Volvo Ocean Race: Multi- statt Monohull? – Ein möglicher Strategie-Wechsel steht bevor

Tri-Foiler für die Weltregatta?

Wird das wichtigste Hochsee-Crewrennen um die Welt bald auf zwei statt einem Rumpf stattfinden? Die Benennung von Guillaume Verdier könnte in diese Richtung weisen.

Das Volvo Ocean Race Management hat den Franzosen Guillaume Verdier als Chefdesigner der übernächsten Auflage des Um-die-Welt-Rennens benannt. Das hört sich auf Anhieb erst einmal nicht so extrem spannend an. Es ist eine logische Ablösung des Farr-Design-Büros, das für die VOR65-Flotte verantwortlich ist, die ab Oktober zum zweiten Mal zum Einsatz kommt und dann abgestoßen wird.

Schließlich ist nun Verdier der angesagteste Designer der Welt. Er beherrscht mit seinen Konstruktionen die Vendée Globe und zeichnet für sechs Foiler verantwortlich.  Außerdem floss ihm der 100-Fuß-Rekordbrecher “Comanche” aus der Feder.

Verdier-Design: Armel im Flug-Modus. © zedda

Aber die eigentlich wichtige Entscheidung, die im Raum steht, ist der mögliche Wechsel zu einer One-Design-Multihull-Konstruktion, die schon viel diskutiert wird. Weist die Benennung von Verdier in eine Richtung?

Persico Marine ist wieder als Werft benannt worden, und hat sich beim VOR65-Bau bei der Einhaltung der Einheitsklassenregel positiv hervorgetan. Aber die Italiener könnten  auch Mehrrümpfer bauen. 

Guillaume Verdier

Guillaume Verdier, der zurzeit gefragteste Konstrukteur der Welt. © VOR

Und auch Verdier hat auch bei den Multihulls jede Menge Erfahrung vorzuweisen. So lässt er gerade den Maxi-Tri “Edmond de Rothschild” für Seb Josse bauen und ist auch mit den Neuseeländern beim aktuellen America’s Cup dabei. Wenn einer weiß, wie man die Foiling-Technik für die Hochsee adaptiert, dann ist es der Franzose.

Foiling Technologie einbeziehen

Volvo Ocean Race CEO Mark Turner lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Weg das Ziel ist. “Wir müssen jetzt schon die Zukunft für unsere Boote bestimmen, um alle Optionen für Typ und Design offen zu halten.” Es gehe darum ein Design-Team zu finden, das die neue Flotte auf dem bestehenden hohen One-Design-Level bauen kann aber eben auch die großen Fortschritte auf dem Feld der Foiling-Technologie mit einbezieht.

Verdier sagt: “Wir starten mit einem weißen Papier und was auch immer es für ein Design wird, ob Mono- oder Multihull, wir werden viel von diesem Prozess lernen. Ich denke, die Segler wollen einfach Spaß haben und sind begeistert von der neuen Art zu segeln. Wir haben zum Beispiel bei den Open 60s etwas sehr Redikales gemacht, aber es war auch sehr sicher. Das muss es auch beim Volvo Ocean Race sein.”

Gitana

Verdier als Speerspitze der Offshore Foiler-Entwicklung: Seine Vision vom 32 Meter langen Rothschild-Tri. © Gitana

Am 18 Mai soll die Entscheidung in Göteborg gefällt werden. Und es spricht viel dafür, dass sich die Teams beim übernächsten Volvo Ocean Race mit Mehrrümpfern beschäftigen müssen. Das würde die Konkurrenz durch der Vendée Globe verringern. Schon jetzt sind Open 60 Monohulls einhand fast schneller als die fünf Fuß längeren Volvo 65 Racer mit Crew. Der 24 Stunden Rekord von “Abu Dhabi” 2015 mit 550,8 Meilen liegt nur unwesentlich über den 536,8 von “Hugo Boss”. Und die erwartete Regel-Öffnung bezüglich der Foiler wird die nächste Open-60-Generation noch radikaler und schneller machen.

Da bleibt für das Volvo Ocean Race eigentlich nur noch der Schritt Richtung Multi, um sich zu unterscheiden. Für Verdier wäre es kein Problem, da er mit dem 34 Meter langen Einhand-Rothschild-Tri auch die Speerspitze bei der Entwicklung der Multihull-Offshore-Foiler darstellt. Es gibt kaum noch einen Zweifel, dass er das Geheimnis geknackt hat, wie man einigermaßen sicher über die Southern Ocean Wellen jagt.

Überwiegend geht es bei der Entscheidung aber weniger um die Leistungsfähigkeit des Designs als um Marktstrategie. Das Volvo Ocean Race muss mit seinen Schiffen weiterhin technisch in der ersten Liga spielen und sich trotzdem von  konkurrierenden Veranstaltungen abheben.

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Multi- statt Monohull? – Ein möglicher Strategie-Wechsel steht bevor“

  1. avatar AC 90 sagt:

    Oh ne, bitte nicht noch ne Multihullregatta. Wenn dieser Multiwahnsinn weitergeht, schafft es der Segelsport tatsächlich noch das ich Fussbalfan werde.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 3

  2. avatar alikatze sagt:

    Geht es denn bei Regatten immer nur um Geschwindigkeit? Sicher, “Fahrtensegeln” lockt kein Publikum an, aber es gibt doch auch noch Leute, die identifizieren sich mit Monohulls, oder? Die letzte VG war schon spannend, aber immer auch wegen der Frage, ob die Foils halten. Ich weiß nicht, ob diese Art von Spannung lange zieht. Vielmehr finde ich die relativ einfachen VO65-Konstruktionen und das aktuelle Crew-Konzept auf einem guten Weg. Und spektakulär sind die Bilder des letzten VOR allemal.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  3. avatar Robert Meyen sagt:

    Ich dachte, ALC bekommt seinen Tri wie gewohnt von BP? Ich denke, Rothschild bleibt bei Josse…

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