Volvo Ocean Race Stopps

Wenn der Scheich den Kaftan durch den Block zieht...

Afterguard im Kaftan. Ein Bild, an dass man sich gewöhnen muss? Windschnittig ist das Gewand nicht © Volvo Ocean Race

Knut Frostad verteilt Fotos. So wie Heidi Klum ihre Möchtegern-Model-Mädels mit deren Selbstbildnissen beglückt, wenn sie in die nächsten Runde kommen, gibt der Volvo-Ocean-Race-Chef alle paar Tage einen neuen Stop-Over-Hafen für das nächste Rennen bekannt. Als wäre die Welt-Regatta eine große Casting Show. Nach Alicante, Kapstadt, Lissabon, Lorient, Galway und Abu Dhabi steht mit Sanya in China jetzt auch der einzige asiatische Etappen-Stop fest. Der Spannungsgehalt ist mäßig. Eigentlich wichtig ist: wer segelt mit?

Das wäre die Nachricht, die bestimmt, ob das nächste Volvo Ocean Race interessant wird. Ob die Stop-Over-Häfen eine Relevanz haben. Ob da überhaupt eine ordentliche Flotte hinsegelt.

Bisher sind nur zwei Syndikate offiziell gemeldet. Das Low-Budget-Team Italia geht mit Skipper Giovanni Soldini und der alten „Ericsson 3“ an den Start und wird wohl keine Chance auf einen Spitzenplatz haben. Groupama mit Frank Cammas hat dagegen den Sieger „Ericsson 4“ gekauft und baut ein neues Boot. Die Franzosen sind der Konkurrenz jetzt schon Meilen voraus.

Gibt es also wieder ein deutlich übermächtiges, besser vorbereitetes Team, wie bei den vergangenen drei Auflagen? Die Sieger Illbruck, ABN Amro und Ericsson waren schon vor dem Start klare Favoriten.

Zur Flotte sagt die Event-Website nur: „zwanzig Teams arbeiten derzeit an einer Teilnahme.“ Sechs Teams ständen zwar fest, aber noch nicht alle wollten sich outen.

Volvo-Ocean-Race-Chef Knut Frostad umrahmt von Scheichen aus Dubai © Mhic Chambers

Die Auswahl der Etappenhäfen mag Hinweise auf mögliche Teams geben. So heißt es, dass die Wahl des irischen Galways als Zielort sicher mit einem Boot einher gehe, das für ein Heimteam starte. Sonst macht Galway wenig Sinn. Wenn die Iren aber nur ihren alten, lahmen „Dragon“ wiederbeleben, sind sie nicht mehr als ein Feldfüller.

Schwergewichte müssten her. Eines wie Team New Zealand. Aber die Kiwis haben schon abgesagt. Umso spannender ist das Gerücht, Alinghi sei interessiert. Allerdings kann man sich das überalterte Cup-Team um den immer korpulenter werdenden Brad Butterworth nur schwer auf einem Volvo 70 vorstellen.

Begleitschutz beim vergangenen Volvo Ocean Race für Green Dragon. Bei der geplanten Einfahrt in den arabischen Golf ist die Sicherheit ein großes Thema Foto: Guo Chuan / Green Dragon Racing / Volvo Ocean Race

Es bleibt noch die nahe liegende Option Puma. Das deutsche Unternehmen soll eine erneute Teilnahme ernsthaft in Erwägung ziehen. Aber dann muss es schon ein siegfähiges Team sein. Platz zwei bei der Premiere lässt noch Luft nach oben. Aber Eile tut Not bevor der Vorsprung von Groupama zu groß wird.

Die Wahl von Abu Dhabi als Etappenort ging einher mit der Ankündigung, dass die Stadt auch ein Team stellen wolle. Und die Abu Dhabi Mar Group werde in Dubai einen neuen Volvo 70 bauen. Es ist noch nicht bekannt, wer ihn segeln soll.

Passende Fotos zeigen Scheichs als Afterguard auf einem Racer. Die Situation entbehrt nicht einer wohl unfreiwilligen Komik. Man mag sich lebhaft vorstellen, was passiert, wenn sich die Scheichs mit ihren Kaftans in Blöcken und Grindern verheddern. Dabei ist klar, dass sie wohl selber nicht das Steuer übernehmen werden.

Falls Frostad noch mehr Fotos zu verteilen hat, dann bitte an Teams, die sich auf Augenhöhe beharken. Daran wird gemessen, welche Bedeutung das Rennen in Zukunft spielen kann.

Die Route, die bisher feststeht. Start ist in Alicante, Ziel in Galway © Volvo Ocean Race

Carsten Kemmling

Nachtrag: Die Haltestelle in Asien: Sanya

Auf der "Green Dragon" segelte während des letzten VOR 2008/2009 der chinesische Segler Guo Chuan mit © volvooceanrace.org

Zum zweiten Mal in der Geschichte des Volvo Ocean Races nach Qingdao gibt es einen Stop-over in China. Sanya wird das Ziel der dritten Etappe sein, welche von Abu Dhabi startet. Die Streckenlänge beträgt rund 4800 Seemeilen. Das Touristen-Resort Sanya liegt ganz im Süden der chinesischen Provinz Hainan, eine Insel im Süden der Volksrepublik.

Sanya selbst ist ein touristisches Zentrum Chinas, das mit schönen Sandstränden und einem gleichmäßig warmen Klima rund ums Jahr aufwarten kann. Mit Hilfe der Öffentlichkeitsarbeit, die rund um das VOR stattfinden wird, wollen die Regierungsverantwortlichen das Touristenzentrum weiter ausbauen und bekanntmachen. „Die wunderbaren Erinnerungen an die letzte Ausgabe des Rennens, als Qingdao den Teams für kurze Zeit eine Heimat bot, sind uns noch allgegenwärtig. Darum freuen wir uns sehr, dass nun Sanya als Etappenort ausgewählt wurde“, sagte Liu Gan, stellvertretender Direktor der chinesischen Wassersportbehörde.

Da Knut Frostad und sein Team beschlossen haben, die Etappenorte des VOR 2011/2012 nur scheibchenweise bekannt zu geben, stehen bisher nur folgende Etappenorte des Rennens fest:

  • Etappe: Alicante/Spanien – Kapstadt/Südafrika
  • Etappe: Kapstadt – Abu Dhabi/Vereinigte Arabische Emirate
  • Etappe: Abu Dhabi – Sanya/China
  • Etappe: Sanya – ?
  • Etappe:
  • Etappe:
  • Etappe: ?/Nordamerika – Lissabon/Portugal
  • Etappe: Lissabon – Lorient/Frankreich
  • Etappe: Lorient – Galway/Irland
Carsten Kemmling
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