Erster IMOCA der neuen Generation: Wie Verdier die Form für DMG Mori neu erfunden hat

„Wie ein Fahrrad mit Stützrädern“

Die neue DMG Mori Global One sorgt seit ihrer Vorstellung am Donnerstag in Lorient für Diskussionen. Das Boot von Kojiro Shiraishi sieht radikal anders aus als alle aktuellen IMOCAs. Ist es schneller als die neue Malizia?

DMG Mori Global One, erste IMOCA der neuen Generation. Mit „Bustle“ unter der Kiellinie. © DMG Mori

Eigentlich ist es oft eine gute Entwicklung für eine Klasse, die mit einer Boxrule arbeitet, wenn die Regel in die Jahre kommt. Die Konstrukteure reizen die Formel aus, die Boote gleichen einander immer mehr an, und mit den geringer werdenden Leistungsunterschieden wird der sportliche Wettkampf spannender.

Das sieht man etwa in der TP52-Klasse, wo auch ältere Designs noch konkurrenzfähig sind und aktuell für einen kleinen Boom sorgen. So soll es auch im America’s Cup mit den AC75 werden, wo im nächsten Jahr die alten Rümpfe benutzt werden und nur noch an den Foils gebastelt werden darf. Prompt ist die Zahl der teilnehmenden Teams von fünf auf sieben angewachsen.

Die gegenteilige Entwicklung scheint es nun bei den IMOCAs für den nächsten Vendée-Globe-Zyklus zu geben. Zwar besteht die IMOCA-Formel schon seit 35 Jahren und sollte ausgereizt sein, aber immer neue Erkenntnisse und Entwicklungen lassen den Bootsbau nicht zur Ruhe kommen.

Kojiro Shiraishi
Der neue IMOCA für Kojiro Shiraishi. © DMG Mori

Änderungen wie der Neigekiel Ende der 90er Jahre, Einheitskomponenten 2013 (Kiel und Rigg), Foils ab 2016 und Trends wie der Plattbug von Sam Manuard (2020) für L’Occitaine von Armel Tripon und danach Sam Davies (nun Violette Dorange) für ein besseres Verhalten im Seegang ließen die Konstrukteure nicht zur Ruhe kommen.

Nach der Vendée Globe 2024–25 konnte man denken, dass sich die Designer nun langsam der optimalen Form angenähert haben. Zumal sich die Klasse gegen eine weitere massive Regeländerung wehrt, die Foils am Ruder für einen stabilen Flug erlauben würde. Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Die Computertools des führenden Designbüros Guillaume Verdier – Liniengeber der zuletzt siegreichen Macif – haben eine neue IMOCA-Form ausgespuckt, die sich deutlich von den aktuell schnellsten 60-Fußern unterscheidet.

Für den Japaner Kojiro Shiraishi, der sich von Nicolas Lunven und Samantha Davies helfen lässt, ist eine Form entstanden, die wohl das Maß aller Dinge wird. Muss sich Boris Herrmann, dessen Stapellauf der neuen Malizia ebenfalls kurz bevorsteht, Sorgen machen?

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