Philipp Buhl hat es allen gezeigt, den Zweiflern, sich selbst und der Konkurrenz. Er ist Vize‑Europameister geworden und hat damit nervenstark das geforderte Top‑Drei‑Ergebnis für die Kaderzugehörigkeit abgeliefert, von der nach eigenen Angaben die Fortsetzung seiner Karriere abhängt. Dabei wurde der letzte Tag zum Thriller.

Mit 36 Jahren gehört man in der ILCA‑Klasse schon fast zum alten Eisen. Die Physis ist entscheidend. Wer kann am besten ausreiten, sein Körpergewicht besonders gut einsetzen? Die jungen Mittzwanziger drängen immer mehr von hinten. Die Wachablösung naht. Aber noch ist es nicht so weit. Bei der Europameisterschaft im ILCA‑7 hat die alte Garde noch einmal abgeliefert – in Person von Pavlos Kontides, dem legendären zweimaligen Olympia‑Silber‑Gewinner und Doppelweltmeister aus Zypern, und Philipp Buhl, dem Weltmeister von 2020 und vierfachen WM‑Edelmetall‑Gewinner.

Bei der Europameisterschaft in Split haben sie sich an der Spitze der 173‑Boote‑Flotte ein Duell geliefert, bei dem die Youngster am Ende nur staunend zusehen konnten. Kontides gewinnt schließlich den Titel mit nur einem Punkt Vorsprung. Aber für Buhl ist es dennoch ein großer Erfolg. Seine letzte wichtige Meisterschaftsmedaille liegt schließlich schon sechs Jahre zurück.
Umso bemerkenswerter ist der Erfolg, weil er sich selbst öffentlich unter Druck gesetzt hat, indem er mit einem emotionalen Beitrag auf seine kritische Situation aufmerksam machte. Eine Medaille bei der EM wurde ihm vom Verband als Vorgabe gemacht, um den Kaderstatus wiederzuerlangen – eine Voraussetzung, die sportliche Karriere bis zu den Olympischen Spielen 2028 fortsetzen zu können. Eine zweite Chance hätte noch bei der WM in Irland bestanden. Das ist nun aber wohl nicht mehr nötig.

Denn diese EM vor Kroatien zeigt, dass eben nicht nur Alter und Physis zählen, sondern auch die Erfahrung. Das mag sich im vorletzten Rennen gezeigt haben, als Buhl der Erfolg nach einer starken Woche aus den Fingern zu gleiten drohte. Schon der Lauf zuvor am Morgen hätte so manch einen Skipper erschaudern lassen. Als Zweiter in den finalen Tag gestartet, drohte das Punktepolster in kürzester Zeit aufgebraucht zu sein, als der Start misslang und er nach dem erzwungenen Wegwenden eine extreme Linksdrehung nicht erwischte. Platz 35 an der Luvtonne, während Ole Schweckendiek seinem zweiten Sieg in der Serie entgegensteuerte.
Aber das ist noch nicht das Ende.
Der Wind wird in seiner Richtung immer instabiler und die Wettfahrtleitung brach das Rennen ab. Man kann sagen, das Glück ist mit den Tüchtigen, oder Pech und Glück gleichen sich aus. Denn in der Vorrunde lief es für Buhl auch schon anders. Er lag vorne, als ein Rennen abgebrochen wurde.
Dennoch kann ein solches Erlebnis einen Schock versetzen. Insbesondere, weil auch der nächste Start daneben geht. Buhl muss wieder schnell wenden, und so manch ein Sportler hätte in dieser Situation die Nerven verlieren und verkrampfen können. Stattdessen erwischt der für den NRV in Hamburg startende Bayer die nächsten Drehungen optimal und zieht sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf.
Und das geht so:





Walkenbach vor Buhl im vorletzten Rennen:
Dieses Rennen ist der Schlüssel zum Erfolg. Denn es ist klar, dass zeitlich nur noch maximal ein weiteres Rennen über die Bühne gehen kann. Mit einem 11. Platz als Streicher nach einer ungeheuer konstanten Serie kann in Bezug auf das angestrebte Podium nichts mehr passieren. Aber es geht noch um den Titel. Auch Pavlos Kontides hat in diesem schwierigen Lauf noch stark aufgeholt und sich mit Platz 5 in der Gesamtwertung einen Zähler Vorsprung gesichert.
Im Finale muss er jetzt nur noch aufpassen, dass Buhl nicht besser als sein Streicher (11.) segelt. Es kommt zum Zweikampf, in dem es dem Deutschen gelingt, auf die rechte Startkreuzseite zu entwischen. Diese ist aber nicht die richtige. Wieder kommt der Linksdreher und diesmal kann sich Buhl nicht mehr von Platz 30 verbessern – es ist auch nicht nötig.
Pavlos Kontides im Interview:
Mit diesem Ergebnis hat Philipp Buhl ein Ausrufezeichen gesetzt bei seiner Rückkehr in die Weltspitze, die er schon mit seinen beiden vierten Grand‑Slam‑Plätzen bestätigen konnte. Die aktuellen Überflieger der Klasse, Matthew Wearn (AUS) und Micky Beckett (GBR), waren zwar nicht am Start, aber ansonsten segelte die Weltelite vor Split.
Ob sich Buhls finanzielles Problem nun löst? Es geht ja nicht nur um die Unterstützung des Verbandes. Zuletzt fehlten ihm auch wichtige Sponsorengelder. EM‑Silber ist nun ein gutes Argument, um auch an dieser Front weiterzukommen. Denn im Hinblick auf LA28 gilt es, jetzt ein stabiles Gerüst zu bauen, das Leistungssport auf höchstem Niveau ermöglicht.
Insofern ist dieser Erfolg nur ein Teilaspekt. Die harte Arbeit beginnt jetzt.

Das gilt parallel auch für die Frauen. Auf dem Kurs nebenan versucht auch Julia Büsselberg im ILCA‑6 den nächsten Schritt zu gehen. Als zur Zeit beste deutsche Skipperin hat die Olympiastarterin ihren Status bei der EM bestätigt. Mit zwei starken letzten Rennen gelang ihr noch der Sprung unter die Top Ten im Feld von 120 Booten. Es scheint nicht viel zu fehlen, um sich noch weiter nach vorne zu schieben. Drei Top‑Drei‑Resultate zeigen das Potenzial. Ein Frühstart verhinderte wohl ein Top‑Sechs‑Ergebnis.


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