davon ausgehen, dass beide Skipper nach zweieinhalb Monaten auf See körperlich am Ende sind. Die vergangenen High-Speed-Tage waren auch nicht dazu angetan, das Schlaf-Defizit zu verringern. Beide Segler sind am absoluten Limit angekommen. Dabei erhöht sich die Fehler-Gefahr enorm.

So ist es nicht hoch genug einzuschätzen, dass es Thomson genau in dieser Verfassung noch gelungen ist, den 24 Stunden Rekord zu brechen. Nun kommt es auf die nächsten 24 Stunden an. Dann wird diese epische Schlacht entschieden sein.

Tracker Vendée Globe

Robin Knox-Johnston: “Alex ist fünfmal schneller, als ich damals”.

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „Vendée Globe: Was passieren muss, damit Alex Thomson noch gewinnt“

  1. avatar Markus sagt:

    Ein Krimi sondergleichen, Alex go, go, go!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 2

  2. avatar Kiter sagt:

    Thomson war gerade im Live Programm von Vendee Globe TV und klang ziemlich fertig. Probleme mit Autopilot, deshalb seit Tagen nicht geschalfen.
    Klang leider nicht nach Angriff (und wird wohl auch schwer, gibt ja keine taktischen Optionen ausser vielleicht frueher zu wenden und auf einen Dreher etc. zu hoffen…)

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  3. avatar pl_wasser.turm sagt:

    Frage an die Kenner: Warum wendet Thomson nicht schon jetzt ? So käme er früher in den stärkeren Wind (müsste aber nochmals wenden)
    Volles Risiko, aber vielleicht lohnend

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  4. avatar marcookie sagt:

    Hallo, ich hätte auch gleiche Frage wie pl_wasser.turm gestellt und hätte gern gewusst.
    Noch eins, warum ist der Titelverteidiger Francois Gabart diesmal nicht dabei ?

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  5. avatar Tom sagt:

    Gabart ist nicht dabei weil er keine Imoca mehr hat. Die von 2012 wurde verkauft und heißt jetzt “SMA” und er hat jetzt einen Ultime tri mit dem er Rekorde brechen und bei einer zukünftigen Einhand Regatta um die Welt 2019 teilnehmen will. Also vermutlich mangels Boot kein Interesse an der Teilnahme.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  6. avatar stefan sagt:

    Der Drops ist gelutscht. Damit dürfte Armel wohl durch sein, wenn nicht noch irgend ein Unglück passiert.

    https://scontent.ftxl1-1.fna.fbcdn.net/v/t31.0-8/15974893_10212377643344056_7644649761785185237_o.jpg?oh=1702e466ab0274843a3e3d0ceccaa941&oe=5904F26F

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