Guirec Soudée: Vom Weltrekord zum Familientörn – Entdeckung der Langsamkeit

Kurs Abenteuer mit Familie

Nach Rundum-Weltrekord, Vendée Globe und ziemlich wilden Jahren auf See versucht Guirec Soudée etwas Neues: Familiensegeln. Mit Newt, Maé und Manec geht es von der Bretagne über Irland nach Schottland und, wenn alles passt, weiter bis Grönland. Schon die ersten Wochen zeigen: Es gelten andere Regeln.

Die junge Abenteuer-Familie Soudée © soudée

Wer derzeit im Norden der Bretagne unterwegs ist und in der beschaulichen Hafenstadt Tréguier vorbeischaut, kann dort ein für diese Region ungewöhnliches Boot entdecken. Am Steg liegt der Ultim-Trimaran MACSF, ein wenig verlassen wirkend, äußerlich aber noch „bereit fürs Abenteuer.“

Der Autor dieser Zeilen stand kürzlich etwas irritiert davor, denn eigentlich müsste der Renner doch weiterhin in Lorient/La Base stehen. In Vorbereitung für die Route du Rhum im November. Und überhaupt ist Guirec Soudée erst vor wenigen Monaten damit einmal „falsch herum“ um die Erde gesegelt: gegen die vorherrschenden Winde und Strömungen, einhand, in 94 Tagen, 21 Stunden und 58 Minuten. Als erster Solosegler überhaupt, der eine solche Ost-West-Weltumseglung auf einem Multihull vollendete. Jetzt also in Treguiér, ganz offensichtlich vorläufig „abgestellt“, allein und ohne Skipper?

Doch der Mann, der bei SegelReporter vermutlich noch immer am schnellsten mit „Das ist doch der mit dem Huhn“ identifiziert wird, ist längst wieder unterwegs. Allerdings auf einer Reise, bei der Geschwindigkeit ausnahmsweise ziemlich weit unten im Lastenheft steht und bei der auch Wetterrouting, Rekordzeiten und irgendwelche virtuellen Gegner keine sonderlich große Rolle spielen.

Dieses Mal segelt Soudée mit seiner Frau Newt De Nijs und den beiden Kindern Maé und Manec, vier und zweieinhalb Jahre alt. Das Ziel liegt im Norden, vielleicht sogar in Grönland. Anders ausgedrückt: Womöglich ist genau das eines der ungewöhnlicheren Abenteuer im ziemlich ungewöhnlichen Leben des Guirec Soudée.

Trockenfallen – Voraussetzung für coole Familientörns © soudée

Mit einem Huhn als Co-Skipperin auf einem Fahrtenboot über den Atlantik und rund um den amerikanischen Kontinent, inklusive Nordwestpassage – hat Soudée längst abgehakt. Solo im Ruderboot über den Atlantik? Hat er gleich zweimal gemacht. Im Eis Grönlands überwintern? Ebenfalls. Vendée Globe? Erledigt. Mit einem Ultim gegen Wind und Strom um die Erde? Locker geschafft. Mit Frau und zwei kleinen Kindern mehrere Wochen auf einem Boot leben? „Das ist Neuland“, gibt Soudée gerne zu.

 

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