Die französischen Segelfracht-Pioniere Anemos und Artemis sollen nach der Pleite wieder über den Atlantik segeln. Die Gründer sind offenbar nicht mehr im Aktionärskreis. Doch hinter der Rettung bleiben Fragen: Wie kann der Neustart mittelfristig finanziert werden – und kann Segelfracht mehr sein als eine schöne Idee mit ökologischer Berechtigung?

Manchmal ist die See gnädiger als eine Bilanz. Ein moderner Frachtsegler kann gut „laufen“, tonnenweise Produkte transportieren, zudem passen Windstärke und -richtung (fast) immer, die Mannschaft macht ohnehin einen guten Job. Und trotzdem stehen am Ende dieses real gewordenen Traums vom Warentransport unter Segeln nicht das Löschen im Hafen oder Landfall, sondern Gerichtstermine. Genau das ist TOWT passiert, jenem französischen Vorzeigeprojekt, das den Handel nicht mit einem weiteren Greenwashing-Etikett bekleben, sondern mit einem richtungsweisenden Projekt bereichern wollte.
Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Die frühere Reederei TOWT (TransOceanic Wind Transport) heißt nun NEWTOWT. Das klingt nach Start-up-PR-Sprache, ist aber vor allem der Versuch, nach einer durchweg harten Insolvenz-Halse wieder Fahrt aufzunehmen. Nach der Insolvenz der Reederei (SR-Bericht) sollen nun die beiden Frachtsegler Anemos und Artemis ihre kommerziellen Transat-Törns fortsetzen. Am Ruder des Unternehmens steht ab sofort Karl Sement, zuvor Generaldirektor von TOWT, jetzt Präsident der Nachfolgegesellschaft NEWTOWT. Kern des Neustarts ist die Brasilien-Linie, insbesondere für Kaffeeimporteure, die ihre Lieferketten dekarbonisieren wollen.
Zu schön, um zu funktionieren?
Dabei hatte alles nach einer dieser Geschichten ausgesehen, die man der maritimen Energiewende gerne gönnt, wenn nicht sogar wünscht. TOWT – TransOceanic Wind Transport – wollte dem mit alten Frachtseglern eher mäßig vor sich hindümpelnden transatlantischen Warentransport sozusagen frischen Wind in die Segel pusten.
Die Franzosen ließen unter hohem finanziellen Aufwand und teilweise mit Unterstützung der französischen Regierung Segelfrachter bauen: rund 81 Meter lang, mit etwa 1.100 Tonnen Ladekapazität, unter Segeln automatisiert und primär vom Wind angetrieben. Die Anemos absolvierte 2024 ihre Jungfernfahrt, die Artemis folgte Anfang 2025. Beide Schiffe sollen seitdem zusammen 42 Transatlantik-Passagen gefahren und rund 40.000 Tonnen Güter transportiert haben – vor allem Wein, Spirituosen und Kaffee. Der Windanteil auf den Routen lag TOWT zufolge bei bis zu 90 Prozent, die Etmale bei 9,5 Knoten.

Das Modell war groß gedacht. Sechs weitere Schwesterschiffe waren vorgesehen, das Investitionsvolumen lag deutlich über 100 Millionen Euro. 2024 sammelte TOWT rund 25 Millionen Euro Eigenkapital ein, hinzu kamen Crowdfunding-Mittel über mehr als fünf Millionen Euro, Bankkredite und staatliche Garantien. Auch das dritte Schiff, die Atlantis, ist in Vietnam bereits im Bau. Es sah also nicht nach einer Bastelbude für maritime Romantiker aus, sondern nach einem ernsthaften Versuch, Segelfracht industriell wieder Attraktiv und konkurrenzfähig zu machen.

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