Erste Superyacht mit Foil: 43,3 Meter “Canova” von Baltic mit neun Meter Tragfläche

Flügel auf 25 Kugellagern

Die 43,3 Meter lange Superyacht “Canova” steht kurz vor dem Stapellauf in Finnland. Das Besondere: Sie ist mit einem neun Meter langen Profil ausgestattet, das in Lee aus dem Rumpf ragt und Auftrieb entwickelt. 

superyacht Canova

© Baltic

Das Dynamic Stability System (DSS) wurde noch nie auf einer Yacht dieser Größe eingebaut. Die quer durch das Wasser gezogene Tragfläche soll insbesondere bei bei höheren Geschwindigkeiten zusätzliche Stabilität liefern.

superyacht Canova

© Baltic

Farr Yacht Design hat die Konstruktion entworfen,  um besonders auf Langstrecken einen erhöhrten Komfort zu gewährleisten. Das Foil dämpft die Auf- und Ab-Bewegungen des Rumpfes und soll auch für eine erhöhte Geschwindigkeit sorgen. Die Berechnungen ergeben, dass der 43,3 Meter lange Rumpf bei 25 Knoten Wind 25 Knoten im Flachwasser erreichen kann.

superyacht Canova

© Baltic

Baltic spricht medienwirksam davon, den ersten Superyacht-Foiler entwickelt zu haben und erzeugt damit das Bild der fliegenden America’s Cup Katamarane im Kopf. Und der Hinweis darauf, dass Know How aus einer Kooperation mit Ben Ainslies America’s Cup Team BAR eingeflossen ist, deutet in die gleiche Richtung.

Baltic 142

Die Baltic-142 Custom weist eine verschiebbare Tragfläche im Rumpf auf. © Baltic

Aber so ist es dann doch nicht. Es geht nicht um echtes Abheben, sondern das Dynamic Stability System DSS. Dabei entwickelt die nach Lee aus dem Rumpf geschobene Tragfläche höhere Stabilität und das Kielgewicht kann reduziert werden.

Der australische 100 Fuß Supermaxi “Wild Oats XI” griff schon auf dieses System zurück, um das Sydney Hobart Race erneut zu gewinnen. Ziel war es, bei harten Raumgängen mehr Auftrieb im Vorschiff zu erreichen. Der Flügel ist inzwischen aber wieder abgebaut worden, um Gewicht zu sparen.

Wild Oats XI

Auf der Planke. 2,75 Meter kann das DSS Schwert per Hdraulik seitlich aus dem Rumpf gefahren werden. © Andrea Francolini

Auch der DSS-Flügel bei der Baltic ist schwer und hat gewaltige Dimensionen. Eine Konstruktion aus vier Reihen mit 25 Kugellagern in Titan-Kassetten macht die Bewegung möglich.

Baltic 142

Die Mechanik des Foils. Es wird durch den Rumpf geschoben und sorgt in Lee für Auftrieb. © Baltic

Bei Baltic heißt es, das System sei schon bei kleineren Yachten getestet aber noch nie auf so einer großen Superyacht angewandt worden. Dahinter steckt insbesondere das Know How der französischen Werft Infiniti Performance Yachts, die auch einen 46 Fußer auf Querflügeln durchs Wasser schäumen lässt.

Fliegen mit dem DSS-Prinzip

Die extremere Variante ist dann der Quant23 Foiler, der sich wie der Mini SEAir  mit dem DSS-Prinzip gänzlich aus dem Wasser hebt. Dazwischen bewegen sich die Semi-Foiler der IMOCA-Klasse, die nur bei bestimmten Bedingungen die benetzte Fläche des Rumpfes verringern können.

Davon ist die schwere Superyacht weit entfernt. Schließlich soll das Schiff Luxus-Kabinen für bis zu acht Gäste bereitstellen und mittschiffs eine umfangreiche Eigner-Kajüte. Aber der Flügel soll den Top-Speed der Yacht um 5 bis 20 Prozent erhöhen.

 

 

 

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Carsten Kemmling

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